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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Patriarchat von Georgien

  • Gläubigeca. 4 Millionen
  • SitzTiflis (Georgien)
  • Diözesen38 Diözesen, fast ausschließlich in Georgien
  • Statusautokephal
  • Ritusbyzantinisch
  • Liturgiesprache(Alt)georgisch
  • Kalenderjulianisch
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Mzcheta-Tbilissi und Katholikos-Patriarch von ganz Georgien
  • e-mailinfo@patriarchate.ge

Die Georgier sind – neben den benachbarten Armeniern – das älteste christliche Staatsvolk überhaupt: Die in Georgien als Heilige hochverehrte Nino hat schon im Jahr 337 den georgischen König Mirian zum Christentum bekehrt, nachdem sie seine Frau von einer Krankheit geheilt hatte: Er ließ sich daraufhin taufen und erhob das Christentum zur Staatsreligion von Iberien, dem heutigen Ostteil Georgiens. Der Tradition nach ist aber schon der Apostel Andreas der erste Verkünder der christlichen Botschaft in dieser Region gewesen. Auch in West-Georgien, an der Schwarzmeerküste lassen sich für das frühe 4. Jahrhundert bereits christliche Gemeinden belegen.

Weitere Informationen über das Patriarchat von Georgien

Auf den Ökumenischen Konzilien von Nikaia (325) und Konstantinopel (381) wurde das Patriarchat von Antiochien mit der jurisdiktionellen Zuständigkeit für das Gebiet Georgiens betraut, wobei das Antiochenische Patriarchat auf die Kirche von Georgien kaum Einfluss ausübte.

Anfang des 7. Jahrhunderts wechselte die jurisdiktionelle Zuständigkeit für Georgien von Antiochien zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Der Grund hierfür waren die Ereignisse, die mit dem Konzil von Chalkedon (451) verbunden waren: Die Georgische Kirche konnte – genauso wie die Kirche von Armenien – aufgrund politischer Schwierigkeiten (Perserherrschaft) nicht an diesem Konzil teilnehmen, rezipierte dessen Beschlüsse jedoch um 600 – im Gegensatz zur Armenischen Kirche. Dies führte schließlich zu einem Bruch zwischen der Kirche von Georgien und der benachbarten Armenischen, die bis dato auf ein langes gemeinsames Erbe zurückblicken konnten.

Ist die Kirche von Georgien heute – konfessionskundlich gesehen – eine Orthodoxe Kirche, zählt die Armenische Kirche zu den so genannten Orientalisch-Orthodoxen Kirchen. Die Anerkennung der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon hatten auch eine engere Integration in den Römischen Reichsverband und die Unterstellung unter das Patriarchat von Konstantinopel zur Folge, da die bisher zuständige Kirche von Antiochien nicht ungeteilt die Beschlüsse des Konzils mitgetragen hatte.

Mitte des 8. Jahrhunderts erlangte die Kirche von Georgien das Recht, ihr Oberhaupt selbst zu wählen. Die darauf folgenden Jahrhunderte zeichneten sich durch eine große kirchliche Blüte aus, vor allem im monastischen Leben. Viele Klöster wurden gegründet, die eine große missionarisch-geistliche und intellektuell-geistige Strahlkraft entfalteten. So wurde unter anderem auch auf dem Berg Athos 980 von Johannes dem Iberer ein Kloster gegründet, das Iberion (Iviron), in dem wichtige religiöse Werke ins Georgische übersetzt wurden. Es ist bis heute eines der bedeutendsten Athos-Klöster. In den Jahren der wechselnden Fremdherrschaften ab dem 13. Jahrhundert waren es gerade die Klöster, in denen die Identität der Georgischen Kirche bewahrt wurde.

Konnte die Kirche von Georgien während der Zeit des unabhängigen Georgischen Königreichs (11.–13. Jahrhundert) eine reiche Bautätigkeit entfalten, sah sie sich in den folgenden Jahrhunderten der Fremdherrschaften in einer Defensivposition gegenüber dem Islam, nachdem das Byzantinische Reich seine Schutzmachtfunktion eingebüßt hatte. Mongolen, Perser, Osmanen und schließlich die Safawiden besetzten in Folge das Land, bis es 1817 von Zar Alexander I. in das Russische Großreich eingegliedert wurde. Die Kirche von Georgien unterstand nunmehr der Kirche von Russland.

Nach der Februarrevolution von 1917 erlangte die Georgische Kirche ihre Selbständigkeit wieder. Auch politisch erfolgte eine Loslösung von Russland. Bereits 1921 fand die politische Unabhängigkeit Georgiens durch den Einmarsch der Roten Armee jedoch ihr vorzeitiges Ende. Nach der Lockerung der restriktiven sowjetischen Religionspolitik während des Zweiten Weltkriegs erkannte das Moskauer Patriarchat 1943 die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche an. Am 4. März 1990 bestätigte das Ökumenische Patriarchat die Autokephalie.

Nach dem Tod Stalins, selbst ein gebürtiger Georgier, konnte sich die Georgische Orthodoxe Kirche allmählich reorganisieren und wieder in Kontakt zu den anderen christlichen Kirchen treten. 1962 wurde die Georgische Kirche in den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) aufgenommen und 1979 wurde der Georgische Patriarch Ilia II. sogar zu einem der sechs Präsidenten des ÖRK gewählt.

Mit dem Zerfall der UdSSR und der staatlichen Unabhängigkeit Georgiens 1991 konnte die Georgische Orthodoxe sich im pastoralen Bereich wieder frei entfalten und auch das Mönchtum konnte belebt werden, nachdem zahlreiche Gotteshäuser und Klöster der Kirche zurückgegeben worden waren. 1995 konnte erreicht werden, dass in den öffentlichen Schulen der Religionsunterricht als Pflichtfach eingeführt wurde. Im Mai 1997 verließ die Georgische Orthodoxe Kirche den ÖRK. Die in jüngster Zeit verstärkt aufbrechenden Separationsbewegungen in einigen Teilen des Landes, welche die staatliche Einheit Georgiens massiv infrage stellen, bilden aktuell eine der größten Herausforderungen für die Georgische Orthodoxe Kirche, da auch deren innere und äußere Einheit dadurch zunehmend gefährdet wird. Hier scheint sich aber eine Befriedung der Situation abzuzeichnen.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB