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Franz König

Pro Oriente

Syrisch-orthodoxer Patriarch zu Pastoralbesuch in Westeuropa eingetroffen

Vor wenigen Tagen war Mar Ignatius Aphrem II. in Sednaya mit dem syrischen Präsidenten Assad zusammengetroffen

Brüssel-Damaskus, 08.09.17 (poi) Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. ist am Donnerstag zu einem ersten Pastoralbesuch der Benelux-Länder und Frankreichs in Brüssel eingetroffen. Der Patriarch wird bei seiner Visite in den westeuropäischen Hauptstädten u.a. vom neugewählten Metropoliten für die Djazira (die syrische Ostprovinz zwischen Euphrat und Tigris), Mar Maurice Yacoub Amsih, begleitet. Die Djazira war viele Monate ein umkämpftes Gebiet zwischen Assad-Truppen, kurdischen Einheiten und islamistischen Milizen. Erste Station der Pastoralvisite des syrisch-orthodoxen Patriarchen war die Brüsseler Stadtrandgemeinde Asse, wo ein Abendgebet und ein syrisches Chorkonzert stattfanden. In Belgien, Luxemburg und Frankreich ist die syrisch-orthodoxe Kirche durch die Migrationsbewegung aus dem Nahen Osten heute stark präsent.

Wenige Tage zuvor hatte der Patriarch in Sednaya den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, seine Frau Asma und weitere Familienmitglieder zu einem privaten Besuch in dem im Bau befindlichen syrisch-orthodoxen Heiligenkreuz-Kloster empfangen. Assad und seine Frau besuchten auch das syrisch-orthodoxe Waisenhaus „Haus des kleinen Engels“, wo sie mit den Kindern das Mittagessen einnahmen. Der syrisch-orthodoxe Patriarch informierte den Präsidenten dort über die Sozial- und Infrastrukturprojekte seiner Kirche im Gebiet der antiken Abilene, wo Sednaya liegt. Sednaya (nicht zu verwechseln mit Maarat Sednaya, einem wesentlich kleineren Städtchen, wo sich die Residenz des syrisch-orthodoxen Patriarchen und das Priesterseminar seiner Kirche befinden) spielte im Propagandakrieg der letzten Monate und Jahre eine besondere Rolle, weil dort ein großes Militärgefängnis steht, in dem angeblich mehr als 12.000 Gefangene schmachten. Für die Christen des Nahen Ostens hat Sednaya – wo immer noch die Sprache Jesu, das Aramäische, gesprochen wird - allerdings eine wesentlich andere Bedeutung, die in der westlichen Berichterstattung nicht beachtet wurde: Es gibt dort ein griechisch-orthodoxes Frauenkloster, in dem auch heute zahllose Christen und Muslimen eine Marienikone verehren, die dem Evangelisten Lukas zugeschrieben wird. Das Kloster geht auf den römischen Kaiser Justinian zurück, über viele Jahrhunderte galt es als der bedeutendste Wallfahrtsort der Christenheit nach Jerusalem. Auch heute wird alljährlich am 8. September (Mariä Geburt) das Fest „Unserer Lieben Frau von Sednaya“ gefeiert. Während des Syrien-Krieges ab 2011 versuchten islamistische Milizen immer wieder, sich Sednayas zu bemächtigen, wurden aber zurückgeschlagen.

Die vatikanische Nachrichtenagentur „Fides“ zitierte am Freitag den syrisch-katholischen Erzbischof Jacques Behnan Hindo mit der Feststellung, dass in der Djazira die kurdischen Autonomiebestrebungen nachgelassen haben. Hochrangige russische Offiziere hätten im Gespräch mit führenden Funktionären der kurdischen PYD in Hassake klargemacht, dass es keine Aufteilung Syriens und keine einseitige Proklamierung eines unabhängigen kurdischen Gebiets „Rojava“ geben könne, so der Erzbischof. Von russischer Seite sei auch betont worden, dass darüber „mit den US-amerikanischen Partnern“ Übereinstimmung herrsche. Bei einigen kurdischen Gruppen gebe es daher jetzt tiefe Enttäuschung, weil man sich von den Kräften verraten fühle, auf deren Unterstützung man gesetzt habe.

Mitte August hatte Patriarch Mar Ignatius Aphrem II. aus Anlass der Amtseinführung von Mar Maurice Yacoub Amsih die Djazira besucht. Dabei hatte der Patriarch auch einige Akzente gesetzt, die klar machen sollten, dass die syrisch-orthodoxe Kirche in der syrischen Ostprovinz präsent bleiben will. U.a. segnete der Patriarch eine kircheneigene Werkstätte zur Produktion von Taschen und Verpackungsmaterial sowie den regionalen Sitz des St. Ephrem-Komitees für Entwicklungsfragen. Außerdem eröffnete er in Kamischlie das Festival für syrischen Chorgesang als Beitrag zur Bewahrung der syrisch-orthodoxen kulturellen Tradition.

Die kulturellen Aktivitäten seien ein Beweis, dass die syrisch-orthodoxe Gemeinde „leben will und sich weigert, zu sterben und zu verschwinden“, sagte der Patriarch. Bei seinen Auftritten in der Djazira wiederholte Mar Ignatius Aphrem II. seine Warnung vor der Auswanderungsbewegung: Die christlichen Gläubigen würden veranlasst, auf der Suche nach einem besseren Leben die angestammte Heimat zu verlassen, aber in den Einwanderungsländern würden sie nur mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert. Zudem würden sie aus dem „Land der Vorväter“ entwurzelt. (ende)