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Franz König

Pro Oriente

Bulgarisch-orthodoxe Kirche für den Friedensnobelpreis nominiert

Antrag wurde von hochrangigen israelischen Persönlichkeiten eingebracht – Bulgarisch-orthodoxe Kirche war die einzige religiöse Institution auf dem von NS-Deutschland kontrollierten Territorium, die „offen und offiziell“ ihre Position zugunsten der Juden erklärte - 48.000 jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden gerettet

Sofia, 23.01.17 (poi) Die bulgarisch-orthodoxe Kirche ist für den Friedensnobelpreis nominiert worden, weil sie während des Zweiten Weltkriegs 48.000 jüdische Bürgerinnen und Bürger Bulgariens vor dem Zugriff der deutschen Vernichtungslager gerettet hat. Dies teilte die bulgarisch-orthodoxe Kirche in einem Kommunique mit. Der offizielle Antrag wurde von General Efraim Sneh (dem früheren israelischen Gesundheitsminister), dem in Haifa lehrenden Jus-Professor Moshe Keshet und dem Anwalt Moshe Aloni eingebracht. Unterstützt wurde der Antrag von 200 Nachkommen geretteter bulgarischer Juden.

In dem Kommunique der bulgarisch-orthodoxen Kirche wurde darauf verwiesen, dass während des Zweiten Weltkriegs in Bulgarien nicht nur Einzelpersonen ihr Leben riskiert hätten, um jüdische Menschen vor Verfolgung und Tod zu bewahren. Vielmehr sei die bulgarisch-orthodoxe Kirche die einzige religiöse Institution auf dem von den NS-Deutschen kontrollierten Territorium gewesen, die „offen und offiziell“ ihre Position zugunsten der Juden erklärt habe. Auf Grund ihrer Entschlossenheit und der „konsequenten Treue zu den Idealen des Evangeliums“ habe die bulgarisch-orthodoxe Kirche mit ihren führenden Persönlichkeiten – u.a. Exarch Stefan, Metropolit Neofit von Vidin und Metropolit Kiril von Plovdiv (der spätere Patriarch) – eine erstrangige Rolle bei der Rettung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Bulgariens gehabt.

Die Vorgänge um die Rettung der bulgarischen Juden waren dramatisch. Als die Deutschen am 9./10. März 1943 rund 8.500 jüdische Bürgerinnen und Bürger in Plovdiv und Umgebung zusammengetrieben und in Güterzüge gepfercht hatten, um sie in die Vernichtungslager im sogenannten „Generalgouvernement“ abzutransportieren, eilte Metropolit Kiril mit 300 treuen orthodoxen Gläubigen zum Bahnhof und erklärte den verdutzten Deutschen: „Wenn sie fahren müssen, fahre auch ich“. Zugleich drohten der Metropolit und seine Gefolgsleute, sich auf die Gleise zu legen, um die Abfahrt der Züge zu verhindern. Auf deutsch zitierte der Metropolit aus dem biblischen Buch Ruth: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich…Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“. Nach längerem Hin und Her mussten die Deutschen die Waggontüren wieder öffnen, die jüdischen Bürgerinnen und Bürger konnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

Gemeinsam mit Metropolit Stefan I. von Sofia (der dem Oberrabbiner der bulgarischen Hauptstadt in seinem Palais Asyl gewährt hatte) verfasste Metropolit Kiril einen Brief an Zar Boris I., der das Bündnis mit Hitlerdeutschland eingegangen war. In dem Brief hieß es u.a., Gott werde den Zaren wegen seines Verhaltens „gegenüber unseren jüdischen Brüdern“ richten. Der deutsche Botschafter berichtete daraufhin nach Berlin, den Bulgaren fehle die „ideologische Klarheit“ der Deutschen. Weil sie so lange mit Armeniern, Griechen und Zigeunern zusammengelebt hätten, würden die Bulgaren die „Fehler der Juden“ nicht sehen, die zu „besonderen Maßnahmen“ berechtigten. Die Haltung der orthodoxen Kirche bewirkte, dass aus dem eigentlichen Bulgarien keine Juden deportiert wurden. Allerdings galt das nicht für die von Bulgarien besetzten Gebiete wie Mazedonien und Westthrakien. (ende)