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Franz König

Pro Oriente

Moskauer Patriarch Kyrill I. erinnert an das Drama der Oktober-Revolution

„Eine auf der Rebellion gegen Gott und sein ewiges moralisches Gesetz aufbauende Gesellschaft ist zur Selbstzerstörung verurteilt“

Moskau, 23.12.16 (poi) Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat bei der (alljährlich stattfindenden) Moskauer Eparchialversammlung daran erinnert, dass 2017 das 100-Jahr-Gedenken an die beiden Revolutionen bevorsteht, die 1917 das Russische Reich erschütterten. Vor allem im Hinblick auf die bolschewistische Oktober-Revolution sagte der Patriarch, eine der wichtigsten Lehren der Vorgänge vor 100 Jahren in Russland bestehe darin, dass eine „auf der Rebellion gegen Gott und sein ewiges moralisches Gesetz aufbauende Gesellschaft“ zur Selbstzerstörung verurteilt sei. Es sei notwendig, sich gerade heute daran zu erinnern, weil es „in einer Reihe von Staaten Versuche gibt, das Leben der Menschen und das System der Öffentlichkeit auf der Marginalisierung der Religion aufzubauen“. In diesem Zusammenhang gewinne die pastorale Aufgabe der Kirche, ihre tägliche Arbeit, eine „historische Dimension“, sagte der Patriarch vor den Priestern, Mönchen und Nonnen der Moskauer Eparchie.

Die Erinnerung an die Vorgänge des Jahres 1917 (Februar-Revolution und Oktober-Revolution) betreffe die russisch-orthodoxe Kirche und „alle Länder, für die das Moskauer Patriarchat die kanonische Verantwortung trägt“, betonte Kyrill I. Wörtlich fügte der Patriarch hinzu: „Die revolutionären Ereignisse von 1917 haben letztlich zur Machtergreifung radikaler politische Kräfte geführt. Diese Kräfte haben die Ideen des Atheismus und des Materialismus verbreitet, sie haben die traditionelle Lebensweise zerstört und schreckliche Konsequenzen hervorgerufen: einen blutigen Bürgerkrieg, den erzwungenen Exodus vieler Mitbürger ins Ausland, die massive Repression der neuen Staatsmacht gegen alle, die anderer Meinung waren“. Die russische Kirche sei in den Jahrzehnten nach der Oktober-Revolution beispiellosen Verfolgungen ausgesetzt gewesen. Zehntausende Gläubige, eine große Zahl von Bischöfen, Priestern, Mönchen und Nonnen habe für Christus gelitten, zahllose Kirchen und Klöster seien geschlossen oder zerstört, kirchliche Objekte aller Art profaniert oder vernichtet worden.

Es sei eine „praktische und nicht eine theoretische“ Aufgabe, die Ursachen der Katastrophe von 1917 zu analysieren und die Konsequenzen aus den nachfolgenden Ereignissen zu ziehen, unterstrich der Moskauer Patriarch. Es sei notwendig, einerseits die Leistungen des russischen Volkes in den folgenden Jahrzehnten weder zu vergessen noch überzubewerten und andererseits das „Unglück und die Konflikte“ deutlich zu sehen, denen Russland ab 1917 ausgesetzt war. (ende)