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Franz König

Pro Oriente

Papst Franziskus sagt Besuch im Libanon zu

Libanesischer Präsident Michael Aoun bei der Begegnung mit dem Papst: „Wir Libanesen brauchen jetzt politische Hilfe, weil wir die aktuelle Krise im Nahen Osten und allgemein in der arabischen Welt sehr stark spüren“ – Papst Franziskus sprach dem Libanon seine Wertschätzung für die Aufnahme der vielen syrischen Flüchtlinge aus

Vatikanstadt-Beirut, 16.03.17 (poi) Papst Franziskus habe zugesagt, den Libanon zu besuchen, dessen er immer im Gebet gedenke: Dies teilte der libanesische Staatspräsident Michel Aoun am Donnerstag nach seiner Visite im Vatikan auf Twitter mit. Der Libanon habe als Land des Miteinanders offensichtlich einen besonderen Platz im Herzen des Papstes.

Nach der Audienz bei Papst Franziskus stellte Präsident Aoun im Gespräch mit „Radio Vatikan“ fest: „Wir Libanesen brauchen jetzt politische Hilfe, weil wir die aktuelle Krise im Nahen Osten und allgemein in der arabischen Welt sehr stark spüren. Ich habe mit dem Papst über die Probleme in der Region und die Herausforderungen für den Libanon gesprochen“. Zu diesen Herausforderungen zähle die Präsenz von mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen im kleinen Libanon mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern. Trotz des Flüchtingszustroms sei es gelungen, die Stabilität und Sicherheit des Libanon zu garantieren, betonte Aoun: „Einzig als die Syrienkrise begann, gab es auch im Libanon einige Bombenanschläge, doch im Vergleich zu dem, was in der gesamten Region geschieht, müssen wir zugeben, dass es bei uns gut geht. Was wir spüren, sind die indirekten Konsequenzen“. Zu diesen Konsequenzen zählten vor allem wirtschaftliche Probleme. Zugleich sei es sehr wichtig, den Dialog zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften im Land zu vertiefen, wofür er sich sehr einsetzen werde.

Laut offiziellem Kommunique des Heiligen Stuhls verlief die Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem libanesischen Präsidenten überaus herzlich. Die guten bilateralen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Libanon wurden hervorgehoben; Papst und Präsident unterstrichen die historische und institutionelle Rolle der Kirche im Libanon. Es wurde Zufriedenheit darüber ausgedrückt, dass es gelungen sei, die politische Krise des Libanon zu lösen und zu einer „immer fruchtbareren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinschaften für das Gemeinwohl und die Entwicklung der Nation zu finden“ (der maronitische Christ Michel Aoun ist seit dem 31. Oktober 2016 Präsident seines Landes. Die Präsidentenwahl war seit Mai 2014 insgesamt 45 Mal gescheitert, weil sich die Parteien nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Ohne Staatsoberhaupt war die Politik des Landes zweieinhalb Jahre hindurch weitestgehend gelähmt. Der Riss ging auch durch die maronitische Gemeinschaft, der laut „Pacte National“ von 1943 der libanesische Staatspräsident angehören muss. Ein Teil der maronitischen Politiker unterstützte die gegen das syrische Regime eingestellte „Koalition des 14. März”, andere – wie Aoun – die „Allianz des 8. März“, die für Damaskus eintritt).

Besondere Aufmerksamkeit wurde im Verlauf des Gesprächs auf die internationalen Bemühungen um eine politische Lösung des Syrienkonflikts gerichtet. Für die Aufnahme zahlreicher syrischer Flüchtlinge sprach Papst Franziskus dem Libanon seine Wertschätzung aus. Auch die anderen aktuellen Konflikte im Nahen Osten wurden angesprochen.

Nach der Begegnung mit dem Papst traf Aoun auch mit Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin und mit dem vatikanischen „Außenminister“, Erzbischof Paul Gallagher, zusammen. Aoun wurde von seiner Ehefrau und einer großen Delegation begleitet, der u.a. auch der libanesische Außenminister Gebran Bassil angehörte. Bereits bei seiner Ankunft in Rom am Mittwoch hatte der libanesische Präsident die außerordentliche Bedeutung der Begegnung mit dem Papst unterstrichen – „im Licht der tief verankerten Beziehungen, die den Libanon in all seinen Komponenten mit der Kirche und dem Papsttum verbinden“. Die Christen des Orients müssten heute „in einer Region, die Wiege des Christentums und des Islam ist“, unter schwierigen Bedingungen leben, fügte Aoun hinzu. Aber die Begegnung mit dem Papst lasse diese Christen einen Schimmer der Hoffnung sehen, dass der Libanon immer „das stärkste Beispiel der Zukunft des Orients bleiben werde“. Der Besuch im Vatikan war die erste Europareise Aouns als Präsident – und seine zweite Auslandsreise nach dem Besuch in Saudiarabien.

Die Libanesen sind dankbar, dass sie nach zweieinhalb Jahren politischer Krise wieder einen Präsidenten haben, sagte der in Rom lebende libanesische Fundamentaltheologe und maronitische Ordensmann P. Charbel Bteich im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Präsident Aoun sei „ein Vorbild“, ein Symbol der möglichen Einheit im Libanon „dank seiner Verbindungen mit den verschiedenen Komponenten des Landes“. Aoun habe gute Kontakte sowohl zu Schiiten wie auch zu Sunniten, erklärt P. Bteich: „Sein erster Besuch in den arabischen Ländern war in Saudiarabien. So konnte er eine Brücke bauen zwischen Schiiten und Sunniten, weil er Freunde auf beiden Seiten hat. Hier sieht man die wichtige Rolle der Christen“.

Da das Zusammenleben in der Zedernrepublik im Großen und Ganzen funktioniert, sehen die Libanesen selbst ihr Land als gelebtes Beispiel für den Frieden in Vielfalt, unterstrich der maronitische Ordensmann. Auch die Päpste hätten diese Rolle gewürdigt. Der Libanon, „das ist nicht nur ein Land, sondern eine Botschaft“, habe seinerzeit Papst Johannes Paul II. erklärt. P. Bteich: „Es ist ein delikates Gleichgewicht, aber es hält. Die Position des Libanon ist die einer Brücke zwischen Orient und Okzident. Das macht aus dem Libanon einen Ort, wo alle hinkommen können und Sicherheit finden“. Freilich stelle die große Zahl von Flüchtlingen aus Syrien den kleinen Libanon vor ungeahnte Herausforderungen. Von Papst Franziskus würden sich die Libanesen erhoffen, dass er die Welt dazu drängt, die Brückenfunktion des Landes und dessen Schutzfunktion für die Christen im Nahen Osten anzuerkennen. (ende)