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Ökumene ist der
Imperativ des christlichen
Gewissens.

Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln)

Pro Oriente

Union von Brest

Seit 2002 betreibt die Stiftung PRO ORIENTE ein Forschungsprojekt, das sich mit bis heute umstrittenen Fragen des Entstehens und der unmittelbaren Folgen der Union der Griechisch-Orthodoxen und der Katholischen Kirche in der Rzeczpospolita Polska, der polnisch litauischen Doppelrepublik (= Union von Brest), und den Widerständen dagegen beschäftigt.

Ausgangssituation

Die Gründe für die konfessionellen Streitigkeiten zwischen der Griechisch-Orthodoxen und der Griechisch-Katholischen Kirche in der Ukraine und Weißrussland gehen zurück auf die Kirchengeschichte der Rzeczpospolita Polska und liegen vor allem in dem für beide Seiten schmerzhaften Kapitel der Kirchen-Union von Brest an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert.
Nach der Wiederzulassung und Erstarkung der seit 1945 in der Sowjetunion verbotenen Griechisch-Katholischen Kirche nach der Wende 1989 kam es erneut zu Spannungen zwischen beiden Kirchen in der Ukraine. Diese Spannungen belasteten auch die offizielle Arbeit der Katholisch-Orthodoxen Dialogkommission.
Auf Initiative von em. Univ.-Prof. Dr. Ernst Chr. SUTTNER und unter seiner Leitung hat die Stiftung PRO ORIENTE im Jahre 2002 eine Forschungsgruppe eingerichtet, die sich in der Absicht, dem offiziellen Dialog zwischen der Orthodoxen und der Katholischen Kirche zuzuarbeiten, quellenkritisch mit den Vorgängen befassen sollte.

Arbeitsweise und Ziel

Da die kirchlichen Verhältnisse der Zeit, auf die sich das Forschungsvorhaben bezieht, in der konfessionellen Kirchengeschichtsschreibung sehr umstritten sind und sich die Darstellungen nicht selten sogar widersprechen, ist das Ziel des Forschungsvorhabens, ein von allen mitarbeitenden Forschern gemeinsam verantwortetes Kompendium der Ereignisse zu verfassen. Mit einer auch von den beteiligten Konfessionen anerkannten Beschreibung der Anfänge, der Ausbreitung und der Durchsetzung der Union soll erreicht werden, dass die Gespräche zwischen den Konfessionen künftig durch keine einseitigen Aussagen, pseudo-historischen Vorwürfe und Geschichtsmythen zur Unionsgeschichte belastet werden und konfessionelle Feindseligkeiten überwunden werden können.
Die Forschungsgruppe besteht aus bis zu 15 Historikern sowie Theologen aus der orthodoxen Kirche Polens und Russlands sowie aus der Römisch-Katholischen und der Griechisch-Katholischen Kirche der Ukraine, Polens und Österreichs.
Der wissenschaftliche Leiter des Forschungsvorhabens war bis zum Jahr 2012 em. Univ. Prof. Ernst Christoph SUTTNER. Die Arbeit der Forschungsgruppe erfolgt – wie bei PRO ORIENTE üblich – auf inoffizieller Ebene, d. h. dass die Teilnehmenden nicht Delegierte der jeweiligen Kirchenleitungen sind, sondern aufgrund ihres Fachwissens ausgewählt wurden.
Die bereits erwähnte Forschungsgruppe traf zu drei Tagungen zusammen (2002, 2004, 2006).

Ergebnisse und Bewertung

Die Beiträge der einzelnen Tagungen wurden jeweils in der Reihe des Augustinus-Verlags Würzburg Das östliche Christentum in deutscher Sprache (mit russischen Zusammenfassungen) veröffentlicht.
Um Fragen zu behandeln, die einer weiteren eingehenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit den vorliegenden historischen Dokumenten die Union betreffend bedurften, wurden am Institut für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens der Universität Wien zwei Privatissima durchgeführt.

Interkonfessionelle Arbeitsgruppe

Aus dem Kreis der Forschungsgruppe wurde eine dreiköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe gewählt. Diese fasst die jeweiligen Ergebnisse der Tagung in einem Bericht zusammen und soll auch die nächste Tagung vorbereiten.

Mitglieder der Arbeitsgruppe:
Erzbischof Jeremiaz von Wroclaw und Szczeczin, Orthodoxe Kirche, Polen
Prof. Oleh TURIJ, Griechisch-Katholische Kirche, Ukraine
Prof. Ernst Christof SUTTNER, Römisch-Katholische Kirche, Deutschland

Mitglieder der Forschungsgruppe

Wissenschaftliche Leitung:
Univ.-Prof. Dr. Rudolf PROKSCHI, Römisch-Katholische Kirche, Österreich

Weitere Mitglieder
Msgr. Iwan DACKO, Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche, Ukraine
Prof. Dr. Zygfryd GLAESER, Römisch-Katholische Kirche, Polen
Bischof Borys GUDZIAK, Ukrainisch Griechisch-Katholische Kirche, Frankreich
em. Univ.-Prof. Philipp HARNONCOURT, Römisch-Katholische Kirche, Österreich
John LAPIDUS, Russisch-Orthodoxe Kirche, Russland
Erzbischof Jeremiasz ANCHIMIUK von Wroclaw und Szczeczin, Polnisch-Orthodoxe Kirche, Polen
Prof. Oleh TURIJ, Griechisch-Katholische Kirche, Ukraine

Publikationen

Internationales Forschungsgespräch der Stiftung PRO ORIENTE zur Brester Union
Das östliche Christentum, Band 54

Internationales Forschungsgespräch der Stiftung PRO ORIENTE zur Brester Union
Johann Marte
Würzburg, 2004,

Internationales Forschungsgespräch der Stiftung PRO ORIENTE zur Brester Union
Das östliche Christentum, Band 56

Internationales Forschungsgespräch der Stiftung PRO ORIENTE zur Brester Union
Johann Marte
Würzburg, 2005,

Die Union von Brest (1596) in Geschichte und Geschichtsschreibung
Die Union von Brest (1596) in Geschichte und Geschichtsschreibung
Johann Marte und Oleh Turij
Lviv, 2006,

Die Brester Union
Das östliche Christentum, Band 58

Die Brester Union
Johann Marte, Oleh Turij, Ernst Christoph Suttner, Erzbischof Jeremiasz (Anchimiuk)
Würzburg, 2010,



Apostolic Letter for the Fourth Centenary of the Union of Brest

Veranstaltungen

Kirchliche Union von Brest 2008
Forschungsvorhaben
Hintergrund:
Die staatsrechtliche Vereinigung Polens und Litauens im Jahre 1569 (Union von Lublin) umfasste auch Fürstentümer im Westen und Süden der Kiewer Rus’ (das heutige Weißrussland und die Westukraine mit Kyiw). Die Mehrheit der Bevölkerung dieses Gebiets war russisch-orthodox. Aus politischen Gründen (Gleichstellung mit Bürgern der Union - wegen der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen 1453 – dadurch Verlust der Ausbildungsstätte und des ...

3. Tagung zur "Union von Brest" 2006
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, in getreuer Quellenforschung eine sachliche Sicht von den Ereignissen der kirchlichen Union von Brest zu gewinnen, die die polemischen und konfessionalistischen Darstellungen ablösen kann, die nach wie vor das zwischenkirchliche Klima vergiften. Bereits auf dem 2. Treffen der Arbeitsgemeinschaft (2.-8. Juli 2004, Cieplice / Polen) wurde beschlossen, mit der gemeinsamen Erarbeitung eines Buches über das Unionsgeschehen zu beginnen. Die Arbeitsgemeinschaft ...

2. Treffen der Interkonfessionellen Arbeitsgruppe 2004
Bei der Tagung 2002 wurde beschlossen, eine dreiköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe einzusetzen, die die bisherigen Ergebnisse festhalten und zusammenfassen und die dritte Tagung (Lemberg, 2006) vorbereiten sollte. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Erzbischof Jeremiasz, Prof. Turij und Prof. Suttner, legte am 7. Oktober 2004 ihren zweiten Bericht vor.

2. Tagung zur "Union von Brest" 2004
Themen der Diskussionen waren unter anderem die Unterschiede im Verständnis von Schisma und Union der Katholiken und Orthodoxen im 16. / 17. Jahrhundert in Polen-Litauen und Rom; und die Reise der ukrainischen Bischöfe Ipatij Potij und Kirill Terleckij nach Rom, die dort im Auftrag der Synode der Kiever Metropolie eine Union mit der römisch-katholischen Kirche abschließen sollten. Ebenfalls in den Blick genommen wurden die Gründe für die Ablehnung der Union, die durch die Aufnahme ...

2. Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens
Beim 2. Privatissimum wurden Dokumente zur Brester Union wie das Glaubensbekenntnis des Bischofs Hypathius, der Konzilstext von Florenz, die Brester Ratifikationsurkunde und die Dokumente 228-357 und die Briefe des Metropoliten Rutski von 1636 im Hinblick auf Gründe für die Ablehnung der Union, die von den Unionsgegnern vorgebracht wurden, analysiert.

1. Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens
Bei der 1. Begegnung der Teilnehmer zum Forschungsvorhaben zur Brester Union im Juli 2002 in Wien wurden Fragen aufgeworfen, die einer weiteren eingehenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit den vorliegenden Dokumenten bedurften. Bei dem 1. Privatissimum wurden die Unterschiede zwischen den im Vorfeld ausgearbeiteten „33 Punkten der Ruthenen“ und dem tatsächlichen Ergebnis, den beiden Unionsbullen „Magnus Dominus“ und „Decet Romanum Pontificem“ in ekklesiologischer Hinsicht ...

Treffen der Interkonfessionellen Arbeitsgruppe 2002
Bei der Tagung 2002 wurde beschlossen, eine dreiköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe einzusetzen, die die bisherigen Ergebnisse festhalten und zusammenfassen und die zweite Tagung (Polen, 2004) vorbereiten sollte. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Erzbischof Jeremiasz, Prof. Turij und Prof. Suttner, legte am 16. Oktober 2002 ihren Bericht vor.

1. Tagung "Union von Brest" 2002
Bei der ersten Tagung fand eine Aufzählung aller Persönlichkeiten und Institutionen statt, die zum Entstehen und zur Durchsetzung der Union oder zum Widerstand gegen sie beigetragen haben. Dabei wurde auch nach den Handlungsmotiven aller Beteiligten gefragt. Besonders wurde untersucht, worin die damals beteiligten Persönlichkeiten die Ursache dafür sahen, dass ein Schisma bestand, und was sie für notwendig hielten, damit es zu einer Union kommen könne. Die kirchlichen Verhältnisse ...