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Franz König

Pro Oriente

Papst ruft Melkiten zur Einheit auf

Papstschreiben an den neugewählten Patriarchen Yousef Absi nimmt auf die vergangenen Spannungen im griechisch-katholischen Patriarchat von Antiochien Bezug – Der neue Patriarch ist bisher nicht durch Stellungnahmen zu den politischen Vorgängen im Nahen Osten hervorgetreten

Vatikanstadt-Beirut, 23.06.17 (poi) Papst Franziskus hat dem neugewählten melkitischen griechisch-katholischen Patriarchen von Antiochien, Jerusalem und Alexandrien, Yousef Absi, die „ecclesiastica communio“ (die volle kirchliche Gemeinschaft) zugesichert. In seinem Brief an den Patriarchen geht der Papst einerseits auf die schwierige Situation aller Christen im Nahen Osten ein, die heute „in besonderer Weise“ für ihren Glauben an Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Erlöser, Zeugnis ablegen müssten. Andererseits nimmt er auf die „schwierige Situation“ der melkitischen Kirche Bezug, deren Hirten berufen seien, vor dem leidenden Gottesvolk „Gemeinschaft, Einheit, Nähe, Solidarität und Transparenz“ zu zeigen. Er sei sicher, so der Papst, dass der neue Patriarch „in brüderlicher Harmonie mit den anderen Mitgliedern des Heiligen Synods“ in der Weisheit des Evangeliums „Vater und Haupt“ im Dienst der Gläubigen der melkitischen Kirche und ein „authentischer Zeuge des Auferstandenen“ sein werde.

Im Mai hatte Papst Franziskus den Rücktritt des früheren Patriarchen Gregorios III. Laham angenommen, nachdem es im Heiligen Synod der melkitischen Kirche zu schweren Spannungen gekommen war. Ein Teil der Bischöfe hatte am Leitungsstil von Gregorios III. Anstoß genommen; auch seine politische Haltung, einschließlich der in der melkitischen Kirche seit dem späten 19. Jahrhundert fest verankerten betont arabisch-nationalen Ausrichtung, war nicht unumstritten.

Die Wahl von Erzbischof Yousef Absi zum Patriarchen erfolgte am Mittwoch, 21. Juni; der Synod war am 19. Juni in Ain Traz im Libanon, dem Sommersitz des melkitischen Patriarchen, zusammengetreten, 29 der 33 Wahlberechtigten nahmen teil. Yousef Absi wurde am 20. Juni 1946 in Damaskus geboren, 1973 wurde er zum Priester geweiht. Er studierte Philosophie und Theologie in Harissa. Absi gehört dem melkitischen Paulisten-Orden an, dem er einige Jahre als Generaloberer vorstand. Als akademischer Lehrer .- u.a. an der katholischen Universität Kaslik – war Absi ein ausgewiesener Fachmann im Bereich der liturgischen Musik und der Hymnographie, u.a. hat er einen Hymnus komponiert, der durch die große Sängerin Marie Keyrouz bekannt gemacht wurde. Im Jahr 2001 wurde er als Titularerzbischof von Tarsus an die Kurie des melkitischen Patriarchen in Damaskus berufen, ab 2006 war er auch Patriarchalvikar für Damaskus. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat Absi seit dem Beginn des Syrien-Krieges 2011 zu den politischen Vorgängen nicht öffentlich Stellung genommen. Als Teilnehmer der Weltbischofssynode über die Neuevangelisierung 2012 sprach sich Absi für einen sensiblen Umgang der Kirche mit den Muslimen aus. Muslime unterschieden nicht zwischen westlicher und christlicher Kultur, und der mit der Entchristlichung Europas einhergehende westliche Lebensstil verletze die religiösen Sensibilitäten von Muslimen und stehe damit einer Offenheit gegenüber Christen im Weg, erläuterte er.

Die melkitische Kirche ist eine der bedeutendsten katholischen Ostkirchen des byzantinischen Ritus (früher zumeist „unierte“, d.h. mit dem Papst in voller Gemeinschaft stehende, Kirchen benannt). Entstanden ist die Kirche 1724, als eine Strömung innerhalb des orthodoxen Patriarchats von Antiochien sich zur Aufnahme der Kirchengemeinschaft mit dem Papst entschloss. Seitens der osmanischen Behörden wurde diese Entscheidung nicht goutiert, es dauerte bis weit ins 19. Jahrhundert bis die Hohe Pforte das griechisch-katholische Patriarchat von Antiochien als eigenes „millet“ (ethnisch-religiöse Gemeinschaft mit bestimmten Rechten und Pflichten) anerkannte. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil war der damalige melkitische Patriarch Maximos IV. Saigh einer der einflussreichsten Konzilsväter. Er sah seine Kirche als eine „Brücke zwischen Rom und der Orthodoxie“.

Durch die Emigrationsbewegung, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts anhält, ist die melkitische Kirche heute eine Weltkirche mit rund zwei Millionen Gläubigen. Die Hälfte lebt im Nahen Osten, die andere Hälfte in Nord- und Südamerika sowie in Australien. (ende)