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Franz König

Pro Oriente

Amtseinführung des neuen orthodoxen Metropoliten von Sarajevo

Serbisch-orthodoxe Kirche möchte in der bosnischen Hauptstadt wieder stärker präsent sein

Sarajevo, 03.09.17 (poi) Der neue serbisch-orthodoxe Metropolit von Dabar-Bosna, Hrizostom (Jevic), wurde am Sonntag in der orthodoxen Marienkathedrale in Sarajevo feierlich in sein Amt eingeführt. Patriarch Irinej war der Hauptzelebrant der Göttlichen Liturgie. Zahlreiche serbische Bischöfe (auch aus der Diaspora) konzelebrierten, ebenso war der Metropolit von Mytilene, Jakovos (Frantsis), unter den Konzelebranten. Die Wahlurkunde wurde von Metropolit Porfirije (Peric) von Zagreb verlesen. Der aus Bosanski Petrovac stammende 65-jährige Metropolit Hrizostom war zunächst Bischof von Bihac und Petrovac, dann ab 2013 Bischof von Zvornik und Tuzla.

An dem Gottesdienst nahmen mit den orthodoxen Gläubigen auch viele Spitzenpersönlichkeiten des öffentlichen und kirchlichen Lebens Bosniens teil, so Kardinal Vinko Puljic für die katholische Kirche, der Mufti von Mostar für den muslimischen Reis-ul-ulema, Valentin Inzko als Hoher Repräsentant der EU, Mirko Sarovic als Vizepräsident des bosnisch-hercegovinischen Ministerrats und weitere Politiker.

Mit der Amtseinführung von Metropolit Hrizostom hat die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Absicht deutlich gemacht, in Sarajevo wieder stark präsent zu sein; von 2015 bis 2017 hatte es nur einen Administrator gegeben, zuvor war die Zeit von Metropolit Nikolaj (Mrdja; 1992–2015) vom Bürgerkrieg überschattet gewesen.

Die serbisch-orthodoxe Eparchie Dabar-Bosna wurde im Jahr 1219 vom Heiligen Sava begründet. Sitz des Bischofs war zunächst das Kloster Banja unweit von Priboj. Nach der Wiederherstellung des serbischen Patriarchats unter osmanischer Oberhoheit im Jahr 1557 wurde die Eparchie Dabar-Bosna zur Metropolie erhoben. Das blieb sie auch, als 1766 das Patriarchat wieder aufgehoben und alle orthodoxen Eparchien im osmanischen Gebiet dem Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel unterstellt wurden. Das blieb auch so, nachdem die Österreicher und Ungarn Bosnien 1878 besetzt hatten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden alle orthodoxen Eparchien im neuen Belgrader Staat – und damit auch Dabar-Bosna - in die serbisch-orthodoxe Kirche integriert.

Als es durch den Hatt-i-Humayun (kaiserliches Reform-Edikt) von 1856 möglich wurde, im Osmanischen Reich repräsentative Kirchen zu errichten, begann man auch in Sarajevo ab 1863, im Stadtzentrum eine orthodoxe Kathedrale (mit dem Patrozinium Mariä Geburt) zu errichten. Der osmanische Sultan Abdulaziz und der serbische Fürst Mihajlo Obrenovic spendeten für den Bau, ebenso viele orthodoxe Bürger Sarajevos und orthodoxe Bauern aus den umliegenden Dörfern. Die Kathedrale ist eine dreischiffige Basilika mit den für orthodoxe Kirchengebäude typischen fünf Kuppeln auf dem Dach, die für Christus und die vier Evangelisten stehen. Der Grundriss bildet ein langgestrecktes griechisches Kreuz. Die Kathedrale wurde aus Stein gebaut, das Dach mit Blei gedeckt.

Im 20. Jahrhundert wurde die Kathedrale mehrfach schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nur einen Tag nach dem Attentat auf den Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand (29. Juni 1914) war die Kathedrale (ebenso wie das Palais des Metropoliten) Ziel von antiserbischen Demonstrationen. Während des Ersten Weltkriegs musste das Bleidach abgeliefert werden.

Wenige Tage nach dem Überfall der deutschen, italienischen, ungarischen und bulgarischen Truppen auf Jugoslawien wurde Sarajevo am 16. April 1941 von Einheiten der deutschen Wehrmacht und Ustasa-Milizionären besetzt. Die Milizionäre drangen am 12. Mai in das Metropolitanpalais ein und verschleppten Metropolit Petar (Zimonjic); bis heute ist ungeklärt, in welchem Konzentrationslager der kroatischen Faschisten er ermordet wurde. Die orthodoxe Kathedrale wurde schwer beschädigt, die Ustasi untersagten den orthodoxen Gottesdienst und verhafteten zahlreiche Priester, von denen die meisten ermordet wurden. Die Tito-Kommunisten beschlagnahmten ab 1945 mehrere Gebäude der Metropolie. Während des bosnischen Bürgerkriegs ab 1992 wurde die Kathedrale neuerlich schwer in Mitleidenschaft gezogen, Gottesdienste fanden von 1992 bis 1996 nicht statt. Das Metropolitanpalais wurde 1992 bombardiert und ausgeraubt. Im selben Jahr brannte ein Teil des Gebäudes nieder, darunter die historisch wertvolle Bibliothek und das historische Archiv.

Während des Bürgerkriegs flohen mehr als 150.000 orthodoxe Serben aus Sarajevo in die Gebiete unter serbischer Kontrolle. Bei der Volkszählung von 1991 hatte man in Sarajevo 158.000 Serben gezählt, sie stellten mehr als 30 Prozent der Bevölkerung des Großraums Sarajevo. Nach dem Dayton-Abkommen verblieben einige Stadtteile im Bereich der Republika Srpska; außerdem entstand in diesem Bereich die Neustadt Ostsarajevo, wohin viele Orthodoxe aus ihren vorübergehenden Aufenthaltsorten gezogen sind. (ende)