Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus betont Wichtigkeit des Auschwitz-Gedenktags

Bei Audienz für eine Delegation des Europäischen Jüdischen Kongresses sprach der Papst den Wunsch aus, dass die Tränen der jüdischen Opfer nie vergessen werden mögen

Vatikanstadt, 28.01.17 (poi) Anläßlich des Internationalen Shoah-Gedenktags, der jährlich am 27. Jänner, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, begangen wird, hat Papst Franziskus am Freitag den Wunsch ausgesprochen, dass die Tränen der jüdischen Opfer nie vergessen werden mögen. Bei einer Privataudienz für eine Delegation des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC) äußerte der Papst die Überzeugung, dass sich eine solche Tragödie nicht wiederholen dürfe. Auf seinem Twitter-Account (@pontifex) stellte Papst Franziskus am Freitag fest:„Ich möchte heute aller Opfer des Holocaust gedenken. Mögen ihr Leid und ihre Tränen niemals vergessen sein“. „Die Begegnung ist sehr gut verlaufen, der Papst ist sehr offen gewesen und es war ein freies Gespräch“, erklärte der Sekretär der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, P. Norbert Hofmann, im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Die Atmosphäre sei „sehr herzlich“ gewesen. Wie P. Hofmann berichtete, betonte der Papst zu Beginn der Begegnung die Wichtigkeit des Gedenktags, „für die Juden, aber auch für uns“.

Wie ein Pressekommunique des EJC seinerseits betont, bezeichnete der Papst im Laufe der Audienz den Holocaust auch als „ein Mahnmal der menschlichen Grausamkeit“. Franziskus hatte diesen Begriff schon am 29. Juli des vergangenen Jahres verwendet, als er sich in das Ehrenbuch der Gedenkstätte des KZ Auschwitz eintrug. ‪„Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk! Herr, vergib so große Grausamkeit!“, schrieb er damals in spanischer Sprache. EJC-Präsident Moshe Kantor betonte, er betrachte die Begegnung mit Papst Franziskus als eine „Geste der Geschwisterlichkeit gegenüber jedem jüdischen Menschen“. Er habe dem Papst dargelegt, dass jüdische Menschen auch heute noch an der Shoah leiden und dass sie weiterhin vom Antisemitismus in all seinen bösartigen Formen bedroht seien.

Bei der Begegnung ging es auch um Fragen der aktuellen politischen Situation, wobei Moshe Kantor die entschiedene Verurteilung des globalen Terrorismus durch den Papst und dessen Kampf gegen die „Heimsuchung des Terrorismus“ lobend hervorhob. Der EJC-Vorsitzende unterstrich, dass es einer Betonung der gemeinsamen Prinzipien der großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam bedürfe: „Wir müssen aufzeigen, was uns verbindet, ein hartes Nein zur Gewalt und zum Hass sagen und ein aufrichtiges Ja zu Toleranz und Versöhnung“.

Kantor betonte im Gespräch mit Papst Franziskus, dass er als „Repräsentant des jüdischen Volkes“ angesichts der Verfolgung und Vernichtung der uralten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten von tiefer Trauer erfüllt sei. Papst Franziskus und der EJC-Präsident behandelten bei der Begegnung im Vatikan auch Fragen des interreligiösen Dialogs und des „Brückenbaus“ zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft. (ende)