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Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln)

Pro Oriente

Union von Siebenbürgen

Seit 2001 betreibt die Stiftung PRO ORIENTE ein quellenkritisches Forschungsprojekt, das sich mit bis heute umstrittenen Fragen des Entstehens und den unmittelbaren Folgen der Union der Orthodoxen in Siebenbürgen mit der Katholischen Kirche (1697-1761) und den Widerständen dagegen beschäftigt.

Gruppenfoto2. Tagung Union von Siebenbürgen 2003Expertinnen im Konferenzraum

Ausgangssituation

Nach der Wiederzulassung und Erstarkung der Griechisch-Katholischen Kirche in Rumänien nach der Wende 1989 kam es zu Spannungen mit den Orthodoxen Rumäniens. Ein wesentlicher Grund für die Streitigkeiten war die Kirchengeschichte Siebenbürgener, vor allem das für beide Seiten schmerzhafte Kapitel der Siebenbürger Kirchenunion an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Die für eine Beurteilung der geschichtlichen Vorgänge nötigen Fakten sind schon seit langem bekannt. Sie werden jedoch in den Geschichtsbüchern immer wieder einseitig behandelt. Die Frage der „Unionen“ belastete ab 1989 auch die Arbeit der offiziellen Römisch-Katholisch-Orthodoxen Dialogkommission.
Mit Univ.-Prof. Dr. Ernst Chr. SUTTNER, einem langjährigen Mitglied dieser Kommission, kam die Stiftung PRO ORIENTE zur Überzeugung, dass es für eine ekklesiologische Beurteilung der Unionen hilfreich wäre, eine nach wissenschaftlichen Methoden erarbeitete, gemeinsame Sicht der historischen Vorgänge zu erarbeiten. Auf Vorschlag von Prof. SUTTNER hat die Stiftung PRO ORIENTE daher eine Forschergruppe von rund 20 Historikerinnen und Historikern sowie Theologinnen und Theologen aus der Orthodoxen, der Griechisch-Katholischen, der Römisch-Katholischen, der Evangelisch-Lutherischen und der Reformierten Kirche errichtet.

Arbeitsweise und Ziele

Ziel des Projektes ist eine von den beteiligten Konfessionen gemeinsam anerkannte Beschreibung der Anfänge, Ausbreitung und der Durchsetzung der Union der Siebenbürgener Rumänen mit der Römisch-Katholischen Kirche und den Widerständen gegen die Union.
Die aus Historikerinnen und Historikern sowie Theologinnen und Theologen aus allen christlichen Kirchen Siebenbürgens zusammengesetzte Forschungsgruppe traf zu mehreren Tagungen wechselweise in Österreich und Rumänien zusammen. Sie bemühte sich um eine ausgewogene und von den betroffenen Kirchen anerkannte Geschichtsschreibung der Ereignisse der Jahre 1697 (Eroberung Siebenbürgens durch die Habsburgische Armee) bis 1761 (Einsetzung eines Bischofs für die nicht-unionswilligen Siebenbürger Rumänen).

Ergebnisse und Beurteilung

Während die erste Begegnung noch von Misstrauen und Vorwürfen bestimmt gewesen war, kam es bereits bei der zweiten Tagung zu einem echten Dialog (auf inoffizieller Ebene) in entspannter und von gegenseitigem Respekt getragener Atmosphäre. Bereits die zweite Tagung wurde von Prof. Viorel IONITA, einem rumänischen Theologen und führenden Mitarbeiter der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), als ein historischer Durchbruch im Sinne des „Healing of Memories“ bezeichnet.
Die Beiträge der einzelnen Tagungen werden jeweils in den Annales Universitatis Apulensis der Universität Alba Iulia in rumänischer Sprache (mit deutschen Zusammenfassungen) veröffentlicht.
Das Projekt wurde 2016 in Wien feierlich mit einer öffentlichen Präsentation des zweiten Bandes abgeschlossen.

Mitglieder der Forschungsgruppe

Wissenschaftliche Leitung:
Univ.-Prof. Dr. Ernst Chr. SUTTNER

Organisatorische Koordination
Wolfgang Nikolaus RAPPERT, Römisch-Katholische Kirche, Österreich

Weitere Mitglieder:
Prof. Dr. Cristian BARTA, Griechisch-Katholische Kirche, Rumänien
Dr. Gudor Kund BOTOND, Reformierte Kirche, Rumänien
Dr. Paul BRUSANOWSKI, Orthodoxe Kirche, Rumänien
Dr. Remus CAMPEANU, ohne Bekenntnis, Rumänien
Prof. Dr. Nicolae CHIFAR, Orthodoxe Kirche, Rumänien
Dr. Daniel DUMITRAN, Griechisch-Katholische Kirche, Rumänien
Dr. Keith HITCHINS, Reformierte Kirche, USA
Prof. Dr. Viorel IONITA, Orthodoxe Kirche, Schweiz
Prof. Dr. Joszef MARTON, Römisch-Katholische Kirche, Rumänien
Prof. Dr. Ioan MITROFAN, Griechisch-Katholische Kirche, Rumänien
Dr. Mihai SASAUJAN, Orthodoxe Kirche, Rumänien
Dr. Laura STANCIU, Griechisch-Katholische Kirche, Rumänien

Publikationen

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Series Historica 6/II

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Alba Iulia, 2002,

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Series Historica 9/II

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Alba Iulia, 2005,

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Series Historica 10/II

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Alba Iulia, 2006,

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Series Historica 11/II

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Alba Iulia, 2007,

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Series Historica 14/II

Forschungsvorhaben zur Siebenbürgener kirchlichen Union
Alba Iulia, 2010,

Die Union der Rumänen Siebenbürgens mit der Kirche von Rom
Band 1

Die Union der Rumänen Siebenbürgens mit der Kirche von Rom
Johann Marte
Bukarest, 2010,

Die Union der Rumänen Siebenbürgens mit der Kirche von Rom
Band 2

Die Union der Rumänen Siebenbürgens mit der Kirche von Rom
Johann Marte, Viorel Ionita, Wolfgang Nikolaus Rappert, Laura Stanciu und Ernst Christoph Suttner
Bukarest, 2015,

Veranstaltungen

Redaktionssitzung 2012
Die eintägige Arbeitssitzung diente dazu, die Arbeiten zum zweiten Band voranzubringen. Die weitere Vorgehensweise wurde festgelegt.

5. Tagung zur "Union von Siebenbürgen" 2010
Da das Erscheinen des 1. Bandes mit Jahresende 2010 abzusehen war, traf sich die Forschungsgruppe erneut und zum fünften Mal, um die Weichen für einen Fortsetzungsband zu stellen: Dieser zweite Band soll die Geschehnisse der Jahre 1701 bis 1756 näher be- und durchleuchten.
Beim Treffen in Alba Iulia präsentierten die ReferentInnen ihre für den zweiten Band gedachten Themenschwerpunkte und stellten sie im Plenum zur Diskussion.

4. Tagung zur "Union von Siebenbürgen" 2007
Bekanntlich gehören das Entstehen und die Entwicklung der mit Rom unierten östlichen Kirchen zu den schwierigsten Themen im Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. Missverständnisse und gegensätzliche Interpretationen der geschichtlichen Vorgänge rund um die Unionen und sogar Unwissenheit über deren wahren Verlauf hatten sich für den Fortgang der Gespräche in der Dialogkommission als arge Stolpersteine erwiesen.

Daher richtete PRO ORIENTE 2001 ...

3. Tagung zur "Union von Siebenbürgen" 2005
Die verschiedenen Kirchen schreiben und interpretieren ihre Geschichte oft sehr unterschiedlich und sogar gegensätzlich. Es werden oft über Jahrhunderte Vorurteile und Geschichtsmythen mitgeschleppt, die der angestrebten Gemeinschaft aller Christen trennend im Wege stehen. Dies geschieht vor allem im Zusammenhang mit Spaltungen, die in Folge der Union entstanden sind, wie im Falle Siebenbürgens. Diese hatten heftige Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen der orthodoxen und ...

Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens
An dem Privatissimum des Instituts für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens der Universität Wien im März und Mai 2004 im Rahmen des Forschungsprojektes von PRO ORIENTE zum Thema: „Analysen bezüglich der Ekklesiologie und der Sicht vom römischen Primat in bestimmten Dokumenten zur Brester Union“ nahmen auch zwei Forscher aus der Forschergruppe zur Union von Siebenbürgen teil.

Treffen der interkonfessionellen Arbeitsgruppe 2003
Bei der Tagung 2003 wurde beschlossen, eine vierköpfige interkonfessionelle Arbeitsgruppe einzusetzen, die die bisherigen Ergebnisse festhalten und zusammenfassen und die dritte Tagung (Alba Iulia 2005) vorbereiten sollte. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Rektor Prof. Marza, Prof. Ionita, Dr. Stanciu und Prof. Suttner, legte am 8. November 2003 ihren Bericht vor.

2. Tagung "Union von Siebenbürgen" 2003
Beim Treffen von 2003 ging es in erster Linie um das Verständnis von der Union sowohl bei den Förderern als auch bei den Gegnern der Union. Auf dem Programm standen neben den Arbeitssitzungen der Forschergruppe auch Besuche in der orthodoxen Kirche in Alba Iulia (Erzbischof Andrei) und in der griechisch-katholischen Kathedrale in Blaj (Metropolit Lucian Muresan), wo sich PRO ORIENTE jeweils im Rahmen des Gottesdienst vorstellen konnte und von den genannten Persönlichkeiten zum Essen ...

Gemeinsam Geschichte schreiben
Forschung zur Union der Siebenbürger Rumänen mit der katholischen KircheDaraufhin regten beide Seiten quellenkritische Studien zu den einzelnen mit Rom unierten Kirchen an. PRO ORIENTE nahm diese Idee auf und gründete im Jahr 2001 eine gemischtkonfessionelle und interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die auf Grundlage der Quellen eine gemeinsame Darstellung der Geschichte der Unionsbewegung in Siebenbürgen erarbeiten sollte. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs präsentieren Mitglieder der Arbeitsgruppe die Forschungsergebnisse.

1. Tagung "Union von Siebenbürgen" 2001
Beim ersten Treffen 2001 wurde darüber diskutiert, welche Persönlichkeiten und Institutionen sowohl zum Entstehen und zur Durchsetzung der Union als auch zum Widerstand gegen sie beigetragen haben, und welche Motive ausschlaggebend waren für deren Einsatz. Es konnte ein Bündel von Motiven sehr unterschiedlicher Art benannt werden. Sie waren allesamt am Wirken und jedes einzelne Motiv hatte einen bestimmten Einfluss auf die Vorgänge. Zum Teil haben sich die Motive gegenseitig ...