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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

50-Jahr-Gedenken des Besuchs von Paul VI. im Phanar

Der heutige Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. erinnerte in einem Essay für den „Osservatore Romano“ an das „goldene Jubiläum“ des ersten Besuchs eines römischen Papstes am Bosporus nach mehr als 1.000 Jahren des Gegeneinanders

Konstantinopel-Rom, 25.07.17 (poi) Vor 50 Jahren – am 25. Juli 1967 – besuchte Papst Paul VI. den Ökumenischen Patriarchen Athenagoras im Phanar in Istanbul. Es war der erste Besuch eines Papstes am Bosporus nach mehr als 1.000 Jahren des Gegeneinanders zwischen Rom und Konstantinopel. An dieses dramatische kirchliche Ereignis hat der heutige Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in einem Essay erinnert, der am 25. Juli auf der Titelseite der offiziösen vatikanischen Tageszeitung „L‘Osservatore Romano“ erschienen ist. Bartholomaios I. bezeichnete die Initiativen von Paul VI. und Athenagoras I. als „revolutionäre Meilensteine“, auch wenn sie in den Medien damals wie heute keinen großen Widerhall gefunden hätten.

Ein scheinbar kleiner Schritt habe sich als „gigantischer Schritt“ für die Kirche erwiesen, stellte der Ökumenische Patriarch fest. Sowohl Paul VI. als auch Athenagoras I. seien „große Visionäre“ gewesen. Gerade in einer Zeit, in der manche versuchten, „sich zu isolieren und andere auszuschließen“, sei das Handeln von Paul VI. und Athenagoras I. mit „einem Licht vergleichbar, das die ganze Welt erleuchtet“, so Bartholomaios I.

Der Essay des Patriarchen im „Osservatore Romano“ trägt den Titel „Unire cio‘ che e‘ diviso“ (Einen, was gespalten ist). Bartholomaios I. verweist darauf, dass es dem damaligen Papst und dem damaligen Ökumenischen Patriarchen darum gegangen sei, die Gemeinsamkeiten zu betonen statt sich auf die Unterschiede zu konzentrieren. Die Treffen der beiden Kirchenführer erinnerten an die „dauernde Kraft von Nächstenliebe und Dialog“.

Des „goldenen Jubiläums“ des Besuches von Paul VI. im Phanar war zuvor schon bei einer „Mariapoli“ der Fokolar-Bewegung gedacht worden; diese Begegnung fand in der orthodoxen Theologischen Hochschule auf der Insel Chalki im Marmara-Meer statt. Vor 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlicher Konfession, Nationalität und Sprache erinnerte Bartholomaios I. daran, dass die Begegnung zwischen Paul VI. und Athenagoras I. auch eine starke ökumenische Verbindung zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der Fokolar-Bewegung grundgelegt hatte. Diese Verbindung sei dann auch von Patriarch Demetrios weitergeführt worden. Und ihm persönlich sei es eine „besondere Freude“, dass er diese Tradition seit vielen Jahren fortsetzen konnte, betonte Bartholomaios I. Der Patriarch würdigte in herzlichen Worten die Arbeit der Fokolar-Bewegung in Weiterführung der Impulse der Gründerin Chiara Lubich. „Ihr dient der Menschheit mit dem selben reinen Herzen und der selben Liebe wie Chiara“, sagte Bartholomaios I. Der Patriarch dankte den „Focolarini“, weil sie in den Herzen der Menschen „den Samen des Friedens und der Nächstenliebe“ einpflanzen. (ende)