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Franz König

Pro Oriente

Serbischer Patriarch gedachte der Schlacht auf dem Amselfeld

Appell an die im Kosovo und in der Metochie lebenden Serben, ihre Heimat nicht zu verlassen

Belgrad-Pristina, 30.06.17 (poi) Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej hat am 28. Juni – dem Veitstag („Vidovdan“) – im Kloster Gracanica südöstlich von Pristina den üblichen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Schlacht auf dem Amselfeld im Jahr 1389 zelebriert. Der Bischof von Raska und Prizren, Teodosije (Sibalic), und der hercegovinische Altbischof Atanasije (Jevtic) waren sein Konzelebranten. Der Patriarch appellierte an die im Kosovo und in der Metochie lebenden Serben, ihre Heimat nicht zu verlassen und ihre Grundstücke nicht zu verkaufen, von denen jedes „vom Blut der Vorfahren getränkt“ sei. Wörtlich sagte Irinej I.: „Es sind nur wenige auf dieser serbischen Erde geblieben. Wir bewundern jene, die geblieben sind. Wir bewundern ihren Mut. Wir sind gekommen, um sie zu ermutigen, damit sie bleiben“. An dem Gottesdienst nahmen mit den serbischen Kosovaren zahlreiche orthodoxe Gläubige aus Serbien, Bosnien und Montenegro teil. Auch der Kronprätendent Aleksandar Karadjordjevic und seine Frau sowie der Leiter des Belgrader Kosovo-Büros, Marko Djuric, waren anwesend.

Nach der Göttlichen Liturgie begaben sich der Patriarch, die Bischöfe, der Klerus und das Volk zum „Gazimestan“-Gedenkmal auf dem Amselfeld. Dort feierte der Patriarch ein Requiem für die Kämpfer der historischen Schlacht von 1389. Danach betonte Aleksandar Karadjordjevic in einer Gedenkrede, dass der „Vidovdan“ ein Fest des Glaubens und der „Hoffnung auf eine bessere Zukunft“ ist. Am „Vidovan“ werde einer Niederlage gedacht, aber dieses Gedenken symbolisiere den Geist der serbischen Nation: „Je mehr wir auf unsere Geschichte stolz sind, umso mehr wird unsere Zukunft eine strahlende sein“.

Der „Gazimestan“ (der Name ist zusammengesetzt aus dem arabischen Begriff „ghazi“/Held und dem serbischen Begriff „mesto“/Ort) war die Stelle, wo der „Despot“ (Herr) Stefan Lazarevic eine Marmorsäule zum Gedenken an die Schlacht (bei der sowohl der osmanische Sultan Murad I. als auch Fürst Lazar Hrebeljanovic den Tod fanden) errichten ließ. Während der osmanischen Herrschaft wurde diese Säule zerstört (die Osmanen erinnerten noch nach der jungtürkischen Machtergreifung 1912 – knapp vor Ausbruch des Ersten Balkankriegs – mit einem großangelegten islamischen Festgottesdienst unter Teilnahme des Sultans und hunderter Imame auf dem Amselfeld an ihren „Sieg“ von 1389).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1924 zunächst ein Obelisk mit einem Kreuz errichtet. Die Inschrift lautete: „Zum Gedenken an die für das erhabene Kreuz, für die Freiheit und für die Rechte der Völker gefallenen Helden – 1389-1912 -die dankbaren Nachfahren, die Bürger und Soldaten der Stadt Pristina“. Der kroatische, aber jugoslawisch denkende Bildhauer Ivan Mestrovic entwarf Pläne für eine monumentale Gedenkstätte („Vidovdanski hram“), die aber nie realisiert wurden. Auch der bescheidene Obelisk von 1924 wurde nach der italienischen Annexion des Kosovo 1941 durch albanische Faschisten in die Luft gesprengt. 1953 – schon unter titokommunistischer Herrschaft – wurde auf Grund eines Entwurfs von Aleksandar Deroko (De Rocco) das heutige Denkmal errichtet, das einem mittelalterlichen Turm nachempfunden ist. (ende)