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machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

"Katholiken und Orthodoxe müssen voneinander lernen!" (Oktober)

Kardinal Koch beim Jubiläumsvortrag in Salzburg

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen plädierte bei 35-Jahr-Feier der Salzburger Sektion von PRO ORIENTE am 7. Oktober 2020 im Hinblick auf „Primat“ und „Synodalität“ für „Lernbereitschaft auf beiden Seiten“ – Was Katholiken lernen können, wenn sie Liturgie in der ostkirchlichen Tradition als „kosmisches Geschehen“ sehen.

Zu einem Plädoyer für das wechselseitige Lernen voneinander zwischen Katholiken und Orthodoxen gestaltete sich am Mittwochabend im Salzburger Kardinal-Schwarzenberg-Haus der Festvortrag des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, zum 35-Jahr-Jubiläum der Sektion Salzburg der Stiftung PRO ORIENTE. Kardinal Koch stellte u.a. fest: „Die Stärke der orthodoxen Kirche ist ihre Synodalität, weshalb Papst Franziskus immer wieder betont, die katholische Kirche habe im Dialog mit den orthodoxen Brüdern die Möglichkeit, ‚etwas mehr über die Bedeutung der bischöflichen Kollegialität und ihre Erfahrung der Synodalität zu lernen‘“. Im Spiegel der Tradition der orthodoxen Kirchen werde die katholische Kirche eingestehen müssen, dass sie in ihrem Leben und in ihren Strukturen noch nicht jenes Maß an Synodalität ausgebildet hat, „das theologisch möglich und notwendig wäre“. Eine glaubwürdige Verbindung des „primatialen“ Prinzips mit dem „synodalen“ Prinzip könne aber eine wesentliche Hilfe für das weitere ökumenische Gespräch mit der Orthodoxie sein. Kardinal Koch hob gleichzeitig hervor, dass der theologische Dialog aber nur dann in die Zukunft führen werde, wenn „die jeweiligen starken Seiten beider Kirchen miteinander ins Gespräch gebracht werden“. Dies sollte in der „Hoffnung auf Lernbereitschaft auf beiden Seiten“ und in der „Bewährung des Grundprinzips des ökumenischen Dialogs“ geschehen, „das im gegenseitigen Austausch von Gaben besteht, in dem von den ‚Anderen‘ gelernt werden kann“.

Für Papst Franziskus sei es evident, dass das katholische Engagement, eine synodale Kirche aufzubauen, große Auswirkungen auf die Ökumene hat und auch eine „neue Sicht auf den Primat des Bischofs von Rom“ ermöglicht, stellte Kardinal Koch fest und zitierte die Ansprache des Bergoglio-Papstes bei der 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode im Oktober 2015: „Ich bin überzeugt, dass in einer synodalen Kirche auch die Ausübung des petrinischen Primats besser erklärt werden kann. Der Papst steht nicht allein über der Kirche, sondern er steht in ihr als Getaufter unter den Getauften, im Bischofskollegium als Bischof unter den Bischöfen und ist – als Nachfolger des Apostels Petrus – zugleich berufen, die Kirche von Rom zu leiten, die in der Liebe allen Kirchen vorsteht“.

Auf der anderen Seite werde man von den orthodoxen Kirchen erwarten dürfen, dass sie im ökumenischen Dialog lernen, „dass ein Primat auch auf der universalen Ebene nicht nur möglich und theologisch legitim, sondern auch notwendig ist“, betonte Kardinal Koch in Salzburg. Die innerorthodoxen Spannungen und Konflikte, die vor allem beim orthodoxen Konzil auf Kreta 2016 deutlich zum Ausdruck gekommen seien, würden nahelegen, „auch auf der universalen Ebene der Kirche über ein Amt der Einheit nachzudenken“. Den orthodoxen Kirchen sei auch die Einsicht zuzumuten, dass ein solches Amt der Einheit „mehr sein muss als ein reiner Ehrenprimat“. Dieses Amt müsse auch „rechtliche Elemente“ einschließen.

Wenn die „Stärken“ der orthodoxen und der katholischen Kirche miteinander ins ökumenische Gespräch gebracht werden, könnte – so Kardinal Koch – „die Entwicklung einer glaubwürdigen theologischen Synthese von Primat und Synodalität eine weiterführende Etappe auf dem Weg zur Einheit sein“. Ein solcher ökumenischer Austausch der Gaben zwischen Ost und West könne sich aber auch in „noch grundlegenderen theologischen Fragen“ als fruchtbar erweisen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen nannte als Beispiel die Tatsache, dass in der westlichen Tradition in der Neuzeit die „kosmische Dimension des christlichen Glaubens und theologischen Denkens weithin aus dem Bewusstsein entschwunden ist“. Stattdessen gebe es eine starke Anthropozentrik, es werde nur mehr über den Menschen nachgedacht, während das östliche Christentum die Erlösung des Menschen und die Erlösung der Natur nie voneinander getrennt habe.

Die Auswirkungen der Ausblendung der kosmischen Dimension zeigten sich auch im Verständnis des Gottesdienstes, so Kardinal Koch. In der westlichen Tradition liege in der liturgischen Praxis und in der Liturgiewissenschaft der Akzent weitgehend auf der Versammlung der Gemeinde und folglich auch auf der Frage, wie die Liturgie zu gestalten ist, sodass sie dem Glaubensbewusstsein der Gemeinde entspricht. Im Unterschied zu dieser forcierten Konzentration der Liturgie auf die Gemeindeperspektive werde die Liturgie in der ostkirchlichen Tradition vorrangig als ein „kosmisches Geschehen“ verstanden. Wörtlich stellte Kardinal Koch fest: „Im ostkirchlichen Verständnis ist Liturgie sehr viel mehr als die Zusammenkunft einer mehr oder weniger großen Gemeinschaft von Menschen. Sie wird vielmehr in die Weite des Kosmos hinein gefeiert, sie umgreift Geschichte und Schöpfung“. Die Feier der Eucharistie werde nicht einfach als historischer Rückblick auf das Letzte Abendmahl verstanden, sondern als Vorwegfeier der Vollendung des Kosmos und der Verherrlichung Gottes.

Die Christen des Westens sollten diese kosmische Dimension des Glaubens und des theologischen Denkens neu entdecken und sich von der orthodoxen Theologie bereichern lassen, vor allem im Hinblick auf die Sorge um die bedrohte Schöpfung, stellte Kardinal Koch fest. Auf diesem Hintergrund sei es wahrscheinlich kein Zufall, dass sich der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., so sehr für die Bewahrung der Schöpfung engagiere und als „grüner Patriarch“ gelte. Denn auf die ökologische Herausforderung müsse eine „Antwort aus der Kernmitte des christlichen Glaubens“ erfolgen. Das Beispiel eines theologisch-ökumenischen Austausches der Gaben im Bereich der Bewahrung der Schöpfung verdeutliche, dass „gegenseitige Lernbereitschaft“ notwendig ist, damit Katholiken und Orthodoxe auf dem Weg der Wiedergewinnung der einen und ungeteilten Kirche in Ost und West vorankommen. Das Ziel müsse die Wiederaufnahme der Eucharistiegemeinschaft sein, wie dies der Ökumenische Patriarch Athenagoras bereits im Jahr 1968 ausgesprochen habe: „Die Stunde des christlichen Mutes ist gekommen. Wir lieben einander, wir bekennen den selben gemeinsamen Glauben, machen wir uns zusammen auf den Weg vor die Herrlichkeit des gemeinsamen heiligen Altares, um den Willen des Herrn zu erfüllen, damit die Kirche strahlt, damit die Welt glaubt und der Friede Gottes auf alle kommt“.

Abschließend dankte Kardinal Koch der PRO ORIENTE-Sektion Salzburg für ihren „großen Dienst des Dialogs der Liebe und des Dialogs der Wahrheit“ mit dem Ziel der Wiedergewinnung der „einen und ungeteilten Kirche“.

Wortlaut Vortrag Kardinal Koch_7-10-2020, Salzburg [pdf, 269.78 kb]

Sektion: Salzburg

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