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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Italo-Albanische Kirche

  • Gläubigeca. 61.000
  • Diözesen2 Diözesen in Italien (Kalabrien und Sizilien) und die Territorialabtei Grottaferrata bei Rom
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheGriechisch, Albanisch, Italienisch
  • Kalendergregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenBischof von Lungro bzw. Bischof von Piana
  • e-mailcuria@lungro.chiesacattolica.it

Italien, das Wiegenland der lateinischen Kirche mit der Hauptstadt Rom als Synonym für das Christentum westlicher Prägung, ist Heimstatt einer alten Kirche genuin byzantinischer und griechischer Prägung. Durch die Verbindung Griechenlands mit dem heutigen Süditalien und der Insel Sizilien in der Antike waren diese beiden Regionen bis ins Früh- und Hochmittelalter stark griechisch geprägt. Diese Christen des byzantinischen Ritus unterstanden aber von Anfang an dem Jurisdiktionsbereich des lateinischen Patriarchats von Rom, da man sich lediglich am Territorialprinzip und nicht am Ritus der gefeierten Liturgie (z.B. ambrosianische Ritus der Mailänder Kirchenprovinz) orientierte.

Weitere Informationen über die Italo-Albanische Kirche

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches kam es unter dem Oströmischen Kaiser Leon III. (714–741) 732/33 zur Abtrennung der päpstlichen Patrimonien in Süditalien und Illyrien: Die Christen Süditaliens und der Insel Sizilien wurden dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt, während der Papst den Schulterschluss mit den Frankenherrschern suchte. Italien wurde also zweigeteilt: in einen „lateinisch-fränkischen Norden“ und einen „griechisch-byzantinischen Süden“. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine regelrechte Blütezeit des byzantinischen Christentums im Süden Italiens: Hunderte von griechischen Klöstern säumten die Küsten Kalabriens und Siziliens (für das 13. Jahrhundert sind noch 250 Klöster bezeugt)!

Im 11. Jahrhundert eroberten die Normannen Süditalien und gliederten es wieder in das lateinische Patriarchat ein. Die griechischen Bischöfe wurden durch lateinische ersetzt, die sich um eine Zurückdrängung des byzantinischen Ritus und um eine Latinisierung der lokal ansässigen Christen bemühten. Dieser stetige Niedergang des byzantinischen Christentums in Süditalien konnte jedoch im 15. Jahrhundert etwas aufgefangen werden, als zahlreiche Albaner in der Region Zuflucht vor der türkischen Eroberung suchten. Sie ließen sich dauerhaft in Süditalien nieder und integrierten sich rasch in die italienische Gesellschaft. Handelte es sich bei den Christen Nordalbaniens um Gläubige des lateinischen Ritus, war bei den Südalbanern der byzantinische Ritus vorherrschend. Die Beibehaltung ihres Ritus stieß bei den lateinischen Ortsbischöfen auf wenig Gegenliebe, doch durch die Unterstützung des Papstes ab dem 16. Jahrhundert konnten diese Gläubigen vor einer Latinisierung bewahrt werden. Die byzantinischen Albaner verschmolzen mit den noch existierenden Resten der griechischen Gemeinden und bildeten eigene Strukturen aus: Es entstand das, was man heute als Italo-Albanische Kirche bezeichnet.

Mit der Bulle Etsi pastoralis von Papst Benedikt XIV. erlangten die Italo-Albaner endgültig kirchliche Rechtssicherheit. In deren Folge wurden Italo-Albanische Seminare in Kalabrien und Palermo errichtet und im 19. Jahrhundert schließlich der byzantinische Ritus als gleichwertig mit dem lateinischen anerkannt. Im 20. Jahrhundert wurden schließlich zwei Diözesen für die Italo-Albaner errichtet: 1919 die exemte Eparchie Lungro in Kalabrien, der heute etwa 32.000 Gläubige angehören und 1937 die exemte Eparchie Piana degli Albanesi auf Sizilien, die heute etwa 28.500 Gläubige zählt.

1937 wurde außerdem der traditionsreichen byzantinischen Abtei Santa Maria dei Grottaferrata, 18 km östlich von Rom, der Status einer Territorialabtei verliehen. Eine kleine Italo-Albanische Gemeinde von etwa 50 Gläubigen ist ihrer Seelsorge anvertraut. Das Kloster Grottaferrata wurde 1004 von Neilos von Rossano, einem griechisch-sprechenden Kalabresen gegründet. Es besitzt eine Bibliothek mit über 1.000 heute noch erhaltenen Handschriften, die besonders für die wissenschaftliche Erforschung des byzantinischen Ritus von einzigartiger Bedeutung sind. Der Abt des Klosters ist in Personalunion Archimandrit des nach dem byzantinischen Ritus lebenden Basilianerordens in Italien. Neben der bedeutenden Abtei Grottaferrata unterhält dieser noch vier weitere kleinere Klöster in Italien. Ihm gehören etwa 30 Mönche an.

Die Basilianer, die Abtei Grottaferrata und die ganze Italo-Albanische Kirche spielen eine wichtige Rolle im Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen. Sie sind nämlich ein lebendiges Zeugnis für ein gewachsenes Christentum genuin byzantinischer Prägung inmitten eines lateinisch geprägten Umfeldes, an dessen Beginn keine Union mit Rom steht – und damit auch keine Trennung von einer östlichen Mutterkirche!

Nikodemus C. SCHNABEL OSB