Katholikos Karekin II.: Kirche steht weiterhin hinter Karabach-Armeniern
11. Mai 2026
Botschaft des armenischen Kirchenoberhaupts zum Weltkriegsgedenken nahm auch die aus Artsach vertriebenen Armenier in den Blick
Foto: Armenisch-Apostolische Kirche
Jerewan, 11.05.26 (poi) Der armenisch-apostolische Katholikos Karekin II. hat am Wochenende in seiner Botschaft zum Weltkriegsgedenken (9. Mai) auch an das Schicksal der Karabach-Armenier erinnert. Der Sieg im "Großen Vaterländischen Krieg" sei dem vereinten Kampf der Völker gegen Faschismus, Ungerechtigkeit und das Böse zu verdanken. Auch das armenische Volk habe dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.
Seit Jahrzehnten sei der 9. Mai als Gedenktag zugleich auch mit dem Kampf um die Existenz von Berg-Karabach (Artsach) verbunden. Heute, da Artsach "besetzt und entvölkert" ist, sei die Kirche verpflichtet, den Schutz der Rechte der Armenier von Artsach, die ihrer Heimat beraubt wurden, weiterhin zu verteidigen, hielt der Katholikos fest.
"Wir beten für die Seelen der Armenier, die im Großen Vaterländischen Krieg und im Bergkarabach-Krieg ihr Leben ließen", so Karekin II. wörtlich: "Ihr Patriotismus ist bis heute ein inspirierendes Beispiel für kommende Generationen, die mit derselben Verantwortung und Hingabe für die Liebe zu ihrem Vaterland leben, gestalten und kämpfen." Nachsatz des Kirchenoberhaupts: "Wir beten zum Allmächtigen um Frieden in der Welt und Wohlergehen für alle Völker."
Karekin II. ist bereits seit vielen Jahren mit dem Kurs der armenischen Regierung im Blick auf Berg-Karabach (Artsach) unzufrieden. Der Katholikos macht Ministerpräsident Nikol Paschinjan für die Vertreibung von mehr als 100.000 Armenierinnen und Armeniern aus Berg-Karabach nach dem verlorenen Krieg gegen Aserbaidschan im Jahr 2023 mitverantwortlich. Paschinjan wiederum wirft dem Kirchenoberhaupt die ungerechtfertigte Einmischung in die Politik bzw. zu enge Beziehungen zu Russland vor.
Bereits in sowjetischer Zeit war das Gebiet Berg-Karabach eine autonome Region innerhalb der aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich Berg-Karabach für unabhängig, es folgte ein mehrjähriger Krieg, der schließlich 1994 in der Proklamation der (international nicht anerkannten) Republik Artsach endete.
In zwei Kriegen 2020 und 2023 eroberte Aserbaidschan das gesamte Gebiet von Berg-Karabach zurück. Die armenische Bevölkerung musste Berg-Karabach verlassen. Zuletzt gab es wiederholt Berichte, wonach Aserbaidschan gezielt und planmäßig armenisch-christliches Kulturgut bzw. Kirchen in Berg-Karabach zerstört, um das armenische Erbe vor Ort auszulöschen.