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Franz König

Pro Oriente

Papst gibt 100.000 Euro für Arme in Aleppo

Situation in der nordsyrischen Handelsmetropole ist nach wie vor schwierig – „Kirche in Not“ bittet um Hilfe für das Projekt „Ein Tropfen Milch“

Vatikanstadt-Damaskus, 11.03.17 (poi) Papst Franziskus hat zum Abschluss der Fastenexerzitien der römischen Kurie in Ariccia 100.000 Euro Soforthilfe für die Armen in Aleppo gespendet. Dies teilte die Vizedirektorin des Vatikanischen Pressesaals, Paloma García Ovejero, mit. Am letzten Tag der Exerzitien hatte Papst Franziskus die Abschlussmesse dem Anliegen Syriens gewidmet. Die Spendensumme fürAleppo, die teils auch von Mitarbeitern der Kurie aufgebracht wurde, wird jetzt über die Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes die Armen in der schwer vom Krieg gezeichneten syrischen Stadt erreichen. Während der Exerzitien mit dem Franziskanerpater Giulio Michelini hatte die Teilnehmer in Ariccia eine E-Mail aus Aleppo über den Leidensweg der Bevölkerung erreicht, die sofort verlesen wurde.

Die Situation in Aleppo ist nach wie vor überaus schwierig. „Als die Stadt befreit wurde, da waren wir zunächst erleichtert“, berichtete die Karmelitin Schwester Marie-Françoise im Gespräch mit „Radio Vatikan“: „Aber dann gab es wieder kein Wasser mehr, und es gibt weiterhin Kämpfe rund um die Stadt. Die Leute sind hier also immer noch angespannt. Allerdings sind sehr viele Arbeiten im Gang, um Aleppo wieder aufzubauen. Wir erwachen also langsam wieder zum Leben, in einigen Stadtvierteln gibt es auch wieder Strom. Die Lage ist sehr gemischt, sehr viel Zerstörung. Und den Menschen wieder Mut zu geben, ist viel schwieriger, als Häuser wieder zu reparieren“.

Die Kämpfe in Aleppo selbst hätten aufgehört, betonte Schwester Marie-Françoise, aber der Krieg gehe doch spürbar weiter, in Sicht- und Hörweite der Einwohner: „Wir sind den Brennpunkten hier besonders nahe, rund um uns knallt es – so stark haben wir das früher gar nicht mitbekommen! Das führt dazu, dass man ständig unruhig ist... und außerdem wissen die meisten Leute in der Stadt auch nicht, wie sie bis zum Abend etwas zum Essen und zum Leben finden sollen. Zum Beispiel wohnt hier neben uns ein Priester, der sich immer um eine Pfarre in einem armen Viertel von Aleppo gekümmert hat. Da gab es ein Zentrum für Frauen, wo sie arbeiten konnten, Nähstuben usw.; das ist vollkommen zerstört, alles kaputt. Die Nähmaschinen und das alles sind geklaut worden, da ist nichts mehr. Dieser Priester würde gerne die Pfarrkirche wieder aufbauen und dann den Frauen irgendwie wieder Arbeit verschaffen. Das sind die Art Sorgen, die wir hier haben“.

Im Hinblick auf die Zukunft fühlt sich die Karmelitin in den Händen Gottes, „weil wir absolut keine Ahnung haben, wie es weitergehen soll: Irgendwie hoffen wir, dass es später einmal besser wird“. Die Lage sei so verfahren, keiner wisse, was wirklich vorgeht. Das Positive sei, dass die Stadt „wenigstens ruhig“ sei, dass es keine Angriffe mehr gebe. Ansonsten müsse man erst einmal abwarten, wie sich das weiter entwickeln wird. In Aleppo seien jetzt auch die Preise stark gestiegen, alle karitativen Initiativen seien „total überfordert“.

Von Europa und dem Westen fühlten sich die Menschen in Aleppo „vergessen“ – jetzt, nach der Befreiung der Stadt, erst recht. Sie seien „zutiefst entmutigt“: Keine Arbeitsplätze, hohe Preise (auch für wichtige Medikamente), in großen Teilen der Stadt seit fast einem Jahr kein Strom mehr. Nach einem Moment der Euphorie seien „die Erschöpfung und die Angst jetzt auf einmal wieder da“. Darum freut sich Schwester Marie-Françoise über die Spende von Papst Franziskus und der Kurie: „Das ist ein Mann, der sehr sensibel ist für die Armen, für das Elend, und Aleppo ist jetzt leider eines der großen Notstandsgebiete der Welt. Für uns ist das eine Freude, eine Ermutigung! Wir hoffen, dass andere seine Geste nachahmen“.

“Ein Tropfen Milch”

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“, das seit Beginn des Krieges die Christen in Syrien unaufhörlich unterstützt hat, wurde von seinen lokalen Projektpartnern darum gebeten, Abhilfe für eine der dringendsten Nöte der christlichen Familien in Aleppo zu schaffen: den Bedarf an Milch für Kinder. In diesen Zeiten des Mangels ist Milch für das Wachstum und das Wohlergehen dieser Kinder entscheidend. Das Projekt, das den Namen trägt „Ein Tropfen Milch“, will die monatliche Milchversorgung der christlichen Kinder von Aleppo unter dem 10. Lebensjahr sicherstellen.

Das ökumenische Projekt wird von allen christlichen Kirchen Aleppos sehr geschätzt, da es das einzige Programm ist, das allen Christen hilft, ungeachtet des Ritus oder der Kirche. Aber die Finanzierung dieses extrem wichtigen Projekts ist gefährdet. Obwohl es in Aleppo ruhig ist und die Stadt daher nicht mehr im Fokus der internationalen Medien steht, sind die Zustände himmelschreiend. Die Anzahl der Familien, die dringend Lebensmittel benötigen, um zu überleben, ist dramatisch gestiegen. Nabil Antaki, ein syrischer Gastroenterologe, der während der Bombardierung bei der Bevölkerung geblieben ist und nun dieses Projekt koordiniert, hat dringend um mehr Hilfe zur Weiterführung des Milchprojekts gebeten. „Wir verteilen jeden Monat Milch an etwa 2.850 Kinder: 2.600 erhalten Milchpulver und 250 erhalten spezielle Milch für Säuglinge. Babys, die von ihrer Mutter nicht gestillt werden können, erhalten eine spezielle Säuglingsmilch. Die Gesamtzahl der Begünstigten variiert monatlich – je nach Anzahl der Geburten und Auswanderung der Familien“, erklärt Nabil Antaki.

Georgina, eine Mutter von drei Kindern, sagte im Gespräch mit dem „Kirche in Not“-Informationsdienst, wie wichtig dieses Projekt für sie und ihre Familie ist: „Myriam ist zehn Jahre alt, Pamela ist sechs. Wir gehören zu den Begünstigten des Projektes ‚Ein Tropfen Milch‘. Beide, Myriam und Pamela erhalten monatlich ein Kilo Milchpulver. Pamelas Gesundheit war kritisch, als sie von einem Bombensplitter in den Rücken getroffen wurde; sie braucht Milch, um wieder gesünder und kräftiger zu werden. Dieses Projekt ist sehr wichtig für mich und meine Familie und ich wünsche mir sehr, dass es weitergeführt wird“. (ende)