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Franz König

Pro Oriente

Ägypten: Regierung finanziert Bau der größten koptischen Kirche mit

Ankündigung von Staatspräsident al-Sisi beim Weihnachtsgottesdienst in der koptischen Markuskathedrale in Kairo – Plädoyer für Vielfalt und Toleranz

Kairo, 10.01.17 (poi) Bis zum Jahr 2018 wird bei Kairo die größte koptische Kirche Ägyptens entstehen, deren Bau auch vom ägyptischen Staat mitfinanziert werden soll. Dies habe der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi am vergangenen Samstag persönlich beim Weihnachtsgottesdienst in der koptisch-orthodoxen Markuskathedrale mit Patriarch Tawadros II. angekündigt, berichtete die katholische Nachrichtenagentur „Fides“ am Dienstag. Die ersten 100.000 ägyptischen Pfund habe das Präsidentenamt bereits für den zeitgleichen Bau der größten koptischen Kirche und der größten Moschee des Landes bereitgestellt.

Die Initiative ist Teil eines neuen Stadtbauprojekts, in dessen Rahmen 45 Kilometer südöstlich von Kairo neue und moderne Stadtviertel entstehen, in denen auch Regierungsbüros und Ämter der wichtigsten politischen Institutionen angesiedelt werden sollen. In seiner Ansprache beim Weihnachtsgottesdienst bestätigte der ägyptische Präsident auch, dass die Regierung den Wiederaufbau der bei den Unruhen im Sommer 2013 beschädigten oder zerstörten Kirchen unterstützen werde. Al-Sisi bedauerte, dass es zu „Verzögerungen“ beim Wiederaufbau der christlichen Gotteshäuser gekommen sei. Er warb für Vielfalt und Toleranz, Unterschiede zwischen den Menschen seien von Gott geschaffen und müssten respektiert werden.

Der ägyptische Präsident nahm bereits zum dritten Mal am Weihnachtsgottesdienst in der koptisch-orthodoxen Markuskathedrale teil. Vor ihm hatte kein anderes ägyptisches Staatsoberhaupt persönlich an den christlichen Weihnachtsfeierlichkeiten teilgenommen.

In der unmittelbar an die Markuskathedrale anschließenden Kirche St. Peter und Paul hatte sich am 11. Dezember ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in die Luft gesprengt und 27 Menschen in den Tod gerissen, vor allem Frauen und Kinder. Die islamistische Terrormiliz IS bekannte sich zu dem Attentat. In den Wochen seit dem Anschlag wurde die Kirche von Soldaten der ägyptischen Armee wieder instand gesetzt. Die Arbeiten seien auf Anweisung der Regierung rechtzeitig vor dem koptischen Weihnachtsfest fertiggestellt worden, teilte die Armee laut ägyptischen Medienberichten mit.

Regierungsvertreter hatten sich schon vor dem Weihnachtsfest betont solidarisch mit den Kopten im Land gezeigt. Papst-Patriarch Tawadros II. empfing an seinem Amtssitz unter anderem Verteidigungsminister Sedky Sobhi und den Minister für religiöse Stiftungen („wakf“), Mohamed Mokhtar Gomaa. Auch der Großimam der Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tayyib, überbrachte dem Patriarchen in Begleitung einer hochrangigen muslimischen Delegation Wünsche zum Weihnachtsfest. Er erinnerte dabei an die lange Geschichte der „brüderlichen Beziehungen" zwischen der koptischen Kirche und Al-Azhar. Der Großimam verwies auf eine „dauerhafte Realität der Toleranz" unter den Ägyptern, die viel zu stark sei, um durch jegliche Verbrechen ruiniert zu werden.

Der koptisch-katholische Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina, sagte aus Anlass des koptischen Weihnachtsfestes im Gespräch mit „Radio Vatikan“, die Kirche in Ägypten sei eine „Märtyrer-Kirche“, die sich aber nicht geschlagen gibt. Der Bischof verwies darauf, dass Gewaltakte wie der Anschlag am 11. Dezember die ägyptische Gesellschaft stark prägen: „Die Anschläge sind insgesamt weniger geworden als früher, aber es herrscht heute vielleicht mehr Angst und das ist das Schlimme. Vor 30 oder 40 Jahren wurden die ersten Samen des heutigen islamistischen Terrors gesät, jetzt sehen wir, welche Früchte gewachsen sind. Deshalb ist das Leben in Ägypten heute nicht nur für Christen, sondern vor allem auch für die moderaten Muslime schwieriger geworden“. Die Weihnachtsbotschaft sage aber den Christen: „Hasst niemanden, denn wenn wir hassen, dann haben die anderen gewonnen. Weihnachten ist eine Botschaft der Liebe und des Friedens. Wir müssen also zuerst den Frieden in unseren Seelen finden, um ihn den Mitmenschen weiter reichen zu können“, so Mina.

Unter allen Christen in Ägypten seien nach dem Anschlag im Dezember Trauer und Angst groß, sagte der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William Samaan in einem Interview mit dem „Kirche in Not“-Informationsdienst. Gleichzeitig erlebe man viel Gottvertrauen und Stärke. „Wie schon bei vorhergehenden Anschlägen ist es auch diesmal so: Wenn Terror verübt wird, um Menschen vom Gottesdienst abzuhalten, kommen noch mehr als sonst“, so der Bischof. (ende)