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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Ökumene braucht theologische Dialoge, Besuche, gemeinsames Gebet und Zusammenarbeit

Begegnung zwischen dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem neuen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti – Bischöfe der Region Umbrien besuchten die Stätten der frühen Christenheit im ionischen Raum

Perugia-Konstantinopel, 08.07.17 (poi) Es gibt keine Alternative zu den theologischen Dialogen, den gegenseitigen Besuchen, dem gemeinsamen Gebet und der Zusammenarbeit angesichts der großen Herausforderungen der Welt von heute für die Christenheit: Dies betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. bei einer Begegnung mit einer Delegation der Bischofskonferenz der italienischen Region Umbrien unter Leitung von Kardinal Gualtiero Bassetti (der seit kurzem auch Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz ist) in der St. Kyriaki-Kirche im Istanbuler Stadtteil Kontoskaliou. Die umbrischen Bischöfe hatten eine Pilgerfahrt zu den Stätten der frühen Christenheit in Ionien unternommen. Im Anschluss an die Begegnung in St. Kyriaki begleiteten die Bischöfe aus der mittelitalienischen Region den Patriarchen zum Balikli-Kloster, wo sich die Gräber der Ökumenischen Patriarchen befinden, um des 45. Todestages von Patriarch Athenagoras I. zu gedenken. Kardinal Bassetti erinnerte an die „großen Gestalten“ von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, die im 20.Jahrhundert „historische Hindernisse“ überwunden, den Weg der Versöhnung beschritten und in den Vordergrund gestellt hätten, dass es „die Liebe ist, die die Christen verbinden muss“. Wörtlich fügte der Kardinal hinzu: „In der Schule dieser großen Väter des Glaubens verpflichten wir uns, auf dem Weg des Dialogs der Liebe voranzuschreiten; wir beten innig darum, dass es uns an einem nicht zu fernen Tag gegeben sein wird, gemeinsam am Tisch des Herrn zu sein“.

Patriarch Bartholomaios I. hatte an seinen Besuch in Umbrien im September des Vorjahrs aus Anlass des Weltgebetstages für den Frieden erinnert. Die Christen könnten nicht schweigen angesichts der Ungerechtigkeiten der Welt, betonte der Ökumenische Patriarch und verwies vor allem auf die „ungeheure Tragödie der Migration“ der Menschen, die „vor einer egoistischen Wirtschaft fliehen“, die allzu viele Personen der „elementarsten Notwendigkeiten und der Würde beraubt, Abbilder Gottes zu sein“. Die Christen müssten das Problem der Aufnahme der Flüchtlinge gemeinsam bewältigen, das seinerseits in den Aufnahmeländern bisweilen Schwierigkeiten und Misstrauen auslöse. Kardinal Bassetti versicherte, dass die „Kirchen in Italien sich ständig dafür einsetzen, dass die Personen, die an die Tore Europas klopfen, eine würdige und sichere Aufnahme finden“. In herzlichen Worten dankte der Erzbischof von Perugia dem Ökumenischen Patriarchen auch für dessen Solidarität mit den vielen Menschen, die im Vorjahr von der Erdbebenserie in Mittelitalien betroffen waren.

In besonderer Weise gedachte Bartholomaios I. bei der Begegnung mit den umbrischen Bischöfen auch der Christen im Nahen Osten, die vor dem Krieg und der religiösen Verfolgung flüchten und gezwungen sind, „die Wiege des Christentums in den ersten Jahrhunderten zu verlassen und die sich so oft von ihren Brüdern und Schwestern in den sogenannten ‚christlichen Ländern‘ verlassen fühlen“. Dem Gebet für die verfolgten Christen des Nahen Ostens – und für die gesamtchristliche Einheit – war dann auch die Abschiedsbegegnung zwischen Bartholomaios I. und den umbrischen Bischöfen in der Georgskathedrale im Phanar gewidmet. Der Patriarch sagte dabei wörtlich: „Trotz der voranschreitenden Isolierung und dem Mangel an Gläubigen und Mitteln in der Stadt Konstantins ist das Ökumenische Patriarchat immer dem Glauben und der Hoffnung treu geblieben, indem es die Initiativen zur Förderung der gesamtchristlichen Einheit unterstützt hat und auf dem Weg der ökumenischen Bewegung vorangeschritten ist“:

In Istanbul hatten die umbrischen Bischöfe u.a. die Antoniuskirche an der Istiqlal Caddesi besucht, die bedeutendste katholische Kirche in der Bosporusmetropole. Täglich werden in der von den Minoriten betreuten Kirche zwei Heilige Messen gefeiert, eine auf italienisch, eine auf türkisch. Das in seiner heutigen Form 1906 erbaute Gotteshaus wird nicht nur von Katholiken besucht, sondern auch von Christen anderer Konfession, von Muslimen, Aleviten, Juden usw., auch von Agnostikern, die Beratung, Gebet und Segen suchen. Die Minoriten betreiben auch eine umfangreiche Armenhilfe.

Zuvor waren die umbrischen Bischöfe u.a. in Izmir (Smyrna) zu Gast. Die katholische Johanneskathedrale in der ionischen Hafenstadt ist mit Hilfe der Italienischen Bischofskonferenz restauriert worden. Auf Initiative der Italienischen Bischofskonferenz werden in den Nebengebäuden der Kathedrale derzeit 20 Flüchtlingsfamilien aus Syrien und dem Irak beherbergt.

Im Anschluss besuchten die Bischöfe auch die Umgebung des antiken Ephesos, vor allem Selcuk (früherer Name Hagios Theologos/Ayasoluk), wo sich die Ruinen der Johannes-Basilika befinden. Weitere Besuchsorte waren „Meryem Ana“ (das Haus Mariens) und die Ruinenstadt Hierapolis, wo der Archäologe Francesco D’Andria vor kurzem das Grab des Apostels Philippus entdeckt hat. (ende)