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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ökumenischer Patriarch zum Nikolaus-Fest in Bari

Ökumene-Institut der Theologischen Fakultät Apuliens zeichnet Bartholomaios I. aus - Basilika San Nicola ist bis heute einer der wichtigsten Wallfahrtsorte für griechische und russische orthodoxe Christen

Bari, 04.12.16 (poi) Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., trifft am Abend des 4. Dezember in der apulischen Hauptstadt Bari ein. Der Besuch steht im Zeichen des Nikolaus-Festes am 6. Dezember. Der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra in der kleinasiatischen Landschaft Lykien, ist eine Zentralgestalt der christlichen Frömmigkeit sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Kirche. Vor der Eroberung der Stadt durch seldschukische Truppen im Jahr 1087 brachten apulische Kaufleute die Reliquien des Heiligen an sich und überführten sie nach Bari, wo die Basilika San Nicola erbaut wurde. Seither ist Bari auch ein wichtiger Wallfahrtsort für die orthodoxen Christen, vor allem aus Griechenland und aus Russland.

Am Montagvormittag, 5. Dezember, wird der Ökumenische Patriarch in der Basilika San Nicola die Festrede zur Eröffnung des akademischen Jahres der Theologischen Fakultät Apuliens halten. Bei dieser Gelegenheit wird das Institut für ökumenische und patristische Studien der Fakultät Bartholomaios I. mit dem „San Nicola-Preis“ auszeichnen. Am Montagabend hält der Patriarch die Vesper in der Herz Jesu-Kirche am Corso Cavour. Unmittelbar danach wird die bisher katholische kleine Kirche an den griechisch-orthodoxen Metropoliten von Italien, Gennadios (Zervos) übergeben, damit die griechisch-orthodoxe Gemeinschaft der apulischen Hauptstadt ein eigenes Gotteshaus erhält. Am Dienstag, 6. Dezember, dem Fest des Heiligen, wird Bartholomaios I. am feierlichen Pontifikalamt in der Basilika teilnehmen und am Schluss der Messfeier das Wort an die versammelten Gläubigen richten. In der Krypta der Basilika wird der Patriarch am Grab des Heiligen beten. Der Erzbischof von Bari und Bitonto, Francesco Cacucci, bezeichnete den Besuch des Ökumenischen Patriarchen in der apulischen Hauptstadt als „Ereignis von großer ökumenischer Bedeutung“, das einen wertvollen Beitrag zum Dialog zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche darstelle. Der Besuch von Bartholomaios I. in Bari stelle die „Krönung eines langen und von großer Gesprächsbereitschaft seitens des Ökumenischen Patriarchen gekennzeichneten Weges“ dar, betonte der Erzbischof.

An der Feier der Theologischen Fakultät Apuliens mit Patriarch Bartholomaios werden auch der Sekretär und der Vizesekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen – Bischof Brian Farrell und Msgr. Andrea Palmieri - sowie der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Italienischen Bischofskonferenz, Bischof Ambrogio Spreafico von Frosinone, teilnehmen.

Von 1. bis 4. Dezember hatte der Ökumenische Patriarch die Bari benachbarte Erzdiözese Lecce besucht. Die Visite galt in erster Linie auch der griechischen Sprachinsel der „Grecia Salentina“, einem heute elf Gemeinden umfassenden Verband, wo noch immer das „grico“, eine neugriechische Sprachversion, gesprochen wird, auch wenn die Emigration und der Einfluss des Fernsehens nach 1945 zu einem dramatischen Rückgang der Kenntnis der griechischen Sprache geführt haben. Wie ganz Apulien und Süditalien unterstand Lecce in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends (und bis zur normannischen Eroberung im 11. Jahrundert) dem oströmischen Kaiser in Konstantinopel und damit kirchlich dem Ökumenischen Patriarchen.

Höhepunkt des Besuchs war am 1. Dezember ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst in der Kathedrale von Lecce. Der Erzbischof von Lecce, Domenico Umberto D’Ambrosio, sprach von einem intensiven spirituellen Augenblick, „weil das vom Evangelisten Johannes berichtete hohepriesterliche Gebet Jesu, dass ‚alle eins seien, damit die Welt glaube‘, in der Kathedrale unserer Stadt verwirklicht wurde“. Auch wenn Katholiken und Orthodoxe noch getrennt seien, könnten sie „von Gott das Geschenk der Einheit erflehen“. (forts mgl)