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Franz König

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Neue Mission Schönborns im Dienst der römischen Ostkirchen-Diplomatie

Dritter Rumänien-Besuch des Wiener Kardinals - Orthodoxer "Sympathievorschuss" für neuen Papst

Mit seinem dritten Rumänien-Besuch erfüllt der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn derzeit eine wichtige Aufgabe im Dienste der vatikanischen Ostkirchen-Diplomatie schon kurz nach dem Beginn des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. Schönborn, der seit seiner Tätigkeit als Professor für Ostkirchenkunde in Fribourg (Freiburg) in der Schweiz starke Bindungen zur Orthodoxie hat, besuchte Rumänien bereits im Mai 2000 und im September 2001 und wurde mit der Ehrendoktorwürde der Bukarester Universität ausgezeichnet. Nach seinem nunmehrigen Rumänien-Aufenthalt wird er - als erster Kardinal überhaupt - in die ehemalige Sowjetrepublik Moldawien (Moldau) reisen.

Schönborn spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Ostkirche. Bereits 1997 wurde er im Phanar in Istanbul vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. empfangen. Im Vorjahr stattete das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit Österreich einen offiziellen Besuch ab. Vor acht Jahren war der Wiener Erzbischof auch Gast des Moskauer Patriarchats. Schönborn hat bei verschiedenen Gelegenheiten hervorgehoben, dass die Kirche im Westen der Ostkirche viele "wiederentdeckte Schätze" verdanke.

Die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst ist bei den orthodoxen Kirchen auf Sympathie gestoßen. Der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, Exarch des Ökumenischen Patriarchats für Mitteleuropa, hat Benedikt XVI. noch mehr ökumenische Erfahrung als Johannes Paul II. bescheinigt. Man erinnert sich an die Aussage Kardinal Ratzingers, dass Rom von der Orthodoxie in der Frage des Papsttums "nicht mehr verlangen solle, als das erste gemeinsame Jahrtausend gegeben hat". (Das würde nicht weniger als einen Verzicht auf universale Jurisdiktionsgewalt und Unfehlbarkeitsdogma bedeuten).

In Bukarest traf Kardinal Schönborn am Montag mit dem 90-jährigen Patriarchen Teoctist I. zusammen, der 1999 Johannes Paul II. zum ersten Besuch eines katholischen Kirchenoberhauptes in einem Land mit orthodoxer Mehrheitsbevölkerung empfangen hatte. Der rumänisch-orthodoxe Patriarch hatte 1987 Österreich besucht und war damals zum "Protektor" der vom verstorbenen Kardinal Franz König ins Leben gerufenen ökumenischen Stiftung Pro Oriente proklamiert worden. Der jetzige Papst hatte 1974 mit König am ersten ekklesiologischen Pro Oriente-Kolloquium von orthodoxen und katholischen Theologen teilgenommen und war davon tief beeindruckt gewesen. Im Vorjahr hatte Ratzinger im Wiener Stephansdom das Requiem für den verstorbenen Wiener Erzbischof zelebriert.

Unmittelbarer Anlass der Reise Schönborns ist ein internationales Pro Oriente-Symposion im Klosterzentrum Durau in den Karpaten. Thema ist "die Feier der Liturgie als Zentrum des kirchlichen Lebens in der Gesellschaft von heute". Am heutigen Dienstag eröffnet Schönborn laut Kathpress gemeinsam mit dem Metropoliten von Iasi, Daniel (Ciobotea), die internationale ökumenische Konferenz in Durau. In Iasi (Jassy), der historischen Hauptstadt des alten Fürstentums Moldau, stattet der Wiener Erzbischof der Theologischen Fakultät einen Besuch ab. Anschließend begibt sich Kardinal Schönborn in die moldawische Hauptstadt Chisinau, um den Bauplatz für ein Seniorenprojekt für Obdachlose zu segnen, das von der Caritas der Erzdiözese Wien initiiert wurde. Diesem Projekt war die Benefizveranstaltung im Stephansdom zum 60. Geburtstag des Kardinals im Jänner gewidmet.

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