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Wenn wir uns nicht bald
einig werden, gehen wir
gemeinsam unter.

Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Armenisch-Katholische Kirche

  • Gläubigeca. 470.000, davon 325.000 in Armenien selbst, 26.000 in Syrien, 12.000 im Libanon, 36.000 in Nordamerika, 30.000 in Paris, 16.000 in Argentinien und 12.000 im übrigen Lateinamerika
  • SitzBeirut (Libanon)
  • Diözesen17, davon 1 in Armenien, 8 im Nahen und Mittleren Osten, 5 in Europa und 3 in Amerika
  • Ritusarmenisch
  • LiturgiespracheGrabar (Alt-Armenisch)
  • Kalendergregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenPatriarch von Kilikien der Armenier
  • e-mailbzomar@bridge.com.lb (P. Teyrouzian)
    bzomar@sodetel.net.lb (P. Teyrouzian)

1080 verlegten die Armenier aufgrund der Einfälle der Seldschuken ihr Zentrum vom Kaukasus an die heutige türkische Küste des östlichen Mittelmeeres und gründeten das Fürstentum von Kilikien, das bis 1375 bestand. 1097 gelangten die Kreuzfahrer in diese Region, von denen die Armenier eine Sicherung ihres Fürstentums erhofften. Es kam zu militärischer Unterstützung durch die Franken und das Fürstentum Kilikien wurde vom fränkischen Kaiser zum Königtum erhoben. Die Päpste strebten eine Union mit der Armenischen Kirche an; so sandte 1184 Lucius III. dem Katholikos Grigor IV. Tgha das Pallium als Zeichen seiner jurisdiktionellen Oberhoheit.

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1307 wurde auf eine Synode in Sis (heute Kozan in der Türkei) eine Union mit Rom besiegelt, die 1316 auf der Synode von Adana und 1342 auf einer weiteren Synode in Sis bestätigt wurde. Es folgte ein radikaler Latinisierungsprozess, der bis heute seine Spuren in der armenischen Liturgie, auch jener der Armenisch-Apostolischen Kirche, hinterlassen hat. Vor allem bei den liturgischen Gewändern und Insignien der Bischöfe ist der Einfluss der römischen Liturgie unübersehbar. Ab 1344 regte sich aber erheblicher Widerstand gegen die massive Latinisierung, so dass es 1361 auf einer weiteren Synode in Sis zur offiziellen Auflösung der Union mit Rom kam. Es folgte eine Phase der bewussten Rückbesinnung auf das eigene armenische liturgische Erbe.

Auf dem Konzil von Ferrara-Florenz unterzeichnete 1439 zwar eine armenische Delegation ein Unionsdekret – Exultate Deo –, das aber von der Armenischen Kirche nicht anerkannt wurde und daher folgenlos blieb. Erst 1740 kam nach wiederholten Versuchen Roms eine Union zustande, die von Dauer blieb.

1740 gingen vier Bischöfe der Armenisch-Apostolischen Kirche eine Union mit Rom ein, aus deren Reihen der bereits 70-jährige Abraham Petrus Ardzivian (1679–1749) zum Armenisch-Katholischen Patriarchen von Kilikien gewählt wurde. Papst Benedikt XIV. bestätigte 1742 diese Wahl und sandte ihm das Pallium. Seinen Sitz nahm er in Sis, unweit des Armenisch-Apostolischen Katholikos. Aufgrund des Widerstandes des Armenisch-Apostolischen Katholikosats und der osmanischen Behörden verlegte sein Nachfolger nach dessen Tod schon 1750 seinen Sitz in das Kloster Bzommar in Jounieh nahe Beirut.

Für die mit Rom in voller Kircheneinheit stehenden Armenier in Istanbul bestand ab 1759 eine eigene kirchliche Hierarchie, die den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Osmanischen Reiches geschuldet war. 1867 wurde diese Hierarchie in das Patriarchat von Kilikien eingegliedert und der Sitz des Patriarchen wurde nach Istanbul verlegt, was durch politischen Druck von türkischer Seite erfolgte. Nach dem Genozid an den Armeniern von 1915 bis 1922, bei dem auch 100.000 katholische Armenier und die Hälfte des Armenisch-Katholischen Klerus ermordet wurden, reorganisierte sich die Armenisch-Katholische Kirche und verlegte ihren Patriarchatssitz 1928 wieder nach Bzommar, wo er bis heute ist.

1870 schlossen sich mehrere Armenisch-Katholische Bischöfe und Priester der Armenisch-Apostolischen Kirche an, da sie die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils nicht mittragen wollten. Heute ist die Armenisch-Katholische Kirche weltweit zu finden, ähnlich wie große Teile der armenischen Nation, die durch die Verfolgung und Vertreibung durch die Jungtürken Zuflucht in der Diaspora finden musste.

Von herausragender Bedeutung für die Bewahrung des kulturellen und kirchlichen Erbes der Armenier ist der Armenisch-Katholische Mechitharistenorden. Er geht auf Mechithar von Sebaste (1676–1749) zurück, einen armenischen Christen, der als Mönch und Diakon 1695 bei den Jesuiten in Aleppo das katholische Glaubensbekenntnis annahm. Nach seiner Priesterweihe 1696 entfaltete er eine reiche Predigttätigkeit in Konstantinopel (Istanbul) und gründete dort am Fest Mariä Geburt (8. September) 1701 einen Armenisch-Katholischen Orden nach jesuitischem Vorbild, der sich selbst die Bezeichnung Adoptivsöhne der Jungfrau, Lehrer der Buße gab. Als Schismatiker in den Augen der Armenisch-Apostolischen Kirche mussten sie bald Konstantinopel verlassen und gründeten ihre erste Niederlassung auf der Peloponnes. 1711 wurden sie von Papst Clemens XII. offiziell bestätigt, wobei sie sich zur Übernahme der Benediktsregel verpflichteten. 1717 fanden sie – auf der Flucht vor dem türkisch-venezianischen Krieg – ihre endgültige Bleibe auf einer Insel in der Lagune Venedigs: San Lazzaro degli Armeni, wo bis heute das Zentrum des Ordens liegt. 1833 ging die gesamte Insel durch einen Kaufvertrag endgültig in den Besitz des Ordens über.

Mechithar gab seinem Orden einen klaren Auftrag mit auf dem Weg, der bis heute das Apostolat der Mechitharisten bestimmt: Pflege der Wissenschaft, Seelsorge und Jugenderziehung. Er war selbst sehr aktiv auf dem Gebiet der Armenologie; so hinterließ er kurz vor seinem Tod 1749 ein armenisches Wörterbuch. Aus den Reihen des Ordens sind viele bedeutende Gelehrte und Schriftsteller hervorgegangen, die sich zeitlebens vorrangig mit der Bewahrung, Aufarbeitung und Erforschung der armenischen Sprache und Kultur beschäftigt haben. In ihren beiden Hauptniederlassungen in Venedig und Wien (seit 1810) richteten sie nicht nur bedeutende Druckereien ein, in denen zahlreiche Werke in orientalischen Sprachen und eigene armenologische Fachzeitschriften verlegt wurden, sondern bauten auch wertvolle armenische Bibliotheken auf, die heute wesentlich das kulturelle Gedächtnis Armeniens bewahren, nachdem durch den Genozid an den Armenien (1915–1922) auf armenischen Boden vieles unwiederbringlich zerstört wurde. Allein die Mechitharisten-Bibliothek in Wien verwahrt über 2.600 wertvolle armenische Handschriften. – Ihren Auftrag der Jugenderziehung nehmen die Mechitharisten durch armenische Schulen in ordenseigener Trägerschaft in Istanbul, Beirut, Los Angeles und Boston wahr.

Sind die Beziehung bei manchen Katholischen Ostkirchen zu ihren jeweiligen Ursprungskirchen aufgrund der historischen Belastungen nicht immer von Harmonie geprägt, so ist das Verhältnis zwischen der Armenisch-Katholischen Kirche und ihrer Armenisch-Apostolischen Mutterkirche ausgesprochen vertrauensvoll. Ein wichtiger Verdienst kommt dabei namentlich den Mechitharisten zu, die ihre armenische Identität als Erbe und Auftrag für das gesamte armenische Volk begreifen und sich daher stark um Aussöhnung und Verständigung mit der Armenisch-Apostolischen Kirche bemühen. Zahlreiche gemeinsame Projekte wurden bereits initiiert und realisiert.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB