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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Syrisch-Katholische Kirche

  • Gläubigeca. 160.000, davon etwa 65.000 in Syrien und 55.000 im Irak und jeweils etwa 15.000 im Libanon und in den USA
  • SitzBeirut (Libanon)
  • Diözesen9 (Erz-)Diözesen und 4 Exarchate, fast ausschließlich im Nahen und Mittleren Osten (1 Diözese in den USA und 1 kleines Apostolisches Exarchat für Venezuela)
  • Rituswestsyrisch
  • LiturgiespracheAramäisch (Lesungen teils in Arabisch)
  • Kalenderjulianisch
  • Titel des ErsthierarchenPatriarch von Antiochien und der Syrer

Die ersten engeren Kontakte zwischen der Syrisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche gehen auf die Kreuzfahrerzeit im Hochmittelalter zurück. Wiederholt schlossen vereinzelt Bischöfe der Syrisch-Orthodoxen Kirche eine Union mit Rom, der aber nie eine große Dauer beschieden war, da das Hauptmovens dieser Unionsbestrebungen meist nur interne jurisdiktionelle Streitigkeiten waren.

Weitere Informationen über die Syrisch-Katholische Kirche

Auf dem Unionskonzil von Ferrara-Florenz (1437–1445) nahm zwar eine kleine Delegation des Syrisch-Orthodoxen Patriarchats teil, die am 30. November 1444 das Unionsdekret Multa et admirabilia unterzeichneten, aber diese Union blieb ebenfalls ohne nennenswerte Konsequenzen. Auch in den folgenden Jahrhunderten scheiterten mehrere Unionsversuche. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts konnte sich eine Syrisch-Katholische Kirche erstmals wirklich konstituieren. Den Hintergrund für diese Entwicklung bildete einerseits die politisch sich immer schwieriger gestaltende Situation für die syrischen Christen im Osmanischen Reich, die eine Annäherung der christlichen Bevölkerung an europäische Schutzmächte begünstigte, und andererseits die wirkungsvolle Missionstätigkeit der seit 1926 in Syrien wirkenden Jesuiten- und Kapuzinermissionare.

Die katholisch gesinnte Fraktion unter den Syrischen Bischöfen war 1656 so groß geworden, dass der vakant gewordene Stuhl des Syrisch-Orthodoxen Patriarchen in Aleppo mit einem Katholiken besetzt werden konnte. Es handelte sich um Andreas Akhidjian, einen ehemals orthodoxen Syrer: Er war schon früher zu den Maroniten übergetreten und in Rom ausgebildet worden. Er wurde vom Maronitischen Patriarchen zum Bischof geweiht und als Metropolit der katholischen Syrergruppe in Aleppo eingesetzt. 1659 erkannte Papst Alexander VII. Andreas Akhidjian offiziell als Erzbischof von Aleppo an und erteilte ihm die Erlaubnis, die Liturgie im westsyrischen Ritus zu feiern. Bald darauf konnten die katholischen Syrer erreichen, dass er der neue Syrische Patriarch wurde. 1662 wurde er auch offiziell vom Sultan bestätigt und 1677, kurz vor seinem Tod, wurde er auch von Rom als Patriarch von Aleppo anerkannt.

Nach dem Tod von Andreas Akhidjian spaltete sich jedoch das Patriarchat wieder, da 1677 sowohl ein Syrisch-Katholischer als auch ein Syrisch-Orthodoxer Patriarch gewählt wurden; und 1702 mit dem Tod dessen Nachfolgers als Syrisch-Katholischer Patriarch konnte die Union de facto als gescheitert gelten, da nicht nur der Patriarchen- sondern auch die meisten Bischofsstühle auf Jahrzehnte hin verwaisten. Die Religionspolitik des Osmanischen Reiches trug das ihrige zum Erlöschen der Syrisch-Katholischen Kirche bei.

Eine Wiedererrichtung der Syrisch-Katholischen Kirche konnte 1774 erreicht werden, als der Syrisch-Orthodoxe Metropolit von Aleppo, Michael Garweh, katholisch wurde. 1781 wurde er von vier Mitbischöfen zum Patriarchen der Syrer gewählt, doch nicht vom Sultan anerkannt, der seine Unterstützung einem von einer kleineren Gegenpartei gewählten Kandidaten gab. Daraufhin musste Garweh in den Libanon fliehen und amtierte fortan im Muttergotteskloster in Sharfeh, das noch heute Sommersitz des Patriarchen ist und das bis heute eine der bedeutendsten syrischen Handschriftensammlungen weltweit beherbergt. Es ist zudem zum spirituellen Zentrum der Syrisch-Katholischen Kirche geworden. 1783 wurde Michael Garweh schließlich vom Papst offiziell als Syrisch-Katholischer Patriarch anerkannt. Seit dieser Zeit gibt es eine ununterbrochene Reihe Syrisch-Katholischer Patriarchen von Antiochien.

Als 1830 von der Hohen Pforte in Istanbul das Syrisch-Katholische Patriarchat offiziell anerkannt wurde, verlegte es seinen Sitz nach Aleppo. Wegen der einsetzenden Christenverfolgung in der Endphase des Osmanischen Reichs residierte der Patriarch ab 1850 in Mardin, in der heutigen Südosttürkei. Die Syrisch-Katholische Kirche erstarkte in dieser Zeit, besonders in den städtischen Gebieten. Den Massakern des Ersten Weltkrieges fielen auch zahlreiche syrisch-katholische Christen zum Opfer. 1920 fanden der Patriarch und die anderen Überlebenden eine neue Heimat im Libanon unter französischem Protektorat. Andere katholischen Syrer bauten sich nach der Gründung des türkischen Staates eine neue Existenz in Syrien, den USA oder Lateinamerika auf; nur eine kleine Minderheit verblieb in den ehemaligen Siedlungsgebieten Ostanatoliens. Seit 1920 ist der Sitz des Patriarchen von Antiochien und der Syrer in Beirut.

Hatte die Syrisch-Katholische Kirche sich 1888 auf der Synode von Sharfeh eine stark latinisierte Ordnung gegeben, ist sie – bestärkt durch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils – in jüngerer Zeit bemüht, sich auf ihre genuin eigene Tradition zu besinnen und zu einer authentischen syrischen Liturgie zurückzufinden. Große Verdienste erwarb sich dabei Ignatius Antonius Hayek, der als Erzbischof von Aleppo einer der Konzilsväter des II. Vaticanums war und danach dreißig Jahre lang, von 1968 bis 1998, dem nachkonziliaren Erneuerungsprozess seiner Kirche als Syrisch-Katholischer Patriarch vorstand.

Aufgrund der anhaltenden angespannten politischen Situation im Nahen Osten, besonders im Irak und in Syrien, aber auch in der Türkei, in der sowohl die Syrisch-Orthodoxe wie die Syrisch-Katholische Kirche mit ihren nur noch rund 2.000 Gläubigen in Rechtsunsicherheit als nicht offiziell vom Staat anerkannte Minderheit lebt, emigrieren immer mehr syrische Christen nach Amerika. Dieser neuen Entwicklung Rechnung tragend, wurde 1995 mit Our Lady of Deliverance of Newark im Bundesstaat New Jersey in den USA die erste Syrisch-Katholische Eparchie für die etwa 15.000 Gläubigen in den Vereinigten Staaten errichtet; ihr folgte 2001 die Errichtung eines Apostolischen Exarchats für die etwa 5.000 Syrisch-Katholischen Gläubigen in Venezuela mit Sitz in Maracay.

Nikodemus C. Schnabel OSB