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blieben die Worte des
Evangeliums tote
Buchstaben.

Alterzbischof Otcenasek

Pro Oriente

PRO ORIENTE

Die Stiftung PRO ORIENTE wurde von Kardinal Franz König noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils am 4. November 1964 in Wien begründet. PRO ORIENTE arbeitet seither auf wissenschaftlicher Ebene und durch „Reisediplomatie“ an der Überwindung der Spaltung zwischen Römisch-Katholischer Kirche und Orthodoxen bzw. Orientalisch-Orthodoxen Kirchen.

Patriarch Pavle I. und Bürgermeister Zilk 1993 inRussisch-orthodoxer Protopresbyter Vitalij BorowojKoinonia 1974König + Krikorian September 1973 - 2. Wiener KonsuKardinal König und Papst Paul VIKardinal König und äthiopisch-orthodoxer PatriarchIn den Straßen von Jerusalem

Die Stiftung PRO ORIENTE

Die Stiftung PRO ORIENTE geht zurück auf Kardinal Franz König und einen Kreis seiner Freunde in Wien (Msgr. Otto Mauer, der „Presse“-Chefredakteur Otto Schulmeister u. a.). König, seit jeher ökumenisch interessiert, gründete (noch vor der offiziellen Verabschiedung des Konzildekrets über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio“ am 21. November 1964) bereits am 4. November 1964 die Stiftung PRO ORIENTE. Als Grundauftrag wurden Gespräch und Vernetzung mit den Orthodoxen und Orientalisch-Orthodoxen Kirchen festgelegt.

Auftrag von PRO ORIENTE

Der Auftrag lässt sich in drei Richtungen ausfalten:
Pflege und Förderung der Beziehungen zwischen den Kirchen, Vertiefung der ökumenischen Gesinnung unter den Gläubigen, Unterstützung ökumenischer Initiativen.
Die Tätigkeit von PRO ORIENTE ist wissenschaftlicher Natur und geschieht auf inoffizieller Ebene. Die inoffizielle Ebene ermöglicht es Verantwortlichen der Kirchen sowie Expertinnen und Experten, offen und weisungsfrei zu diskutieren und einen aufrichtigen Austausch zu führen. Ergebnisse und Erfahrungen dieser nichtoffiziellen Gespräche sind vielfach in den offiziellen theologischen Dialogprozess zwischen Römisch-Katholischer Kirche und Orthodoxen bzw. Orientalisch-Orthodoxen Kirchen eingeflossen – was auch weiterhin geschieht. Ein Mittel des inoffiziellen Dialogs war – und ist – auch die „Reisediplomatie“, die Kardinal König (und seine Nachfolger als Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung PRO ORIENTE, Kardinal Hans Hermann Groer und Kardinal Christoph Schönborn) in Begleitung von Vorstandsmitgliedern der Stiftung zu den Oberhäuptern der östlichen Kirchen geführt hat und im Zuge dessen Besuche dieser Kirchenverantwortlichen in Österreich ermöglicht wurden. In den letzten zehn Jahren nehmen diese Aufgabe verstärkt die Sektionen der Stiftung in Salzburg, Graz und Linz wahr.

Der Stifter, Kardinal Franz König

Kardinal Franz König (1905-2004), der als großer „Mann des Dialogs“ im Bewusstsein ist, hatte sich schon von Jugend auf für die anderen Kirchen und für die anderen Religionen interessiert (dieses Interesse veranlasste ihn, sein bahnbrechendes religionswissenschaftliches Werk „Christus und die Religionen der Erde“ zu erarbeiten). Auf der Grundlage seines Interesses und seiner Studien verfügte König über eine „Weite des Geistes, die er dann als Grundhaltung des Zweiten Vatikanischen Konzils wiedergefunden hat“ (Weihbischof Helmut Krätzl). Die Zeit des Konzils war für König der Höhepunkt seines bischöflichen Wirkens. Einige der großen Dokumente des Konzils sind wesentlich von König mitgeprägt (vor allem die Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“, die Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“, die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ und eben auch das Dekret über den Ökumenismus „Unitatis Redintegratio“).

Die Idee PRO ORIENTE

1964 entstand im Gespräch mit seinen Freunden Msgr. Otto Mauer, dem „Presse“-Chefredakteur Otto Schulmeister und dem späteren Böhler-Generaldirektor Adolf Bayer die Idee, aufgrund der geographischen, historischen und kulturellen Position Wiens einen Beitrag zum ökumenischen Gespräch mit den Kirchen des Ostens zu leisten. In diese Idee flossen nicht nur die Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils ein, sie war auch Konsequenz eines Ereignisses des Jahres 1960. Im Februar jenes Jahres erlitt der Kardinal auf der Fahrt zum Begräbnis von Kardinal Alojzije Stepinac einen schweren Autounfall. Das einzige, was er in seinem Krankenzimmer im Spital von Varazdin vor sich hatte, war das Bild von Marschall Tito. König sah darin einen Fingerzeig, dass er sich als Erzbischof von Wien – an der Grenze, die damals noch (und bis 1989) Europa durchschnitt – mehr um die verfolgten Kirchen unter kommunistischer Herrschaft zu kümmern habe. Er verstand diesen Fingerzeig so, dass es nicht nur um die katholischen Ortskirchen in den kommunistisch beherrschten Ländern gehen solle, sondern ebenso um die Orthodoxen Kirchen (fast alle Orthodoxen Kirchen in Europa – mit Ausnahme des Ökumenischen Patriarchats und der Kirche von Griechenland – seufzten damals unter der kommunistischen Herrschaft). Die österreichische Neutralität erwies sich in diesem Zusammenhang als nützliches Werkzeug: Kardinäle und Patriarchen aus kommunistisch beherrschten Ländern, die niemals eine Reisegenehmigung nach Rom, Paris, London oder gar Bonn erhalten hätten, konnten Wien, die Hauptstadt des neutralen Österreichs, besuchen.

Netzwerk und Dialog

Hinter dem Markenzeichen PRO ORIENTE entwickelte Kardinal König ab 1964 den Dialog mit den Orthodoxen und den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen. Ein dichtes Netzwerk der Beziehungen zu den Kirchen des Ostens entstand. König verstand den ökumenischen Dialog auch als einen wesentlichen Beitrag der Kirchen zum Aufbau des gemeinsamen Hauses Europa. Er war überzeugt, dass dieses neue Europa mit beiden Lungenflügeln – dem westlichen und dem östlichen – atmen muss. Ein Europa ohne Orthodoxie oder gar gegen die Orthodoxie erschien ihm undenkbar. Bei einer Veranstaltung des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa am 4. Oktober 2001 wies er die in manchen Kreisen populäre These des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel P. Huntington in „Clash of Civilizations“ zurück, dass es eine historische Scheidelinie zwischen den christlichen Völkern des Westens und den orthodoxen Völkern gebe und fügte lapidar hinzu: „Die Stiftung PRO ORIENTE hat durch ihre ökumenische Arbeit darauf aufmerksam gemacht, dass Brücken für das größere Europa gebaut werden können“. Gerade Österreich sollte eine „Verbindungs- und Brückenfunktion besonderer Art zur Kenntnis nehmen und nach immer neuen Wegen der Verständigung suchen“.

„Die Ökumene muss weitergehen!“

Die Ökumene blieb ein Herzensanliegen von Kardinal König bis zum letzten Atemzug. Vor seinem Tod am 13. März 2004 war in Wien der damalige griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos einer seiner letzten Besucher. Zu ihm sagte König gleichsam als Vermächtnis: „Die Ökumene muss weitergehen“. Am Vortag des Begräbnisses (26. März 2004) hielt Metropolit Michael dann am aufgebahrten Sarg des Kardinals im Wiener Stephansdom eine Panichida (orthodoxes Totengedenken) – vielleicht das erste Mal überhaupt, dass dies für einen katholischen Bischof geschah.

Biographien über Kardinal König im Internet


Kurzer Lebenslauf von Kardinal Dr. Franz König (von Annemarie Fenzl)

Ausführlicher Lebenslauf von Kardinal Dr. Franz König (von Annemarie Fenzl);

Biographie ORF Religion Kardinal Franz König

Sektion: Wien