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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ökumenischer Patriarch besucht die „Grecia Salentina“ in Apulien

Großer ökumenischer Gottesdienst in der Kathedrale von Lecce – Visite von Bartholomaios I. in einer griechischen Sprachinsel, die einst zum kirchlichen Bereich seiner Vorgänger gehört hatte

Rom, 28.11.16 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. wird von 1. bis 4. Dezember die apulische Erzdiözese Lecce besuchen. Der Besuch gilt in erster Linie auch der griechischen Sprachinsel der „Grecia Salentina“, einem heute elf Gemeinden umfassenden Verband, wo noch immer das „grico“, eine neugriechische Sprachversion, gesprochen wird, auch wenn die Emigration und der Einfluss des Fernsehens nach 1945 zu einem dramatischen Rückgang der Kenntnis der griechischen Sprache geführt haben. Wie ganz Apulien und Süditalien unterstand Lecce in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends (und bis zur normannischen Eroberung im 11. Jahrundert) dem oströmischen Kaiser in Konstantinopel und damit kirchlich dem Ökumenischen Patriarchen. Höhepunkt des Besuchs von Bartholomaios I. ist am 1. Dezember ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst in der Kathedrale von Lecce. Der Erzbischof von Lecce, Domenico Umberto D’Ambrosio, schreibt in der Einladung an die Gläubigen, am 1. Dezember werde es möglich sein, einen intensiven spirituellen Augenblick zu erleben, „weil das vom Evangelisten Johannes berichtete hohepriesterliche Gebet Jesu, dass ‚alle eins seien, damit die Welt glaube‘, in der Kathedrale unserer Stadt verwirklicht wird“. Auch wenn Katholiken und Orthodoxe noch getrennt seien, könnten sie in diesem gemeinsamen Gottesdienst „von Gott das Geschenk der Einheit erflehen“.

Die Universität des Salento – der apulischen Landschaft, deren Hauptstadt Lecce ist – verleiht dem Ökumenischen Patriarchen am 2. Dezember ein Ehrendoktorat. Die Universität möchte damit, so Rektor Prof. Vincenzo Zara, das große Engagement von Bartholomaios I. für die Verteidigung der Umwelt, des kulturellen Erbes und der menschlichen Würde ehren. Die Anwesenheit des Ökumenischen Patriarchen erinnere an die kulturellen Wurzeln des Salento, „der apulischen Landschaft, die nach Osten blickt“. Während seines Aufenthalts in Lecce wird Bartholomaios I. u.a. auch das Benediktinerinnenkloster San Giovanni Evangelista und die Abtei Santa Maria di Cerrate besuchen. Die Abtei – deren Kirche ein wenig bekanntes Hauptwerk der romanischen Baukunst in Europa ist – wurde bereits von einem Normannen, Tancredi von Altavilla (Hauteville), Graf von Lecce, begründet. Im Jahr 1711 wurde die Abtei von osmanischen Piraten heimgesucht, seither verfiel sie, erst 1965 begann die Restaurierung. Wie in vielen süditalienischen Klöstern war in Cerrate auch in normannischer Zeit sowohl der lateinische als auch der byzantinische Ritus gepflegt worden.
Obwohl auch in der Sprachinsel der „Grecia Salentina“ im Verlauf der Jahrhunderte der byzantinische Ritus durch den lateinischen Ritus verdrängt wurde, blieben die griechische Sprache und griechische Traditionen in diesem Gebiet erhalten. Ein Ausdruck dieser Traditionen sind u.a. die eindrucksvollen Feiern der „Heiligen Woche“, in denen der Passion und Auferstehung Jesu gedacht wird.

Lecce gilt wegen seiner zahlreichen Gebäude im typischen Barockstil des Salento als „Florenz des Barock“. Die Stadt erlebte zwischen 1550 und 1750 ihre wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit. (ende)