Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Eindringlicher Friedensappell des syrisch-orthodoxen Patriarchen Mar Ignatius Aphrem II.

In seiner Fastenbotschaft erinnert er an die entführten Metropoliten von Aleppo und ruft zur Erneuerung der Kirche auf – Patriarchat berichtet ausführlich über den Ungarn-Besuch des Patriarchen

Damaskus-Budapest, 05.03.17 (poi) Einen eindringlichen Friedensappell für den Nahen Osten hat der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. in seiner Fastenbotschaft formuliert. Wörtlich heißt es darin: „Wir erheben in dieser heiligen Fastenzeit unsere Hände im Gebet zum Herrn um Frieden und Sicherheit für die Länder des Nahen Ostens. Vor allem beten wir um Frieden in Syrien und im Irak: Mögen Gewalt, Terrorismus und Zerstörung aufhören. Möge das Volk wieder den Frieden des Herzens erlangen und in Sicherheit leben. Mögen die Emigranten in ihre Heimstätten und zu ihren Besitztümern zurückkehren. Wir erflehen die Rückkehr aller Gefangenen und aller Entführten. Wir bitten inständig, dass die beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorius Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, die Auferstehung des Herrn wieder mit ihren geistlichen Kindern in ihrer Bischofsstadt feiern können“.

Der Patriarch beschreibt seine Kirche als eine Kirche der Märtyrer. Von ihrer Gründung an bis heute sei die Kirche immer der Verfolgung ausgesetzt gewesen. Aber im Sinn des Jesus-Wortes „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ hätten die Verfolgungen immer den Glauben der Christen gestärkt. Mar Ignatius Aphrem II. zitiert in diesem Zusammenhang das Wort des frühchristlichen nordafrikanischen Kirchenschriftstellers Tertullian, dass „das Blut der Märtyrer zum Samen des Glaubens“ wird.

Die Kirche werde verfolgt, weil sie das Böse und dessen Kräfte bekämpfe, so Mar Ignatius Aphrem II. Aber je mehr sie Drangsale und Verfolgungen erleiden müsse, umso mehr werde sie gestärkt. Die Kirche sei Zeugin Christi in der Welt, „durch den Heiligen Geist, der sie bewahrt und mit seinen Gaben stärkt“. Das bringe mit sich, dass jeder Gläubige ein aktives Mitglied der Kirche sein solle.
In diesem Zusammenhang lädt der Patriarch von Antiochien zu einer Erneuerung seiner Kirche ein, „sowohl der Kleriker aller Rangstufen“ als auch der Laien. Zugleich sei die Kirche als ganze zu einer vollständigen Erneuerung ihrer religiösen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen aufgerufen. Ohne die innerkirchlichen Spannungen beim Namen zu nennen, erinnert Mar Ignatius Aphrem II. daran, dass die Einheit der Kirche „das Herzstück der Glaubwürdigkeit ihrer Mission“ ist.
Der Patriarch erinnert aber auch an die ökumenische Verpflichtung zur Wiederherstellung der Einheit der Christen und zitiert das Jesus-Wort, dass „alle eins seien“. Die Kirche sei „katholisch, das heißt universal, weil sie alle Nationen umfasst“. Sie sei nicht die Kirche einer bestimmten Nation oder eines besonderen Volkes, sie sei vielmehr die Kirche aller, die an den Namen Jesu glauben.

Begegnung mit Kardinal Erdö

Auf der Website des syrisch-orthodoxen Patriarchats erschienen mittlerweile mehrere Bild- und Textberichte des jüngsten Ungarn-Besuches des Patriarchen von Antiochien. Aus den Berichten geht hervor, dass Mar Ignatius Aphrem II. in Budapest nicht nur mit Ministerpräsident Viktor Orban, sondern auch mit Politikern anderer ungarischer Parteien zusammengetroffen ist. Bei diesen Gesprächen gab er einen Überblick über die Auswirkungen der seit 2011 andauernden Krise auf das Leben des syrischen Volkes. Er erläuterte auch die Rolle der syrisch-orthodoxen Kirche bei der Versorgung vieler syrischer Bürger mit dem Basisbedarf des Alltagslebens.

In Budapest traf der Patriarch mit seiner Delegation auch mit dem ungarischen Kardinal-Primas Peter Erdö zusammen. Bei der Begegnung wurde die Situation der Christen im Nahen Osten ausführlich dargestellt. Kardinal Erdö betonte das Interesse der katholischen Kirche in Ungarn, sich an der Hilfe des syrisch-orthodoxen Patriarchats für die Not Leidenden in Syrien zu beteiligen.

Weiters besuchte Mar Ignatius Aphrem II. in Budapest sowohl die Eötvös Lorand-Universität als auch die katholische Peter Pazmany-Universität. An der Pazmany-Universität hielt der Patriarch einen Vortrag unter dem Titel „Haben die Christen noch eine Zukunft im Nahen Osten?“ Dabei erinnerte er daran, dass Verfolgung die Kirchengeschichte vom ersten Augenblick an begleitet habe. Im Detail schilderte er den Völkermord („sayfo“) an den Christen der syrischen Tradition ab 1915 im Osmanischen Reich, das damals vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ beherrscht wurde, und die jetzigen Grausamkeiten gegen die Christen im Irak und in Syrien. Mar Ignatius Aphrem II. berichtete aber auch über die Anstrengungen des Patriarchats, um Not Leidenden und Inlandsvertriebenen bei der Arbeitssuche zu helfen.

Bei allen Begegnungen in Budapest unterstrich der Patriarch die Notwendigkeit, die Finanzierung der Terroristen zu unterbinden und für eine ausgewogenere internationale Berichterstattung über die Vorgänge in Syrien zu sorgen. (ende)