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Franz König

Pro Oriente

Ökumenischer Patriarch besucht Jasenovac

Bartholomaios I. eröffnet in Zagreb internationale wissenschaftliche Konferenz über die „Neuen Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ und besucht anschließend die Gedenkstätte des kroatischen faschistischen Lagers, das als „Auschwitz des Balkans“ galt – Göttliche Liturgie in Konzelebration mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej im Gedenken an die Opfer

Zagreb, 06.09.16 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. stattet am Freitag, 9. September, Kroatien einen „historischen Besuch“ ab. Bartholomaios I. wird im Zagreber serbisch-orthodoxen „Katarina Kantakuzino Brankovic“-Gymnasium eine internationale wissenschaftliche Konferenz über die „Neuen Märtyrer“ (des 20. Jahrhunderts) eröffnen. Unter den Referenten sind Efraim Zuroff, der Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, der russische Priester und Historiker Aleksander Mazirin und weitere Fachleute aus Polen, Bosnien, Rumänien, Kroatien und Serbien. Der serbisch-orthodoxe Bischof von Slawonien, Jovan (Culibrk), wird die Tagung leiten; er gilt als der Top-Fachmann des serbisch-orthodoxen Patriarchats für die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Für die serbisch-orthodoxen Christen in Kroatien sei es eine besondere Freude, mit Bartholomaios I. die führende Persönlichkeit der orthodoxen Welt erstmals in Zagreb begrüßen zu können, sagte der serbisch-orthodoxe Metropolit von Zagreb, Porfirije (Peric).

Bartholomaios I. wird am 9. September mit kirchlichen Repräsentanten und den Teilnehmenden der wissenschaftlichen Konferenz die Gedenkstätte des kroatischen faschistischen Lagers Jasenovac besuchen und dem Vespergottesdienst in der orthodoxen Eliaskirche des Dorfes Mlaka beiwohnen. Am Samstag, 10. September, wird der Ökumenische Patriarch – in Konzelebration mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej – die Göttliche Liturgie im Gedenken an die Opfer von Jasenovac feiern, wo vor genau 75 Jahren die Mordorgie des Ustascha-Regimes gegen orthodoxe Serben, Juden und Roma begonnen hatte. Bei der Göttlichen Liturgie in der Johannes der Täufer-Kirche in Jasenovac werden auch viele russische, rumänische und polnische orthodoxe Bischöfe konzelebrieren. Im Anschluss wird der Ökumenische Patriarch die nach den Zerstörungen des Bürgerkriegs renovierte Residenz des orthodoxen Bischofs von Slawonien in Pakrac segnen.

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Jasenovac war eine Einrichtung des sogenannten „unabhängigen kroatischen Staates“ (Nezavisna Drzava Hrvatska, NDH), eines Satellitenstaates NS-Deutschlands. Über die Opferzahl in dem als „Auschwitz des Balkans“ bezeichneten Lager gehen bis heute die Ansichten auseinander: Sie schwanken zwischen 100.000 und 700.000, wobei die meisten Opfer orthodoxe Serben waren, unter ihnen nicht wenige Frauen und Kinder. Die faschistischen Behörden hatten das Lager im August 1941 eingerichtet.

Das Stichwort Jasenovac ist auch heute noch Anlass für scharfe Auseinandersetzungen zwischen Kroaten und Serben. Am 18. März unternahm die katholische Diözese Pozega mit ihrem Bischof Antun Skvorcevic an der Spitze den Versuch, das Thema Jasenovac im „Jahr der Barmherzigkeit“ im Zeichen der „Reinigung des Gedächtnisses“ zu behandeln. Bei der Feier war auch der serbisch-orthodoxe Bischof Jovan (Culibrk) anwesend. U.a. sagte Bischof Skvorcevic damals, das „beste Denkmal für die Opfer“ sei die Verpflichtung zur gegenseitigen Versöhnung, Vergebung und Akzeptanz. (forts mgl)