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Franz König

Pro Oriente

40 Jahre Papst Shenouda

„Pro Oriente“ gratuliert zum 40. Jahrestag seiner Amtsübernahme

„Pro Oriente“ gratuliert zum 40. Jahrestag seiner Amtsübernahme

König und Papst Shenouda Wadi Natrun 1991

Präsident Marte: Bewunderung für die Klugheit und Weisheit des Patriarchen, Verbundenheit mit Schmerz und Trauer der Kopten wegen der aktuellen Ereignisse – Auf den Patriarchen geht die „Wiener Christologische Formel“ zurück, mit der eine 1.500 Jahre dauernde theologische Auseinandersetzung beigelegt wurde


Wien-Kairo, 16.11.11 (poi) „Pro Oriente“-Präsident Hans Marte hat dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Schenuda III. zum 40. Jahrestag von dessen Inthronisation und Amtsübernahme gratuliert. Die Stiftung „Pro Oriente“ sei „voll Bewunderung für die Klugheit und – biblisch gesprochen – die Weisheit“, mit der sich Schenuda III. seit vielen Jahren um ein friedliches Zusammenleben von Kopten und Muslimen in Ägypten bemühe, heißt es in dem Glückwunschschreiben. Ausdrücklich nahm Präsident Marte auf die aktuelle Situation Bezug: „’Pro Oriente’ weiß sich mit der koptischen Gemeinde in Österreich unter ihrem Bischof Anba Gabriel in Schmerz und Trauer über das Martyrium verbunden, das viele koptische Brüder und Schwestern in dieser Zeit zu ertragen haben“. Verbunden sei die Stiftung aber auch mit der Hoffnung, dass die Kopten gleichberechtigte Bürger des neuen Ägypten sein werden und ihren Glauben „ohne Einschränkungen“ leben können.

Schenuda III. wurde am 31. Oktober 1971 zum Patriarchen gewählt, am 14. November erfolgte seine Inthronisation und Amtseinführung. Vor seiner Wahl hatte Schenuda – noch als Bischof .- im September 1971 an der ersten der von „Pro Oriente“ veranstalteten „Lainzer Konsultationen“ zwischen katholischen und altorientalischen Theologen teilgenommen (die altorientalischen Kirchen trennten sich nach dem im Jahr 451 abgehaltenen Konzil von Chalcedon von der allgemeinen Kirche). Es war Anba Schenuda, der bei der ersten „Lainzer Konsultation“ jene „Wiener Christologische Formel“ vorschlug, mit der Katholiken und Altorientalen gemeinsam ihren Glauben bekennen können, dass Christus wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch ist, „unvermischt und ungetrennt“. Es war zugleich der Beginn einer tiefen Freundschaft zwischen Kardinal Franz König und dem koptischen Bischof, der bald Patriarch sein sollte. König besuchte den Patriarchen mehrmals in Ägypten, aber auch Schenuda III. kam einige Male nach Österreich, so 1998, als er den Grundstein für die neue koptisch-orthodoxe Kathedrale in Wien-Donaustadt legte und 2004, als er die Kathedrale und das koptische Kloster im einstigen Erzbischöflichen Schloss Obersiebenbrunn weihte.

Schenuda III. (mit zivilem Namen Nazir Gayed Rafael) steht im 87. Lebensjahr, er wurde am 3. August 1923 in der oberägyptischen Region Asiut geboren. 1947 schloss er das Studium der Philosophie an der Universität Kairo ab. Im Anschluss absolvierte er ein Aufbaustudium in Archäologie und wurde zugleich als Reserveoffizier ausgebildet. Dann studierte er am koptisch-orthodoxen Priesterseminar Theologie und schloss sein Studium 1949 ab. Er wurde Dozent für Exegese und Dogmatik am Priesterseminar und Herausgeber des Magazins für die „Sonntagsschulen“ der koptischen Kirche.

1954 trat er als Mönch in das Kloster Deir-es-Surian im Wadi Natrun ein und wurde 1955 zum Priester geweiht. Von da an war er bis 1962 als Sekretär seines Vorgängers Patriarch Kyrillos VI. tätig. Im September 1962 wurde er zum Bischof geweiht, wobei ihm vor allem die Sorge um die religiöse Erziehung anvertraut wurde. Der Ausbau des Systems der „Sonntagsschulen“ ist ihm zu verdanken.

117. Nachfolger des Heiligen Markus

Nach dem Tod von Kyrillos VI. wurde er zum 117. Nachfolger des Heiligen Markus auf dem Stuhl des Patriarchen von Alexandrien gewählt. 1972 besuchte er den damaligen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Dimitrios I.; das bedeutete eine Wiederaufnahme des Dialogs nach mehr als 15 Jahrhunderten der Kirchentrennung seit dem Konzil von Chalcedon. Am 10. Mai 1973 erfolgte der Besuch Schenudas III. bei Papst Paul VI. In der Folgezeit nahm der koptische Patriarch auch mit den orthodoxen Patriarchen von Antiochien und Moskau sowie mit dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury den ökumenischen Dialog auf.

Im September 1981 verbannte ihn der damalige ägyptische Staatspräsident Anwar Sadat in das Kloster Anba Bischoi im Wadi Natrun und behinderte die Amtsausübung des Patriarchen. Erst im Jänner 1985 wurde der Hausarrest durch den neuen Präsidenten Hosni Mubarak aufgehoben.


Als Patriarch engagiert sich Schenuda III. vor allem für den Ausbau des Erziehungs- und Bildungswesens sowie der Klöster, die Ausbreitung der koptisch-orthodoxen Kirche sowie die massive Intensivierung der Seelsorge der Kopten in der Diaspora. Seit vielen Jahren sind seine berühmten allwöchentlichen Predigten vor der Markuskathedrale in Kairo ein Anziehungspunkt für unzählige Menschen in der ägyptischen Hauptstadt, nicht nur für Kopten und andere Christen, sondern auch für viele Suchende aus muslimischen Familien.