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Franz König

Pro Oriente

Attentat in Kairo: Trauer und Empörung unter den koptischen Christen in aller Welt

Explosion in der St. Peter-und-Paul-Kirche neben der Markuskathedrale im Stadtzentrum der ägyptischen Hauptstadt während der Morgenmesse – Mindestens 25 Todesopfer und 50 Verletzte

Kairo, 11.12.16 (poi) Trauer und Empörung herrschen unter den koptischen Christen in Ägypten und in der weltweiten Diaspora: Ein Sprengstoffanschlag während der Morgenmesse in der St. Peter-und-Paul-Kirche im Stadtteil Abbasya der ägyptischen Hauptstadt Kairo – unmittelbar neben der Markuskathedrale – hat am Sonntagmorgen mindestens 25 Todesopfer und 50 Verletzte gefordert. Unter den Gottesdienstbesuchern spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Die ägyptischen Sicherheitsbehörden vermuten, dass das 12-Kilo-Sprengstoffpaket mit einer Damenhandtasche in die Kirche eingeschmuggelt wurde; die Explosion ereignete sich im rechten Bereich der dreischiffigen Kirche, wo sich normalerweise die Frauen versammeln. Unter den Opfern sind daher besonders viele Frauen und Kinder. Die islamische Al Azhar-Universität hat am Sonntagvormittag den Anschlag als „furchtbares Verbrechen“ verurteilt, terroristische Angriffe auf Gotteshäuser und Morde an Schuldlosen seien „kriminelle Akte, die islamische Prinzipien zutiefst verletzen“. „Al Azhar“ brachte seine Solidarität mit den koptischen Christen zum Ausdruck und übermittelte Papst-Patriarch Tawadros II., den Familien der Opfer und dem „ganzen ägyptischen Volk“ sein „tief empfundenes Beileid“. Der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. In einer Stellungnahme kündigte er Ausforschung und strenge Bestrafung aller Mitschuldigen an. Der Terrorismus habe alle Ägypter zutiefst verletzt, aber Ägypten werde „gestärkt und geeint aus dieser Prüfung hervorgehen“. Die politischen Auswirkungen des Attentats in der St. Peter-und-Paul-Kirche sind nicht abzusehen, weil es die – der Opferzahl nach – am schwersten wiegende Attacke auf die koptische Gemeinschaft seit dem Sturz des Königs 1952 war.

Am Sonntag kam es in Kairo zu Protestdemonstrationen gegen Innenminister Magdy Abd-el-Ghaffar, der rund eine Stunde nach dem Anschlag an dem inzwischen hermetisch abgesperrten Tatort eintraf. Die Demonstranten verlangten eine genaue Untersuchung im Hinblick auf die Vorgangsweise der für die Sicherheit der koptischen Kathedrale und ihrer Umgebung verantwortlichen Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden.

Papst Franziskus brachte am Sonntag beim Angelusgebet in Rom seine tiefe Verbundenheit mit den koptischen Christen zum Ausdruck. Angesichts der Attentate in aller Welt gebe es eine einzige Antwort: „Glaube an Gott und Einmütigkeit im Hinblick auf die menschlichen und staatsbürgerlichen Werte“. Zugleich betonte Papst Franziskus seine „besondere Nähe zum geliebten Bruder Tawadros II.“ (dem Papst-Patriarchen der koptischen Kirche, der sich zu einem Pastoralbesuch in Griechenland aufhielt); er bete inständig für die Toten und die Verletzten.

Bischof Angelos, der als Generalbischof für die koptisch-orthodoxen Gläubigen in Großbritannien zuständig ist, unterstrich seine Trauer über die Nachrichten aus Kairo. Das Gebet sei mit allen, deren Leben so sinnlos geendet habe, mit den Verletzten, mit den Familien und den Gemeinden: „Wir beten auch für alle koptischen Gemeinden, die sich heute zum Gottesdienst versammeln und für die ganze ägyptische Gesellschaft, die Opfer einer solchen unmenschlichen Attacke geworden ist“. Sein Gebet gelte auch den „starken und widerstandsfähigen Christen“ Ägyptens, die mittlerweile gelernt hätten, mit solchen Attacken umzugehen. Bischof Angelos erinnerte daran, dass tags zuvor – am 10. Dezember – der Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – begangen worden war. Die globale Gemeinschaft vernachlässige und vergesse leider von Gott gegebene Rechte und Freiheiten, die ohne Unterschied allen Menschen zukommen. Es seien diese Rechte, die alle Entscheidungen prägen müssen, wenn „Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit“ bewahrt werden sollen.

Weltkirchenrats-Generalsekretär würdigt Opfer als „Märtyrer des Glaubens“

Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, hat seine tiefe Trauer über den Bombenanschlag vom Sonntagmorgen in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul bekundet und ein „Ende der Gewalt“ gefordert, die dem „globalen gerechten Frieden“ im Weg steht. Im Hinblick auf die 25 Todesopfer (und an die 50 Verletzten) des Anschlags erinnerte Fykse Tveit daran, dass die koptische Kirche in den letzten Jahre immer wieder erleben musste, wie ihre Mitglieder und Kirchgänger ermordet wurden: „Sie sind Märtyrer des christlichen Glaubens“. Der Anschlag in der St. Peter und Paul-Kirche sei ein neuerliches Beispiel für die Verletzlichkeit der christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. Dem Weltkirchenrat bereite dies große Sorge.

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. hat am Sonntag sofort seinen Pastoralbesuch in Griechenland abgebrochen, als er von dem Anschlag erfuhr. Tawadros II. kehrte unmittelbar nach Kairo zurück, um den koptischen Gläubigen nahe zu sein. Der Papst-Patriarch war nach Athen gereist, um dort eine neue koptische Kirche einzuweihen. Der Sprecher der katholischen Kirche in Ägypten, P. Rafic Greiche, erklärte am Sonntagvormittag: „Wir sind zutiefst betroffen und in Tränen wegen dem, was unseren orthodoxen Geschwistern geschehen ist. Ihr Leid ist unser Leid. Möge der Herr Ägypten vor allem weiteren Unheil bewahren“. P. Greiche kondolierte namens der katholischen Bischöfe des Landes dem orthodoxen Papst-Patriarchen. An die ägyptischen Sicherheitsbehörden richtete der Sprecher der katholischen Kirche den Appell, die Täter und ihre Hintermänner rasch ausfindig zu machen.

Der ägyptische Ministerpräsident Cherif Ismail bezeichnete die Bluttat als „feiges Verbrechen“. Auch die meisten ägyptischen politischen Parteien und zahlreiche Botschaften verurteilten in scharfen Worten das furchtbare Geschehen in der St. Peter und Paul-Kirche. In Kairo wurde mit besonderer Aufmerksamkeit registriert, dass die Al Azhar-Universität die am Sonntagabend vorgesehene Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed im Zeichen des Mitgefühls mit den koptischen Christen annulliert hat. (forts mgl)