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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Kardinal Schönborn: „Der Gründungsauftrag von ‚Pro Oriente‘ ist hochaktuell“

Jahresversammlung des Kuratoriums der Stiftung „Pro Oriente“ – Es geht darum, Brücken zu bauen, um den östlichen Kirchen zu helfen – Wiener Erzbischof besucht im Oktober auf Einladung von Patriarch Tawadros II. die koptisch-orthodoxe Kirche in Ägypten – Ökumene soll stärker in die Pfarrgemeinden getragen werden

Wien, 22.04.16 (poi) Der Gründungsauftrag der Stiftung „Pro Oriente“ – die Idee von Kardinal Franz König, Brücken zu bauen, um den östlichen Kirchen zu helfen – ist „hochaktuell“. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn bei der Jahresversammlung des „Pro Oriente“-Kuratoriums. Die Kirchen vor allem im Nahen Osten, mit denen „Pro Oriente“ verbunden ist, hätten „Zeiten der großen Bedrängnis“ durchzumachen. Die Solidarität mit ihnen sei eine Herausforderung für die Verantwortung der Kirchen in Europa, auch für „Pro Oriente“, so der Kardinal. In diesem Zusammenhang unterstrich er seine „tiefe Besorgnis“ über die geplante Novellierung des österreichischen Asylgesetzes. Über Modalitäten könne man reden, aber es dürfe keine tiefen Einschnitte in „elementare Menschenrechte“ geben. Der Wiener Erzbischof plädierte für die Etablierung „humanitärer Korridore“ für bedrohte Flüchtlinge; solche „schmalen, aber real existierende“ Kanäle gebe es bereits auch in Österreich.

Kardinal Schönborn teilte bei der Sitzung des „Pro Oriente“-Kuratoriums mit, dass die Schlüssel der Kirche Maria vom Siege am Dienstag an die koptisch-orthodoxe Kirche übergeben wurden. Die neogotische Kuppelkirche beim Westbahnhof – ein Hauptwerk des Architekten Friedrich von Schmidt – war Eigentum der örtlichen katholischen Pfarrgemeinde, die Pfarre hat das Gotteshaus samt dem dreistöckigen Pfarrhaus der koptisch-orthodoxen Kirche geschenkt. Am Dienstagabend seien spontan mehr als 500 koptische Christen aus allen Teilen Wiens nach Maria vom Siege gekommen, berichtete der Kardinal. Er unterstrich die besonders herzliche Verbindung mit der koptischen Kirche. Es sei kein Zufall, dass die erste Auslandsreise von Papst-Patriarch Tawadros II. nach seiner Wahl nach Rom zu Papst Franziskus führte, die zweite Auslandsreise habe bereits Österreich gegolten. Kardinal Schönborn wird seinerseits im Oktober auf Einladung von Papst-Patriarch Tawadros II. der koptischen Kirche in Ägypten einen fünftägigen Besuch abstatten.

Österreich habe – auch dank der Tätigkeit von „Pro Oriente“ – bei den Christen des Nahen Ostens einen guten Ruf, betonte der Wiener Erzbischof. Das sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt, da die orientalischen Christen unter Verfolgung leiden und – wie es auch das Europäische Parlament ausgedrückt habe – von Völkermord bedroht sind, von besonderer Wichtigkeit. So schmerzlich die Emigrationsbewegung aus der Urheimat des Christentums sei, sollten die orientalischen Christen doch wissen, dass sie „in Österreich willkommen sind“. Der Zustrom von Christen aus dem Orient trage im übrigen dazu bei, dass „Österreich ein christliches Land bleibt“.

Bei der Vollversammlung des Kuratoriums überreichte Kardinal Schönborn mehreren neuernannten Kuratoriumsmitgliedern die Ernennungsdekrete. In herzlichen Worten dankte er zwei anwesenden langjährigen Kuratoriumsmitgliedern, dem früheren „Böhler“-Generaldirektor Adolf Bayer (der mit dem damaligen „Presse“-Chefredakteur Otto Schulmeister und Msgr. Otto Mauer 1965 zu den drei Gründern von „Pro Oriente“ mit Kardinal König zählte) und dem Ehrenvorsitzenden der Grazer „Pro Oriente“-Sektion, dem Theologen und Liturgie-Experten em. Prof. Philipp Harnoncourt.

„Pro Oriente“-Präsident Johann Marte bezeichnete als wesentliche „Pro Oriente“-Aspekte in letzter Zeit die Gewinnung einer neuen Generation von ökumenisch interessierten jungen Theologinnen und Theologen (u.a. durch den neuen „Summer Course“, dessen erster Durchgang 2015 sich als großer Erfolg erwies) und die Wiederaufnahme des inoffiziellen Dialogs mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen durch die Gründung der „Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“. Auch sei es gelungen, den Kontakt mit einigen orientalisch-orthodoxen Patriarchen wie Tawadros II. (koptisch-orthodoxe Kirche), Mar Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodoxe Kirche) und Mathias I. (äthiopisch-orthodoxe Kirche) zu vertiefen. „Pro Oriente“ werde von den Kirchen im Nahen Osten vielfach als „Zeichen der Hoffnung“ für die Bewahrung des spirituellen Erbes und für Fortschritte auf dem Weg zur „Einheit der Schwesterkirchen“ gesehen.

Im Verhältnis zur russisch-orthodoxen Kirche sei – trotz des Durchbruchs bei der Begegnung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. in Havanna – nach wie vor eine oft „diametral entgegengesetzte Sicht“ auf die Geschichte zu registrieren. Die jüngste „Pro Oriente“-Begegnung in Wien mit russisch-orthodoxen Geisteswissenschaftlern über „Freiheit“, „Macht“ und „Menschenrechte/-würde“ (im Zusammenhang mit der Weiterführung des Impulses des 2013 erschienenen „Handwörterbuchs Theologische Anthropologie“) sei aber „ein Lichtblick“ gewesen.

In den Berichten aus den „Pro Oriente“-Sektionen Salzburg, Graz, Linz unterstrich Prof. Dietmar W. Winkler (Salzburg) die Notwendigkeit, das Thema Ökumene in den Pfarrgemeinden – römisch-katholischen wie ostkirchlichen – stärker zu beheimaten. In Salzburg habe es sich z.B. bewährte, Multiplikatoren wie die angehenden Religionslehrer in ostkirchliche Gemeinden einzuladen, um die „Schwellenangst“ zu überwinden. Die ökumenische Arbeit an der Basis sei – auch im Kontext der Flüchtlingsbewegung und der Begegnung mit dem Islam - „Knochenarbeit“. „Pro Oriente“-Salzburg habe in diesem Zusammenhang auch durch ein gemeinsam mit der Caritas veranstaltetes Seminar über die Flüchtlingssituation, zu dem vor allem pfarrliche Funktionäre des Katholischen Bildungswerks eingeladen waren, Informationsarbeit geleistet.

Als einen herausragenden Akzent der Entwicklung in Salzburg bezeichnete Prof. Winkler die Einrichtung des Masterkurses für syrische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät., zu dessen Eröffnung der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. nach Salzburg gekommen war. Auf dem Hintergrund der Tatsache, dass etwa in Deutschland in den letzten Jahren alle früher bestehenden Lehrstühle für orientalisches Christentum durch Lehrstühle für Islamwissenschaft ersetzt worden seien, komme der Entwicklung in Salzburg noch größere Bedeutung zu. Große Beachtung werde auch die Tatsache finden, dass die diesjährige „Ouverture spirituelle“ der Salzburger Festspiele unter dem Titel „Ex oriente lux“ ganz im Zeichen des ostkirchlichen Christentums stehen werde.

Auch Peter Piffl-Percevic betonte als einen Hauptakzent der Arbeit der Grazer „Pro Oriente“-Sektion das Bemühen um die Verbreitung ökumenischer Informationen und ökumenischen Engagements in die vielfältigen Bereiche des kirchlichen Lebens, von den Pfarrgemeinden bis zu den Laienorganisationen. Ein Anliegen der Grazer Sektion sei es auch, durch Besuchs- und Solidaritätsreisen ökumenisches Wissen zu akkumulieren. Die nächste Reise werde in Zusammenarbeit mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz in den Iran gehen.

Der Vorsitzende des „Pro Oriente“-Vereins (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Erforschung der ökumenischen Beziehungen), Prof. Rudolf Prokschi (er ist auch Vizepräsident der Stiftung „Pro Oriente“), berichtete über das Engagement für die Errichtung eines Master-Lehrgangs Orthodoxe Religionspädagogik an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. Damit sollen Religionslehrerinnen und Religionslehrer für den orthodoxen Religionsunterricht an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen ausgebildet werden. (ende)