Metropolit Arsenios: Die Große Fastenzeit ist eine "Zeit der Freiheit"
23. Februar 2026
Fastenhirtenbrief des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria - Orthodoxe Fastenzeit beginnt am "Reinen Montag" (23. Februar)
Foto: Metropolis von Austria
Wien, 23.02.26 (poi) In der Orthodoxen Kirche beginnt an diesem Montag die Fastenzeit. In seinem aktuellen Fastenhirtenbrief bezeichnet Metropolit Arsenios (Kardamakis) die Fastenzeit als "Zeit der Freiheit" – Freiheit freilich nicht so verstanden, dass das Leben dadurch oberflächlich betrachtet einfacher wird, "sondern weil es wahrhaftiger wird". Der Mensch, der diesen Weg beschreitet, entdeckt allmählich, dass sein Herz sich weitet, fähig wird, Gott und den Nächsten zu umfassen." Am Ende dieses Weges stehe nicht der Mangel, sondern die Auferstehung, denn die Fastenzeit habe keinen Sinn in sich selbst; "sie ist der Weg, der zu Ostern führt. Sie ist der Gang durch das Kreuz zum Leben", so Metropolit Arsenios.
Die Fastenzeit eröffne den Weg von der Selbstgenügsamkeit zur Gemeinschaft, von der Illusion der Fülle zur Demut der Suche. Denn: "Nur wenn der Mensch seine Armut akzeptiert, kann er die Fülle Gottes empfangen."
Der Metropolit spricht in seinem Hirtenbrief auch das zunehmende gesellschaftliche Problem der Vereinsamung an und hebt es zugleich auf eine höhere bzw. tiefere Ebene: Der Mensch, geschaffen zur Gemeinschaft, habe sich daran gewöhnt, "als verschlossene Einheit zu leben, aus Angst vor der Liebe, denn die Liebe erfordert Ausgang und Hingabe".
Das Fasten sei in seiner tiefsten Bedeutung keine Verneinung der Welt, sondern Befreiung von der Abhängigkeit. "Der Mensch, der fastet, lernt, sich nicht der Notwendigkeit zu unterwerfen, und entdeckt, dass sein Leben nicht darauf gründet, was er besitzt, sondern auf dem, wen er liebt", so der Metropolit.
Ebenso sei das Gebet keine religiöse Pflicht, sondern "der Atem der Seele". Arsenios: "Im Gebet hört der Mensch auf, das Zentrum der Welt zu sein, und wird zum Empfänger der göttlichen Gegenwart. Und dann entdeckt er, dass das wahre Leben nicht Selbstbestätigung ist, sondern Gemeinschaft."
Bei der Buße gehe es letztlich nicht um psychologische Schuld, sondern um eine Änderung der Seinsweise. "Es ist der Augenblick, in dem der Mensch aufhört, für sich selbst zu leben, und beginnt, in Beziehung zu leben. Denn die Sünde ist in ihrem Wesen nichts anderes als der Bruch der Beziehung, und die Buße ist ihre Wiederherstellung", schreibt der Metropolit.
Orthodoxe Fastenzeit
Die vorösterliche Fastenzeit dauert in der Orthodoxen Kirche zwei Tage länger als in der Katholischen. Sie beginnt nicht mit dem Aschermittwoch, den es in dieser Form nicht gibt, sondern mit dem sogenannten "Reinen Montag" (heuer am 23. Februar). Der "Reine Montag" ist gemeinsam mit dem Karfreitag für orthodoxe Gläubige der wichtigste Fasttag des Jahres. Auf die ersten 40 Tage des "Großen Fastens" folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche.
Ostern wird in den orthodoxen Kirchen heuer am 12. April und damit eine Woche später als in den Kirchen der westlichen Tradition gefeiert. Der unterschiedliche Ostertermin, von dem sich auch die Fastenzeit bestimmt, geht auf verschiedene Berechnungsarten zurück. So bestimmen die Ostkirchen den Ostertermin nach dem Julianischen Kalender und nach einer anderen Methode als die Westkirchen, die die Gregorianische Kalenderreform des 16. Jahrhunderts vollzogen haben. Die Ostertermine können deshalb im Extremfall bis zu fünf Wochen auseinander fallen - oder auch zusammenfallen, wie es 2025 der Fall war.