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Franz König

Pro Oriente

Weltkirchenrat lädt zur „Weltwoche für Frieden“ im Heiligen Land ein

In der Woche vom 18. bis zum 24. September soll ein „klares Signal“ für die „dringende Notwendigkeit“ eines Friedensabkommens abgegeben werden, durch das „die legitimen Rechte und die Zukunft beider Völker gesichert“ werden

Genf, 17.09.16 (örkö) Der Weltkirchenrat lädt weltweit die Kirchen, aber auch die „auf Glauben gegründeten“ Gemeinschaften und Organisationen der Zivilgesellschaft zur „Weltwoche für Frieden“ im Heiligen Land (18. bis 24. September) ein. Die Initiative des „Palästina/Israel Ökumenischen Forums“ (PIEF) steht unter dem Motto „Gott hat die trennenden Mauern niedergerissen“ (Kennwort in den „social media“ über die Weltwoche: #Dismantling barriers). Ziel sei es, sich während dieser Woche zu friedlichen Aktionen zusammenzutun, „um ein gemeinsames internationales öffentliches Zeugnis abzulegen“.

PIEF wünscht sich, dass die Kirchen durch die Weltwoche ein „klares Signal“ an die Politiker, aber auch an die Zivilgesellschaft und an die eigenen Pfarrgemeinden für die „dringende Notwendigkeit“ eines Friedensabkommens für das Heilige Land senden, durch das „die legitimen Rechte und die Zukunft beider Völker gesichert“ werden. Die Botschaft der Woche laute: „Es ist Zeit für Israelis und Palästinenser, einen gerechten Frieden zu teilen. Es ist Zeit, frei von der Besatzung zu sein. Es ist Zeit für gleiche Rechte. Es ist Zeit für die Heilung der verwundeten Seelen“. Im Sinne von Epheser 2,14 wird für einen Frieden plädiert, „der aus beiden eines gemacht“ und „die trennenden Mauern der Feindschaft abgebrochen“ hat.

Die Liturgievorschläge des PIEF enthalten auch bewegende Zeugnisse, die aus Anfang 2016 aufgenommenen Interviews stammen. Der 56-jährige Bassam aus dem Städtchen Beit Jala südlich von Jerusalem sagte: „Seitdem ich in Jerusalem Arbeit habe, muss ich sehr zeitig am Morgen aufbrechen, um rechtzeitig da zu sein. Hauptsächlich gibt es die Schwierigkeiten an den Checkpoints, und ich muss stundenlang warten. An einem guten Tag dauert es eine Stunde, manchmal zwei oder mehr. Es sind nur acht bis zehn Kilometer bis zu meinem Arbeitsplatz. Manchmal komme ich zu spät, und das wirkt sich auf meine Arbeit aus. Ich möchte meine Mutter – sie ist 80 Jahre alt – zum Beten nach Jerusalem bringen. Sie ist seit mehr als 30 Jahren nicht mehr in Jerusalem gewesen. Aber leider ist sie nicht mehr so gesund, dass sie die Situation in der langen Schlange am Checkpoint aushalten kann.

Kürzlich hätte ich meine Frau ins St. Joseph Hospital nach Jerusalem bringen müssen, aber sie haben ihr keine Erlaubnis gegeben. Sie bekommt nur zweimal im Jahr die Erlaubnis zu einem Besuch von Jerusalem. Eben erst trainierte mein 13-jähriger Sohn mit seiner Schule für einen Lauf durch Jerusalem. Das Event heißt ‚Recht auf Bewegung‘. An dem Tag, als seine Klasse zum Laufen nach Jerusalem gegangen ist, ließen ihn die Soldaten nicht durch den Checkpoint. Nur ihn, niemanden sonst aus der Klasse, und aus keinem ersichtlichen Grund.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als es keine Mauern gab. Es war für uns leicht, uns zu bewegen, Leute zu besuchen, am Gottesdienst in den Kirchen teilzunehmen, Verwandte in Jerusalem oder in Nazareth aufzusuchen. Es war einfach, die verwandtschaftlichen Beziehungen zu pflegen. Jetzt haben wir unsere Verwandten seit Jahren nicht mehr gesehen". (ende)