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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Termine

Dezember 2014

Mittwoch
17. Dezember 2014
Vierte Patristische Tagung

Einheit und Katholizität der Kirche ("L'unité et la catholicité de l'Eglise")

Konferenz
  • Datum17. Dezember 2014
  • Ort
      Orthodoxes Kloster Brancoveanu bei Sibiu (Rumänien)
  • Referierende
      27 vorwiegend jüngere und renommierte orthodoxe und katholische Theologen und Universitätsprofessoren aus 16 Staaten Ost- und Westeuropas.
  • Sponsor
      Luxemburgische Sponsorengruppe
  • SektionWien
  • Statusöffentlich

Vom 27. bis 30. Juni 2007 fand die 4. Patristische Tagung der Stiftung PRO ORIENTE im rumänisch-orthodoxen Kloster Brancoveanu bei Sibiu zum Thema: „Einheit und Katholizität der Kirche“ statt. Bei der letzten Patristischen Tagung in Luxemburg 2005 hatte der rumänisch-orthodoxe Metropolit für West- und Südeuropa, IOSIF Pop, die Teilnehmer in seine Heimat Siebenbürgen eingeladen. Die Sponsoren (eine luxemburgische Sponsorengruppe, die luxemburgische Regierung und die deutsche und österreichische Botschaft in Bukarest) nahmen diesen Vorschlag im Rahmen der Initiative der Kulturhauptstadt Luxemburg-Sibiu gerne auf. Teilnehmer an der Tagung sind 27 renommierte – je zu gleichen Teilen orthodoxe und katholische – Universitätsprofessoren der Patristik aus 16 Ländern Ost- und Westeuropas (Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn) mit dem gemeinsamen Ziel, die kulturellen und geistigen Wurzeln Europas zu untersuchen. Der Erzbischof von Sibiu und Metropolit von Transsylvanien, Prof. Dr. Laurenţiu Streza, beehrte die Teilnehmer durch seinen Empfang und seine Anwesenheit.

Das Kloster Brancoveanu wurde von dem hl. Fürst Constantin Brancoveanu gegründet, der mit seinen Söhnen im Jahr 1716 am Hof des osmanischen Sultans in Istanbul hingerichtet wurde. Das Kloster befindet sich in der Nähe der europäischen Kulturhauptstadt Sibiu, einer Stadt, die eine dreisprachige Kultur beherbergt und Kreuzungspunkt besonders vieler christlicher Traditionen ist. Bereits seit dem 16. Jh. leben dort Orthodoxe, Katholiken und Protestanten zusammen. Die Stiftung PRO ORIENTE versteht die Tagung als Station auf dem Pilgerweg zur 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung, die im September 2007 in Sibiu stattfinden wird.

Im Rahmen der Stiftung PRO ORIENTE haben bereits drei Tagungen mit katholischen und orthodoxen Patrologen stattgefunden, die sich mit dem Geheimnis der Trinität beschäftigten. Die Themen waren: „Christus bei den Vätern“(Wien, 2001), „Der Heilige Geist im Leben der Kirche“ (Wien, 2003) und „Gott Vater und Schöpfer“ (Luxemburg, 2005).

Ein neuer Zyklus wendet sich nun dem Mysterium der Kirche zu. Die jetzige Tagung hatte die Einheit und Katholizität der Kirche zum Thema - zwei der vier Wesensmerkmale der Kirche, wie sie von allen Christen im Glaubensbekenntnis von Nicaea-Konstantinopel (381) bekannt werden. Während der drei Arbeitstage, 28.-30. Juni, wurden 24 Referate gehalten, gefolgt von einem Austausch über das allgemeine Thema des Treffens. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Erbe der Kirchenväter ist eine der wenigen universitären Disziplinen, die von beiden Kirchen in gleichem Maße betrieben werden.

Kardinal Walter KASPER, Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, hatte eine Grußbotschaft an die Teilnehmer gesandt, die zu Beginn verlesen wurde, ebenso wie eine Nachricht von Kardinal Christoph SCHÖNBORN, Kuratoriumsvorsitzender von PRO ORIENTE und Initiator dieser Patristischen Tagungen. Letzterer hatte zu seinem größten Bedauern im letzten Moment seine Teilnahme absagen müssen. Mit der Durchführung der Tagungen hatte er zuerst (2001-2005) Frau DDr. Ysabel DE ANDIA (CNRS, Paris) betraut und seit 2006 Frau Dr. Theresia HAINTHALER (Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt).

Im Mittelpunkt der zahlreichen und reichhaltigen Beiträge zu den lateinischen und griechischen Kirchenvätern stand die zentrale Frage: Welche Formen von Einheit und Katholizität sind im Blick, wenn die Christen die Kirche als eine einzige, heilige, katholische und apostolische bekennen?

Die Tagungsteilnehmer stellten fest, dass die Kirchenväter vor allem darin übereinstimmen, dass die Kirche letztlich das Modell ihrer Einheit im innertrinitarischen Leben findet, das bei der gemeinsamen Teilhabe am Leib Christi, belebt vom Heiligen Geist, empfangen wird. Die Verschiedenheit der Personen innerhalb der Trinität widerspricht nicht ihrer Einheit, sondern stellt ihr wesentliches Merkmal dar. Es stand daher die Frage im Raum, ob diese so verstandene Einheit von Katholizität (die Fülle des Glaubens und des sakramentalen Lebens), die nach Meinung der Kirchenväter weder Gleichförmigkeit noch Nivellierung bedeutet, sondern Besonderheiten zulässt, nicht einen Weg aufweist, der helfen kann, auch die in Europa bestehenden Spaltungen zu überwinden. Der Dialog innerhalb der Theologie hat wegen der Trennung der christlichen Kirchen auch Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft, macht er doch die tiefe kulturelle und spirituelle Spaltung zwischen Ost- und Westeuropa sichtbar.

Die Diskussionen ermöglichten den Teilnehmern, folgende Themen einem tieferen Verständnis zuzuführen: die Titel „Patriarch des Westens“ (den der Bischof von Rom bis vor kurzem noch verwendete) und „Ökumenischer Patriarch“, die Konzeption Ökumenischer Konzilien, unterschiedliche institutionelle und charismatische Ausprägungen von Einheit und Katholizität im Leben der Kirchen und der Kirche insgesamt.

Daß östliches und westliches Christentum keine zwei disparaten Welten darstellen, hat sich in den Beratungen deutlich gezeigt. Trotz wachsender Spannungen und gegenseitiger Entfremdung ab dem Mittelalter gab es immer einen beständigen Austausch zwischen den Kirchen in Ost und West, einen Austausch, der bereits zur Zeit der Apostel und Väter seinen Anfang nahm.

Während der intensiven Diskussionen, die auch die unterschiedlichen Positionen deutlich machten, bemühten sich die Teilnehmer, den laufenden ökumenischen Dialog im Auge zu behalten und die gegenwärtige Situation der beiden Kirchen zu berücksichtigen. Dadurch wurde die Aktualität der Ekklesiologie der Kirchenväter deutlich veranschaulicht.

Im Rahmen der Tagung nahm der Metropolit von Transsylvanien, LAURENTIU (Streza), zusammen mit Metropolit IOSIF auch an einem Runden Tisch zum Thema „Das Geheimnis der Einheit: Gabe, Herausforderung und Berufung“ teil. Das weite Spektrum von Perspektiven, das bei dieser Diskussion unter der Leitung von Prof. Konstantin Sigov (Kiev, Ukraine) zum Vorschein kam, stellte die Bedeutung christlicher Werte für die Entwicklung Europas heraus, sowie die dringend erforderliche Solidarität mit bedrängten christlichen Minderheiten weltweit, die spirituellen Grundlagen der ökumenischen Bewegung und ihre zukünftige Ausrichtung. Die Diskussionsteilnehmer waren sich darin einig, daß der katholisch-orthodoxe Dialog verstärkt werden müsse, wobei spirituelles Engagement und die theologische, vor der Vernunft verantwortete Reflektion voneinander untrennbar sind.

Nach Meinung aller verlief die Tagung in einem guten, vertrauensvollen und freundschaftlichen Gesprächsklima und wurde vor Ort durch das Stundengebet der Mönche begleitet und unterstützt. Die Beiträge werden in absehbarer Zeit in einem Tagungsband veröffentlicht, wie dies auch bei den vorherigen drei Tagungen geschehen ist. Die bisher im Tyrolia Verlag (Innsbruck-Wien) erschienenen Bände sind: Christus bei den Vätern (2003), Der Heilige Geist im Leben der Kirche (2005) und Gott, Vater und Schöpfer (2007). Die Forschergruppe äußerte den Wunsch, die nächste Tagung in zwei Jahren der Apostolizität der Kirche zu widmen.

Die Stiftung PRO ORIENTE wurde 1964 von Kardinal Franz KÖNIG (1905-2004) in Wien gegründet, um die Beziehungen der römisch-katholischen Kirche zu den Kirchen des Ostens im Geiste des 2. Vatikanischen Konzils zu pflegen und zu fördern. Die Stiftung arbeitet auf nicht-offizieller Ebene. Sie führt wissenschaftliche Projekte durch, organisiert theologische Seminare und Tagungen und gibt wissenschaftliche Publikationen heraus.

Kloster Brancoveanu, 30/06/07
Übersetzung des französischen Originals des Pressecommuniques)

PROGRAMM :

1. Ysabel de Andia (Paris, Frankreich): "Ut unum sint" (Augustinus, Gregor v. Nyssa)
2. Hilarion Alfeyev (Bruxelles, Wien, Budapest, Russ.-orthodox): L'unité et la catholicité de l'Église dans une perspective patristique (in absentia)

Zum Ökumenischen Dialog
3. Theresia Hainthaler (Frankfurt, Deutschland): Einige Überlegungen zum Titel "Patriarch des Westens"
4. Stephan Kessler SJ (Frankfurt/Main): Kontroverse zwischen Gregor dem Großen und Johannes dem Faster über den Titel ökumenischer Patriarch und die Argumentation für die Einheit der Kirche
5. Georgios Martzelos (Thessaloniki, Griechenland): Einheit und Katholizität der Kirche im theologischen Dialog der Orthodoxen mit der Römisch-katholischen Kirche

Väter des 2. und 3. Jahrhunderts
6. Vladan Perisic (Belgrad, Serbien): Unity and Catholicity of the Church according to St. Ignatius of Antioch
7. Michel Stavrou (Paris, Frankreich): Unité et catholicité de l'Eglise chez saint Cyprien de Carthage
8. Thomas Böhm (Freiburg i.B., Deutschland): Der eine Bischof als Garant der einen katholischen Kirche
9. Joseph Naumowicz (Warschau, Polen): "L'Église une et catholique" dans les commentaires patristiques latines du Symbole des Apôtres

Griechische Väter des 4. Jahrhunderts
11. Konstantin Skouteris (Athen, Griechenland): The Unity and the Catholicity of the Church According to St. Gregory of Nyssa and its Ecumenical Significance
12. Václav Jeek (Presov, Slowakei): John Chrysostoms ecclesial vision within the context of the Byzantine Empire
13. Daniel Buda (Sibiu, Rumänien): Ein ekklesiologisches Konzept in Antiochien im 4. Jahrhundert (Theodor von Mopsuestia, Johannes Chrysostomus)

Lateinische Väter des 4. Jahrhunderts
14. Michaela Zelzer (Wien, Österreich): Ambrosius und die Kirche von Thessaloniki
15. Nikolas Makar (Kyiv, Ukraine), The Introducing of the Eastern Inheritence into Mediolan Church by Saint Ambrosius
16. Franz Mali (Fribourg, Schweiz): Das Konzil von Aquileia (381) - Ein ökumenisches Konzil?
17. Vittorino Grossi (Rom, Italien): La catholicité de l'Église nella polemica donatista
18. Lenka Karfikova (Prag, Tschechien): Die Einheit der Kirche. Gnade und Gewalt in Augustins Polemik gegen die Donatisten

Griechische Väter des 5. und 6. Jahrhunderts
19. Michel van Parys OSB (Chevetogne, Belgien): L'Eglise une et sainte d'après Hésychius de Jérusalem
20. Ioannis Kourembeles (Thessaloniki, Griechenland): Einheit-Katholizität der Kirche und ihre soteriologische Dimension in den Kontakien Romanos' des Meloden

Griechische Väter des 7. – 9. Jahrhunderts
21. Andrew Louth (Durham, Großbritannien): Church and Eucharist in St Maximos the Confessor
22. Atanáz Orosz (Dámóc, Ungarn): L'unité et la catholicité de l'Église dans l'oeuvre de s. Maxime le Confesseur"
23. Alexei Muraviev (Moskau, Rußland): Unity and Catholicity of the Church at the Times of Major Threats (St. Basil, St. Maximus the Confessor, St. Theodore the Studite)
24. Daniel Munteanu (Erlangen, Deutschland/Rumänien): Die Einheit und die Katholizität der Kirche in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes

Gastvortrag
Prof. Dr. Alexander Golitzin (Marquette University, Milwaukee, USA): The throne vision in the monastic life

Vorgesehen für den Tagungsband:
Ioan-Vasile Leb (Cluj-Napoca / München, Rumänien): Die Einheit der Kirche im Verständnis des heiligen Basilius des Großen (329-379)
Marie-Anne Vannier (Metz, Frankreich): L'expérience de l'unité et de la catholicité de l'Eglise chez Jean CassienWeitere Informationen

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