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Franz König

Pro Oriente

Patriarch Pavle war „ein Heiliger der Gegenwart“

Serbische Ausgabe des Buches von Jean-Claude Larchet über den 2009 verstorbenen serbisch-orthodoxen Patriarchen erschienen

Belgrad, 30.10.16 (poi) Als einen „Heiligen der Gegenwart“ hat der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej seinen Amtsvorgänger – Patriarch Pavle – bei der Präsentation der serbischen Ausgabe des Buches von Jean-Claude Larchet „Le patriarche Paul de Serbie, un saint de notre temps“ (Patriarch Pavle von Serbien, ein Heiliger unserer Zeit) gewürdigt. U.a. stellte Patriarch Irinej wörtlich fest: „Pavle war so bescheiden, dass er seine Ernennung zum Bischof in seinem Heimatkloster die längste Zeit verschwieg. Er besaß nie ein Auto oder ein Telefon. Er liebte alle Menschen. Er war streng gegen sich selbst, aber überaus großzügig gegenüber den Leidenden, den vom Unglück Betroffenen. Diese große Persönlichkeit hat in Zeiten, die für die Kirche sehr kritisch waren, weise gehandelt. Schon zu Lebzeiten wurde er als Heiliger betrachtet“. Das Buch von Larchet sei ein Beitrag für die Geschichte, zugleich verweise es darauf, dass Patriarch Pavle auch außerhalb von Serbien als Heiliger betrachtet wird.

Jelena Trivan, die Direktorin des Verlages „Sluzbeni Glasnik“, in dem die serbische Ausgabe erschienen ist, erinnerte daran, dass das Buch von Jean-Claude Larchet das erste Werk eines ausländischen Autors über Patriarch Pavle sei. Dieses Buch zeige ganz neue Perspektiven der Persönlichkeit und des Wirkens von Patriarch Pavle auf. Der Patriarch werde als die „Personifikation der Demut“ dargestellt, die er tatsächlich war, als ein Bote Christi, der allen Menschen nahe war und alle ohne Unterschied der Nation oder Konfession liebte.

Auf die Journalisten-Frage, ob an eine Heiligsprechung des Patriarchen gedacht sei, antwortete Patriarch Irinej, das sei zu früh. Die zuständigen Gremien der serbischen Kirche hätten sich noch nie mit diesem Thema befasst. Für den Augenblick gebe es mit dem Buch von Jean-Claude Larchet eine gültige Darstellung des heiligen Lebens von Patriarch Pavle, alles andere werde man sehen.

Er stammte aus Slawonien

Patriarch Pavle (mit zivilem Namen Gojko Stojcevic) wurde 1914 in Slawonien geboren, das damals noch zur ungarischen Reichshälfte der habsburgischen Doppelmonarchie gehörte. Von 1990 bis zu seinem Tod 2009 war er Metropolit von Belgrad und Sremski Karlovci, Erzbischof von Pec und der 44. Patriarch der serbisch-orthodoxen-Kirche. Als Patriarch setzte sich Pavle für die Demokratisierung Serbiens ein, um auch der serbisch-orthodoxen-Kirche nach den Jahrzehnten des tito-kommunistischen Regimes wieder ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Seine politischen Sympathien sollen den Parteigängern des serbischen Thronprätendenten Alexander aus dem Haus Karadjordjevic gegolten haben.

Der junge Gojko verlor früh seine Eltern. Er besuchte das Gymnasium in Tuzla und danach das Seminar in Sarajevo. 1936 begann er sein medizinisches (wegen des Zweiten Weltkriegs abgebrochenes) und theologisches Studium in Belgrad. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitete er als Bauarbeiter, was seine Gesundheit angriff. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs holte ihn ein Schulfreund in ein Kloster, wo er bis zum Ende des Krieges blieb. Hier lernte Gojko das monastische Leben kennen. Daneben wirkte er als Religionslehrer für Flüchtlingskinder. In dieser Zeit erkrankte er an Tuberkulose und die Ärzte gaben ihm nur noch kurze Zeit zu leben. Er überstand die Krankheit und wurde 1946 Mönch mit dem Namen Pavle.

Ab 1950 lehrte Pavle am Seminar und der theologischen Hochschule in Prizren. 1955 bis 1957 absolvierte er Studien in Athen. 1957 wurde er zum Bischof der Eparchie Raska-Prizren gewählt. Gleichzeitig war er weiter als Professor an der theologischen Hochschule in Prizren tätig.1990 erfolgte seine Wahl zum Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, wobei er ursprünglich nicht zu den „aussichtsreichen“ Kandidaten gezählt hatte.

Kaum zum Patriarchen gewählt, musste er die Jugoslawienkriege miterleben, die für die serbisch-orthodoxe Kirche eine dramatische Belastungsprobe bedeuteten. Er sprach sich öffentlich gegen Krieg und Gewalttaten aus, wurde aber von unterschiedlichen Exponenten der verschiedenen Fraktionen beim Zerfall Jugoslawiens heftig angegriffen. Nach der Wende in Serbien im Jahr 2000 forderte der Patriarch die orthodoxen Christen mehrmals öffentlich auf, sich an Wahlen zu beteiligen, so wie er es tue. Patriarch Pavle setzte sich für eine „entideologisierte Demokratie“ ein.

Kontakt mit Pro Oriente

Herzlichen Kontakt hielt Patriarch Pavle mit der Wiener Stiftung „Pro Oriente“ und mit den Wiener Kardinälen Franz König, Hans Hermann Groer und Christoph Schönborn. (ende)