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Neue Publikation über das byzantinische Christentum Ungarns erschienen

11. Februar 2026

Band "Zwischen Ost und West. Christen byzantinischer Tradition in Ungarn" dokumentiert die Beiträge einer gleichnamigen internationalen Tagung im Jahr 2021 in Wien

Buch nemeth

Wien, 11.02.26 (poi) Das byzantinische Christentum Ungarns ist an einer bedeutenden kulturellen Schnittstelle angesiedelt und bietet zahlreiche Verbindungslinien zur westlichen und östlichen Christenheit, wie auch zu Wien. Im Rahmen einer internationalen Tagung im Jahr 2021 in Wien wurden all diese Aspekte behandelt. Die Beiträge dieser Tagung liegen nun im kürzlich erschienenen Band "Zwischen Ost und West. Christen byzantinischer Tradition in Ungarn" in gebündelter (und teils aktualisierter) Form vor. Herausgeber Prof. Thomas Mark Németh erhofft sich davon eine noch breitere Öffentlichkeit für dieses Thema. Zudem könnten die Beiträge auch zu weiterführenden Forschungen anregen. 

Zehn Fachleute aus Ungarn beleuchten die Geschichte der griechisch-katholischen und orthodoxen Christinnen und Christen Ungarns vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Dabei kommen auch Kunst, Liturgie, Frömmigkeit und das Recht dieser Kirchen zur Sprache. 

Der vorliegende Band dokumentiert zudem auch die Grußworte zur Tagung: vom damaligen PRO ORIENTE-Präsidenten Alfons Kloss, von Metropolit Fülöp Kocsis, Oberhaupt der Ungarischen Griechisch-katholischen Kirche, und vom Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis), der auch Exarch von Ungarn ist. 

Die Beziehungen der Orthodoxie zu Ungarn reichten weit in die byzantinische Zeit zurück, betont Metropolit Arsenios. Bis heute gebe es in Ungarn "ein florierendes und sogar wachsendes Erbe dieser byzantinischen Missionstätigkeit". Es sei ihm als Exarch von Ungarn, aber auch persönlich ein wichtiges Anliegen, "die pastorale und mütterliche Fürsorge der Kirche in Ungarn zu stärken und auszubauen". 

Zugleich bleibe die Fragmentierung des religiösen Lebens und der kirchlichen Jurisdiktionen aus orthodoxer Sicht bis heute schmerzhaft im Gedächtnis, räumt der Metropolit ein. Umso wichtiger sei eine ehrliche und im ökumenischen Geiste betriebene wissenschaftliche Aufarbeitung der ungarischen Kirchengeschichte. 

Präsident Kloss betont in seinem Grußwort, dass die Vielfalt christlicher Denominationen ein Reichtum sei. Und er fügt hinzu: "Wie Papst Franziskus nicht müde wird zu betonen, sollten wir uns nicht darauf konzentrieren, was uns unterscheidet, sondern was uns verbindet." 

Metropolit Fülöp Kocsis zeigt sich in seinem Grußwort u.a. dankbar dafür, dass die Tagung die Möglichkeit biete, die weithin unbekannte Ungarische Griechisch-katholische Kirche einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. 

Der Tagungsband enthält zum einen kirchenhistorisch orientierte Beiträge, zum anderen werden auch speziellen Aspekte des kirchlichen Lebens behandelt. István Baán widmet sich der schwer rekonstruierbaren Entwicklung der byzantinischen Kirche im mittelalterlichen Königreich Ungarn von den Anfängen im 10. Jahrhundert bis ins 15. Jahrhundert. Antal Molnár stellt die Entstehung der serbischen Kirchenorganisation und die Tätigkeit ihrer Institutionen in den von den Osmanen besetzten mittleren Territorien des Königreichs Ungarn im 16. und 17. Jahrhundert dar. 

Tamás Véghse skizziert die wichtigsten Etappen der Entwicklung der griechisch-katholischen Kirche im Königreich Ungarn im 17. und 18. Jahrhundert, und György Janka stellt in seinem chronologischen Überblick die Geschichte der Ungarischen Griechisch-katholischen Kirche, die 2015 zu einer metropolitanen Kirche sui iuris erhoben wurde, vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart dar. Einblicke in die Geschichte der multijurisdiktionellen orthodoxen Kirche in Ungarn vom 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart bietet schließlich der Beitrag von Csaba Ötvös. 

Szilveszter Terdik beschreibt die grundlegenden Tendenzen der Architektur und Kunst der Ungarischen Griechisch-katholischen Kirche vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart und belegt diese mit zahlreichen Illustrationen. András Dobos zeigt die Entwicklung und Bedeutung der aus der Eparchie Munkács stammenden liturgischen Tradition der Ungarischen Griechisch-katholischen Kirche auf. Katalin Földvári stellt die Geschichte des ungarischen Nationalheiligtums Máriapócs und der damit in Zusammenhang stehenden wundertätigen Ikone(n) dar, die 1697 nach Wien gebracht wurde, wo sie sich seitdem im Stephansdom befindet. In Ungarn wird eine Kopie als zweites Gnadenbild verehrt. 

Péter Szabó behandelt die strukturelle Entwicklung der ungarischen griechisch-katholischen Kirche aus kirchenrechtlicher Perspektive und widmet sich ihrem Verhältnis zum Primas von Ungarn. Ein kurzer Bericht von Bischof Atanáz Orosz über die karitative bzw. soziale Tätigkeit der griechisch-katholischen Kirche im heutigen Ungarn rundet den Tagungsband ab. 

Die Tagung "Zwischen Ost und West. Christen byzantinischer Tradition in Ungarn" fand am 22./23. Oktober 2021 in Wien in den Räumlichkeiten des Erzbischöflichen Priesterseminars statt. Sie wurde vom Fachbereich für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (Leitung: Thomas Mark Németh) veranstaltet. Die Tagung fand in Kooperation mit der an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Forschungsgruppe "Görögkatolikus Örökség/Griechisch-katholisches Erbe" (Lendület/Momentum-Projekt 2018-2023, Leitung: Tamás Véghse, in Zusammenarbeit mit der Griechisch-Katholischen Theologischen Hochschule St. Athanasius, Nyíregyháza) und der Stiftung PRO ORIENTE statt. 

Liturgischer Höhepunkt der Tagung war eine Pontifikalliturgie im byzantinischen Ritus in der Wiener Schottenkirche. Dem Gottesdienst stand Metropolit Fülöp Kocsis vor, Kardinal Christoph Schönborn hielt die Predigt. Er ist als Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich zuständig. 

Buchhinweis: Thomas Mark Németh, Tamás Véghse (Hg.): Zwischen Ost und West. Christen byzantinischer Tradition in Ungarn. Neue Forschungen zur ostmittel- und südosteuropäischen Geschichte. Peter Lang Verlag, Berlin 2025.