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Franz König

Pro Oriente

Jordanien: Gipfeltreffen der christlichen Kirchen im Nahen Osten

Generalversammlung des Middle East Council of Churches in Amman – Hohe kirchenpolitische Bedeutung der Präsenz des antiochenisch-orthodoxen Patriarchen Youhanna X.

Amman, 06.09.16 (poi) In der jordanischen Hauptstadt Amman tagt seit Dienstag die 11. Generalversammlung des Middle East Council of Churches (MECC). An dem Treffen unter der Schirmherrschaft des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem (zu dessen kanonischem Territorium auch Jordanien gehört) nehmen u.a. der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako, der melkitische griechisch-katholische Patriarch Gregorios III. Laham, der syrisch-katholische Patriarch Mar Ignatius Yousif III. Younan und der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. teil.

Der MECC wurde 1974 in Nicosia gegründet und hat derzeit seinen Sitz in Beirut. Er soll das Zusammenwirken der christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten fördern Die Präsenz des antiochenisch-orthodoxen Patriarchen auf „Jerusalemer“ Territorium hat hohe kirchenpolitische Bedeutung, da die beiden benachbarten orthodoxen Patriarchate wegen des Streits um die kanonische Zuständigkeit für das Fürstentum Katar seit mehreren Jahren im Konflikt sind. Dieser Konflikt löste u.a. auch die Absenz mehrerer orthodoxer Kirchen bei der Panorthodoxen Synode auf Kreta aus.

Im Mittelpunkt der Gespräche in Amman stehen die Situation der Christen im Nahen Osten in der heutigen Zeit und die Förderung des Dialogs und des Zusammenlebens mit den Muslimen sowie kirchliche Hilfsprogramme für Flüchtlinge. Es stehen auch Initiativen zur Debatte, die die internationale Staatengemeinschaft zum Engagement für eine rasche Beendigung des Konflikts in Syrien und im Irak motivieren sollen.

Das Gastland des Gipfeltreffens, Jordanien, ist auch für den Erhalt der christlichen Heiligen Stätten in Jerusalem verantwortlich und betont deshalb ein weiteres Mal die eigene Sorge um die christliche Präsenz als unverzichtbares Element im Mosaik der Völker und religiösen Gemeinschaften im Nahen Osten. Am Sonntag, 4. September, betonte der jordanische König Abdullah II. bei einem Treffen mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., dass Jordanien sich als Modell des “friedlichen Zusammenlebens” zwischen Christen und Muslimen verstehe.

Tawadros II. hatte zuvor in Madaba das koptische-orthodoxe Kloster des Heiligen Antonius eingeweiht, dessen Grundstein sein Vorgänger Schenuda III. im Jahr 2005 gelegt hatte.

uch der koptische Papst-Patriarch lobte das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen in Jordanien sowie den Einsatz des Landes für die christlichen heiligen Stätten. "Ich bin Ägypter und habe Geschichte gelesen, aber ich hätte mir nie vorgestellt, dass es so großartig sein wird", sagte Tawadros II. der Tageszeitung "Jordan Times". Er lobte besonders die jordanischen Bemühungen, religiöse und historische Stätten zu erhalten und zu deren Besuch zu ermuntern. Er selbst werde nach seiner Rückkehr nach Ägypten seine "Landsleute ermutigen, diese Orte zu besuchen und Geschichte zu lernen". (ende)