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Pro Oriente

Syrisch-Orthodoxe Kirche

  • Gläubigeca. 2 Millionen, davon etwa 1,5 Millionen in der autonomen Syrisch-Orthodoxen Kirche von Malankara in Indien
  • SitzDamaskus (Syrien)
  • Diözesen37 Diözesen (davon 11 in der autonomen Syrisch-Orthodoxen Kirche von Malankara in Indien)
  • StatusAutokephal
  • RitusWestsyrisch
  • LiturgiespracheAramäisch, Arabisch, Türkisch (in Indien: Malayalam)
  • KalenderJulianisch (Weihnachten am 6. Jänner, Ostern beweglich)
  • Titel des ErsthierarchenSeine Heiligkeit Ignatius Zakka I. Iwas (geb. 1933), seit 1980 Syrisch-Orthodoxer Patriarch von Antiochien und dem ganzen Osten

Wenn man einen Syrisch-Orthodoxen Christen bittet, seine Kirche vorzustellen, wird wohl das erste, das er erwähnen wird, die Liturgiesprache seiner Kirche sein: das Aramäische. Es ist die mutmaßliche Muttersprache Jesu, die heute nur noch in einigen wenigen Tälern in Syrien gesprochen wird, die aber in der Liturgie der Syrisch-Orthodoxen Kirche auf der ganzen Welt bis heute gepflegt wird. Um Verwechslungen mit der politischen Größe „Syrien“ zu vermeiden, bezeichnen sich viel Syrisch-Orthodoxe deshalb auch gerne als Aramäer.

Weitere Informationen über die Syrisch-Orthodoxe Kirche

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche hat vieles durch die Jahrhunderte treu bewahrt worden, und zwar durch Jahre, die nicht selten durch blutige Verfolgung, Unterdrückung, Vertreibung und Flucht gekennzeichnet waren. Wie viele andere Kirchen des christlichen Orients ist die Syrisch-Orthodoxe Kirche eine „Kirche unter dem Kreuz“, die in ihren ursprünglichen Stammländern im Nahen und Mittleren Osten bis heute unter teilweise schwersten Verfolgungen leiden muss.

Antiochien am Orontes ist eines der ältesten Zentren der Christenheit. Die Bibel berichtet davon, dass die Jünger Jesu in dieser Stadt zum ersten Mal „Christen“ genannt wurden (vgl. Apg 11,26). Der Apostel Petrus gilt als Gründer und erster Bischof der dortigen Gemeinde. Aufgrund des apostolischen Ursprungs und der enormen Bedeutung von Antiochien als kirchliches und politisches Zentrum für Syrien und Palästina, gehört die Kirche von Antiochien zu den altkirchlichen Patriarchaten der ersten Stunde (neben Rom, Konstantinopel und Alexandrien, später auch Jerusalem). Dass es heute nicht weniger als fünf Kirchen gibt, deren Oberhaupt sich Patriarch von Antiochien nennt (Rum-/Griechisch-Orthodoxe, Melkitische Griechisch-Katholische, Syrisch-Orthodoxe, Syrisch-Katholische und Maronitische Kirche) illustriert die bewegte Geschichte des Christentums in dieser Region.

Zur ersten grundlegenden Spaltung des Patriarchats von Antiochien kam es im 5. Jahrhundert als sich 424 die autokephale Heilige Apostolische Katholische Assyrische Kirche des Ostens mit Sitz in Seleukia-Ktesiphon sich endgültig von allen „Patriarchen des Westens“ für völlig unabhängig erklärte. Zuvor hat diese mit keiner anderen Kirche in Kirchengemeinschaft stehende Kirche auf einer Synode im Jahr 410 die Beschlüsse der beiden Reichskonzilien von Nikaia (325) und Konstantinopel (381) angenommen. Die Beschlüsse des dritten Reichskonzils von Ephesus (431) wurden jedoch nicht mehr rezipiert. Diese Kirche ost-syrischer Tradition hat ihren Ursprung in der syrischsprachigen Theologenschule von Edessa (heutiges Urfa in der Türkei), die politisch in den Einflussbereich des persischen Sassanidenreichs fiel.

Vertreter der zum Herrschaftsbereich des Imperium Romanum gehörende griechischsprachige Theologenschule von Antiochien am Orontes in West-Syrien hingegen nahmen an den ersten drei Reichskonzilien teil und trugen deren Beschlüsse mit. Zu einem erneuten Bruch kam es aber in der Folge des vierten Reichskonzils von Chalkedon 451: Die meisten Syrischsprachigen in West-Syrien lehnten als Minderheit die Beschlüsse dieses Konzils ab. Mit Petrus dem Walker wählten sie 470 einen eigenen Patriarchen von Antiochien, der im Gegensatz zum Griechisch-Orthodoxen Patriarchen von Antiochien und seinen in der Regel griechischsprachigen Anhängern die Beschlüsse des Chalkedonense nicht mittrug. 518 wurde Petrus’ Nachfolger, Patriarch Severus von Antiochien und alle mit ihm sympathisierenden Bischöfe vom byzantinischen Kaiser Justinus I. für abgesetzt erklärt und in die Verbannung nach Ägypten geschickt. Es erfolgte eine Phase staatlicher Unterdrückung gegenüber den Gegnern der Beschlüsse von Chalkedon.

Im Exil in Ägypten konnte Severus eine eigene Christologie entwickeln, welche für die Syrisch-Orthodoxe Kirche bis heute verbindlich ist. Der Vorwurf des Monophysitismus trifft bei ihr ins Leere. Dank dieser Christologie konnte im 20. Jahrhundert nach einem längeren Annäherungsprozess geklärt werden, dass es in Fragen der Christologie keine kirchentrennenden Glaubensunterschiede zwischen den Kirchen gibt, die die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon rezipiert haben und denjenigen, die dies nicht getan haben. 1984 führte dies sogar zu einem bedeutenden ökumenischen Durchbruch: Aufgrund des erzielten christologischen Konsenses vereinbarten die Römisch-Katholische Kirche und die Syrisch-Orthodoxe Kirche offiziell sakramentale Gastfreundschaft (Eucharistie, Sakrament der Buße und Versöhnung und Krankensalbung) und pastorale Hilfe im Bedarfsfall: Eine Vereinbarung, auf welche die Syrisch-Orthodoxe Kirche bis heute sehr stolz ist und die sie – im Gegensatz zum diesbezüglich weit verbreiteten Unwissen im Westen – sehr ernst nimmt und in höchsten Ehren hält!

536 wurde der im ägyptischen Exil befindliche Severus von einer reichskirchlichen Synode in Konstantinopel offiziell verurteilt und die Vernichtung seiner Schriften angeordnet. In dieser Phase war der Druck gegenüber den Gegnern der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon so massiv, dass sogar der mächtige anti-chalkedonensische Patriarch von Alexandrien, Theodosius, der die übergroße Mehrheit der Christen Ägyptens hinter sich hatte, 535 ins Exil musste. Die Gegner der Beschlüsse des Chalkedonense wurden nun im gesamten Byzantinischen Reich verfolgt und ihrer Oberhäupter beraubt.

Eine langsame Wende trat dank der Unterstützung von Kaiserin Theodora ein, der Gattin des Byzantinischen Kaisers Justinian (527–565), welche offen mit den Gegnern des Konzils von Chalkedon sympathisierte. 542 konnte der Koptische Patriarch Theodosius in seinem Exil zwei Bischöfe weihen: Zum einen Theodor von Arabien, der sich hauptsächlich der arabischen Ghassaniden in der Syrischen Wüste und im heutigen Jordanien annahm und zum anderen Jakob Baradäus, der sich zum großen Wandermissionar der Syrisch-Orthodoxen Kirche entwickelte; er ordinierte auf seinen abenteuerlichen Wanderungen von Syrien bis Isaurien mehrere Diakone, Priester und Bischöfe. Ähnlich wie später der angelsächsische Missionar Winfried Bonifatius im heutigen deutschen Sprachgebiet wurde er zu einem genialen organisatorischen Strategen, der erstmals eine durchstrukturierte Kirchenorganisation für die anti-chalkedonensischen Gläubigen im Nahen Osten schuf. Aufgrund dieses beeindruckenden Lebenswerks von Jakobus Baradäus, welcher erstmals feste jurisdiktionelle und administrative Strukturen für die Syrisch-Orthodoxe Kirche schuf, ist die Syrisch-Orthodoxe Kirche in älteren Konfessionskunden oftmals unter der Bezeichnung Jakobitische Kirche zu finden – wohl auch um sie begrifflich als west-syrische Kirche klarer von der ost-syrischen oder assyrischen Kirche zu unterscheiden. Diese Fremdbezeichnung der Syrisch-Orthodoxen Kirche sollte jedoch vermieden werden, da, bei allem Respekt gegenüber der Lebensleistung von Jakobus Baradäus, dieser nicht der Gründer der Syrisch-Orthodoxen Kirche ist, sondern deren Wurzeln historisch, wie gezeigt, weiter zurückreichen.

Bis zur islamischen Eroberung des Nahen Ostens im 7. Jahrhundert, welcher der Syrisch-Orthodoxen Kirche als ausgewiesene Gegnerin des pro-chalkedonensischen Byzantinischen Reichs erstmals eine ungeahnte Freiheit der Religionsausübung bescherte, musste die Syrische Kirche im Untergrund leben und wirken. Diese lange Existenz als Untergrundkirche mag vielleicht auch der Erklärungsgrund sein, warum die Syrisch-Orthodoxe Kirche niemals ein echtes kirchliches Zentrum ausgebildet hat: Ihre Patriarchen residierten durch die Jahrhunderte hindurch jeweils in verschiedenen Klöstern im Norden Syriens oder Mesopotamiens. So wechselte allein im 20. Jahrhundert der Sitz des Syrisch-Orthodoxen Patriarchen von Mardin (heutige Südosttürkei) 1924 nach Homs (Syrien) und 1959 in die syrische Hauptstadt Damaskus.

Das 7. Jahrhundert markiert auch endgültig die bis heute andauernden engen und guten Kontakte zwischen der Koptisch-Orthodoxen Kirche von Ägypten und der Syrisch-Orthodoxen Kirche, nachdem ein kurzzeitiges Schisma aufgrund jurisdiktioneller Streitfragen, das von 575 bis 617 dauerte, überwunden werden konnte. Im 9. Jahrhundert wurde im unterägyptischen Wadi Natrun sogar ein eigenes Syrerkloster gegründet, nämlich das bis heute bestehende beeindruckende Großkloster Deir Amba Surian. Auch in Jerusalem, wo beide Kirchen schon früh jeweils eigene Erzdiözesen errichteten, legen sie durch ihr enges Nahverhältnis bis heute ein beeindruckendes ökumenisches Zeugnis ab. Diese enge Beziehung und die damit verbundene wechselseitige Beeinflussung wird an manchen Details mehr als offensichtlich, wie zum Beispiel die fast gleiche Art und das beinahe identische Aussehen der Mönchshabite mit ihren charakteristischen mit Kreuzen bestickten Kopfhauben.

Das 12. und 13. Jahrhundert markiert in der Geschichte der Syrisch-Orthodoxen Kirche ihre größte Blütezeit, die so genannte Syrische Renaissance: Das syrische Schrifttum erlebt eine ungeahnte Produktivität, und zwar nicht nur in Bereichen der Theologie und Philosophie, sondern auch in der Geschichtsschreibung, in den Naturwissenschaften und in Dichtung und Literatur. Die herausragende Qualität dieser teils prächtig illuminierten Handschriften aus dieser Zeit ist beeindruckend. Während der Syrischen Renaissance erreicht die Syrisch-Orthodoxe Kirche auch ihre größte historische Ausdehnung: Ihre kirchlichen Strukturen umfassen 103 Diözesen und 20 Metropolien, welche vom Mittelmeer über das heutige Afghanistan bis hin nach Sinkiang in der heutigen Volksrepublik China reichen.

Nach der Syrischen Renaissance setzte eine lange Phase des unaufhaltsamen Niedergangs ein, wozu anfangs interne Streitigkeiten beitrugen, die dazu führten, dass es zeitweise bis zu vier konkurrierende Patriarchen gleichzeitig gab. Diese Schismen konnten nach 200 Jahren erst im 15. Jahrhundert mit der allgemein anerkannten Wahl Ignatius XII. zum Syrisch-Orthodoxen Patriarchen beigelegt werden. Er nahm seine Residenz in Mardin, in der heutigen Südosttürkei, wo die Syrischen Patriarchen bis zum Jahr 1924 residierten. Ab dem 14. Jahrhundert begann aber auch eine Zeit der blutigen Verfolgung für die Syrisch-Orthodoxe Kirche: Zunächst litten ihre Gläubigen durch die Übergriffe der zum Islam konvertierten Ilkhane Persiens und später unter dem massiven Ansturm der Mongolen unter Timur-Leng (1360–1405), der zahlreiche christliche Dörfer, Kirchen und Klöster in Schutt und Asche legte.

Im Osmanischen Reich konnte die Syrisch-Orthodoxe Kirche sich wieder etwas erholen. Da sie jedoch durch die Verfolgungen so stark dezimiert war, wurde sie nicht als eigenes Millet, das heißt als in inneren Angelegenheiten autonome Konfessionsgemeinschaft, anerkannt, sondern der Armenisch-Apostolischen Kirche zugerechnet. Diese Schicksalsgemeinschaft mit den Armeniern erreichte ihre dunkelste Phase während der Massaker an den Armeniern in der heutigen Osttürkei in den Jahren zwischen 1914–1918. In diesem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts mussten auch 186.000 syrische Christen auf brutale Art und Weise ihr Leben lassen, da die Jungtürken keinen Unterschied zwischen armenischen und syrischen Christen machten.

Heute ist gerade die Lage der Syrisch-Orthodoxen Christen in ihrem historischen Kernland um den Tur Abdin mit seinem alten Patriarchensitz Mardin und mit den vielen anderen uralten syrischen Klöstern in der heutigen Südosttürkei äußerst prekär. Im Gegensatz zu den Griechisch-Orthodoxen, den Armenisch-Apostolischen und den Juden gehören die Syrisch-Orthodoxen nicht zu den vom türkischen Staat zu schützende Minderheiten, wie sie im Vertrag von Lausanne aufgeführt werden. So profitieren sie auch nicht von den jüngsten Entspannungsbemühungen der türkischen Regierung gegenüber den nicht-muslimischen Minderheiten in ihrem Land. Im Gegenteil: Die skandalösen Vorgänge um das im 4. Jahrhundert gegründete Tur Abdin-Kloster Mor Gabriel haben einer breiten Weltöffentlichkeit schmerzhaft vor Augen geführt, dass die noch wenigen verbliebenen syrisch-orthodoxen Christen im Tur Abdin staatlicherseits massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind. Diese seit Ende des Zweiten Weltkriegs andauernde Politik des türkischen Staats gegenüber den syrischen Christen hat dazu geführt, dass von den einst 150.000 dort lebenden Syriani nur noch 2.000 dort verblieben sind: Viele haben in 1950-er und 190-er Jahren sich eine neue gesicherte Existenz im Ausland aufgebaut. Ein beliebtes Auswanderungsziel war, neben Schweden und den Niederlanden, Deutschland: Die ab 1961 von Deutschland angeworbenen Gastarbeiter aus der Türkei waren in den ersten Jahren fast ausschließlich „Turabdiner“, also syrische Christen!


Während die Syrisch-Orthodoxe Kirche in der weltweiten Diaspora sich eines regen kirchlichen Gemeindelebens erfreut und immer wieder neue Diözesen, Pfarren und Klöster errichtet, ist sie in ihren einstigen Stammländern in ihrer Existenz bedroht. Es ist erfreulich, dass mittlerweile immer mehr Christen im Westen für diese Problematik sensibilisiert sind und sich weltweit auf verschiedenen Ebenen für die Rechte und Anliegen der Syriani einsetzen, besonders für diejenigen, die sich entschieden haben, das reiche christliche Erbe des Tur Abdin vor Ort lebendig zu halten.

Syrisch-Orthodoxe Kirche von Malankara

Dreiviertel aller Christen der Syrisch-Orthodoxen Kirche gehören zur Syrisch-Orthodoxe Kirche von Malankara in Südindien. Dies ist eine Kirche mit autonomen Status, deren Ersthierarch sich Katholikos nennt, aber jurisdiktionell dem Syrisch-Orthodoxen Patriarchen von Antiochien untersteht. Sie darf nicht verwechselt werden mit der Malankara Orthodoxen Syrischen Kirche, an deren Spitze ebenfalls ein Katholikos steht: Dieser ist nämlich Oberhaupt einer eigenen Orientalisch-Orthodoxen Kirche mit autokephalem Status. Diese autokephale Orientalisch-Orthodoxe Kirche bevorzugt in jüngster Zeit immer mehr die Selbstbezeichnung Indisch-Orthodoxe Kirche um einerseits Verwechslungen mit der autonomen Syrisch-Orthodoxen Kirche von Malankara zu vermeiden und um andererseits zugleich ihre jurisdiktionelle völlig Unabhängigkeit vom Syrisch-Orthodoxen Patriarchat von Antiochien auf diese Weise zu dokumentieren.

Während die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Malankara aus denjenigen west-syrischen Malankaren hervorgegangen ist, welche die erst Ende des 19. Jahrhunderts wiederhergestellte enge Bindung an das Patriarchat von Antiochien befürwortete („Patriarchats-Partei“), hat die Malankara Orthodoxe Syrische Kirche ihren Ursprung in der gegnerischen Fraktion, welche die Autokephalie der indischen Kirche unter einem eigenen, in Indien residierenden, Katholikos anstrebte („Katholikats-Partei“). Als die Katholikats-Partei 1912 mithilfe eines Syrisch-Orthodoxen Altpatriarchen das 1859 erloschene Amt des Maphrian – so der seit dem 12. Jahrhundert auch als Katholikos bezeichnete Titel des Syrisch-Orthodoxen Metropoliten von Tagrit im Norden des heutigen Irak – in Indien wiedererstehen ließ, kam es zum offiziellen kirchlichen Bruch zwischen den beiden angesprochenen Parteien, da sich von nun an zwei orthodoxe west-syrische Jurisdiktionen in Malankara gegenüberstanden. Zwischenzeitlich gelang es ab 1958 eine Aussöhnung und Wiedervereinigung beider Parteien unter der Jurisdiktion des Syrisch-Orthodoxen Patriarchats von Antiochien zu erreichen, doch 1975 kam es offiziell zum erneuten Bruch und zur Wiedererrichtung paralleler jurisdiktioneller Strukturen.

Ist die Situation in der als Malankara bezeichneten südindischen Westküste im Bezug auf diese beiden Kirchen kompliziert genug, da es immer wieder zu Übertritten zwischen ihnen kommt, wird die Situation in der Diaspora, speziell in den USA, wo beide Kirche Diözesen errichtet haben, vollends unübersichtlich, zumal man die verschiedensten Selbstbezeichnungen finden kann. Da ja beide Kirchen nicht nur eine Jahrhunderte alte gemeinsame Tradition miteinander teilen und daher in Pastoral und Liturgie nahezu ununterscheidbar sind, sondern zudem auch als Mitglieder der Orientalisch-Orthodoxen Kirchenfamilie in völliger Sakramentengemeinschaft miteinander stehen, ist eine konfessionelle Unterscheidung in der Diaspora nur sehr schwer möglich. Will man hierüber Klarheit erlangen, ist es notwendig, seinen ökumenischen Gesprächspartner nach seiner Beziehung zum Syrisch-Orthodoxen Patriarchat von Antiochien zu befragen. Auch bei Pfarren in der Diaspora kann deren Internetpräsenz aufschlussreich sein, ob man nämlich einen Hinweis auf den Syrisch-Orthodoxen Patriarchen von Antiochien findet oder nicht.

Durch die zahlenmäßige Stabilisierung ihrer Gläubigen – in etwa jeweils 1,5 Millionen in beiden Kirchen – und die Errichtung und Etablierung jeweils eigener, voneinander völlig unabhängiger, gut funktionierender Strukturen und Einrichtungen für alle Bereiche des kirchlichen Lebens, scheint eine erneute Aussöhnung und Wiedervereinigung zurzeit nicht mehr die dringlichste Aufgabe für beide Kirchen zu sein.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB