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Franz König

Pro Oriente

Liturgie fasziniert auch 'Fernstehende'

Kardinal Schönborn und Prof. Harnoncourt weisen bei Symposion im rumänischen Durau auf Erfordernisse der Liturgie in einer säkularisierten Welt hin

Auf die Faszination der Liturgie für Menschen, die der Kirche fern stehen, hat Kardinal Christoph Schönborn beim ökumenischen Symposion "Christus in unserer Mitte - Die Bedeutung der Liturgie für das tägliche Leben in der Gesellschaft von heute" im rumänischen Durau hingewiesen. Die Kirche lebe aus der Eucharistie, gerade deswegen sei es nicht gleichgültig, ob Struktur und Form der heiligen Feier diesem Auftrag entsprechen.
Das Symposion
im pastoralen Kulturzentrum "Sf. Daniil" in Durau wird gemeinsam von der orthodoxen Metropolie der Moldau und der Bukovina und der Wiener Stiftung Pro Oriente veranstaltet. Metropolit Daniel (Ciobotea) betonte in Übereinstimmung mit seinen katholischen Gesprächspartnern, wie groß die Freude der orthodoxen Kirche über die Wahl von Papst Benedikt XVI. sei, der sich in vielfacher Weise als profunder Kenner der orthodoxen Theologie und Liturgie erwiesen habe.

Der Grazer Ostkirchen- und Liturgiewissenschaftler em. Prof. Philipp Harnoncourt sagte, die Beschäftigung einer orthodoxen Kirche mit der liturgischen Erneuerung sei ein Schritt, der alles andere als selbstverständlich sei. Dass sich eine orthodoxe Kirche von sich dem Thema stelle, ob die einem starken Säkularisierungsprozess unterworfenen Christen in den postkommunistischen Staaten der anspruchsvollen Liturgie noch folgen können, sei beachtenswert, so Harnoncourt im Gespräch mit "Radio Stephansdom". Es gehe darum, ob heutige Menschen ihre Freude und Hoffnung im Gottesdienst wieder erkennen können oder ob sie jeden Sonntag "an einem geheimnisvollen Zeremoniell teilnehmen, das nicht in ihr Leben hineinwirkt".

In seinem Referat ging Harnoncourt auf die positiven Impulse der Liturgiereform in der katholischen Kirche ein. Der Theologe zeigte aber auch auf, welche Fehlentwicklungen es gegeben habe. Diese dürften nicht verschwiegen werden. Harnoncourt erinnerte daran, dass die kirchenfeindlichen Diktaturen in Osteuropa nicht zwölf bzw. sieben Jahre - wie die NS-Zeit in Deutschland bzw. Österreich -, sondern 40 und mehr Jahre gedauert haben. Dies habe zu massiver Entfremdung weiter Bevölkerungsteile vom Christentum geführt. Deshalb stelle sich die Frage, ob diese Menschen "durch traditionelle Liturgie allein" zum Glauben zurückgeführt werden können.

Kardinal Schönborn reist am Mittwochabend nach Iasi weiter, wo er Gast des katholischen Bischofs Petru Gherghel ist. In der Hauptstadt der rumänischen Moldau stattet der Wiener Erzbischof zunächst der Theologischen Fakultät einen Besuch ab, anschließend hält er am katholischen Priesterseminar einen Vortrag über den "Katechismus der Katholischen Kirche" (KKK). Die katholische Kirche in der rumänischen Moldau ist trotz ihrer Minderheitensituation eines der Kirchengebiete mit dem stärksten Priesternachwuchs in Europa. Am Priesterseminar in Iasi bereiten sich derzeit 156 junge Leute auf das Priesteramt vor.

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