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Franz König

Pro Oriente

Türkei

Katholische Kathedrale von Izmir wieder eingeweiht

Katholische Kathedrale von Izmir wieder eingeweiht

Das Gotteshaus war rund 50 Jahre vom Militär zweckentfremdet – Italienische Bischofskonferenz finanzierte die Restaurierung

Ankara, 29.09.13 (poi) Die katholische Johanneskathedrale von Izmir (Smyrna) wurde am Sonntag feierlich wiedereröffnet und neugeweiht. Die von 1862 bis 1874 im neuklassizistischen Stil erbaute Kathedrale war rund 50 Jahre vom Militär zweckentfremdet worden. Dem jetzigen Erzbischof von Izmir, Ruggero Franceschini, gelang es, die Rückgabe des Gotteshauses an die „fromme Stiftung“ (vakf) der katholischen Kathedralgemeinde zu erreichen. Den Weihegottesdienst am Sonntag leitete der Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz, Bischof Mariano Crociata. Die Restaurierung der Kathedrale wurde fast zur Gänze von der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) und italienischen Wohltätern finanziert. Dompfarrer ist Massimiliano Palinuro, ein „Fidei donum“-Priester aus der italienischen Diözese Ariano Irpino.

Der Neubau der Kathedrale im 19. Jahrhundert war im Zug der „christlichen Renaissance“ im Osmanischen Reich nach dem „Hatt-i-Humayun“ von 1856 efolgt, der die „Tanzimat“ (Reform)-Epoche festigte. Auch Sultan Abdulaziz I. trug mit einer großen Zuwendung zur Erbauung der Johanneskathedrale bei.

Die Kirche von Izmir geht auf die früheste Zeit des Christentums zurück. Die Gemeinde von Smyrna wird im letzten Buch der Bibel .- der Offenbarung des Johannes – erwähnt. Die Liste der lateinischen Bischöfe von Izmir begann in der Kreuzfahrerzeit, als Smyrna unter der Kontrolle der genuesischen Familie Zaccaria stand, mit dem französischen Dominikaner Guillaume Adam, der 1318 ernannt wurde. Die Osmanen konnten die Hafenstadt erst Ende des 15. Jahrhunderts endgültig erobern. Die Kathedrale San Policarpo wurde damals zur Moschee umgewandelt. Im 19. Jahrhundert nahm Smyrna einen großen Aufschwung, die Stadt wurde zu einer der bedeutendsten Industrie- und Handelsmetropolen des ganzen Mittelmeerraums. Zusammen mit griechischen und armenischen Christen hatten auch die (zumeist italienischsprachigen) katholischen „Levantiner“ großen Anteil an diesem Aufschwung.

Das Ende der glanzvollen Metropole kam mit dem Ersten Weltkrieg. 1919 wurde die – damals mehrheitlich griechische – Stadt von griechischen Truppen besetzt. Nach der griechischen Niederlage im griechisch-türkischen Krieg („Kleinasiatische Katastrophe“) wurde Smyrna am 9. September 1922 von den Truppen Mustafa Kemals (später „Atatürk“) erobert.. Am 13. September 1922 brach im Armenierviertel ein Feuer aus, das sich rasch über die Viertel der Griechen und Levantiner ausbreitete und einen großen Teil der Stadt vernichtete. Bei den damit einhergehenden Auseinandersetzungen wurden zehntausende Menschen ermordet (unter ihnen der orthodoxe Metropolit Chrysostomos Kalafatis) und hunderttausende vertrieben; die vor Smyrna ankernden Kriegsschiffe der Entente-Mächte (Frankreich, Großbritannien, Italien, USA) griffen nicht ein. Mit Ausnahme der katholischen Kirchen wurden alle christlichen Kirchen der Stadt (insbesondere die orthodoxe Kathedrale) zerstört.(ende)