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Franz König

Pro Oriente

Wien: Großveranstaltung für Religionsfreiheit am 12. Dezember

Aufruf der Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“: Fackelzug durch die Kärntner Straße, ökumenischer Gottesdienst im Stephansdom – Wachsende Verfolgung von Christen betrifft weltweit mehr als 200 Millionen Menschen – Besorgniserregender Exodus der Christen aus den Ländern der Bibel

Wien, 30.11.17 (poi) Eine Großveranstaltung für die Religionsfreiheit („Stopp Christenverfolgung“) findet am Dienstag, 12. Dezember, in Wien statt. Christen aller Konfessionen wie auch „Menschen guten Willens“ werden beim Fackelzug der Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“ erwartet, der um 17 Uhr bei der Staatsoper beginnt. Von dort ziehen die Teilnehmenden durch die Kärntner Straße zum Stephansdom, wo ein ökumenischer Wortgottesdienst mit bewegenden Zeugnissen stattfinden wird. Der 12. Dezember ist im Hinblick auf den Jahrestag der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (10. Dezember; 2018 steht das 70-Jahr-Jubiläum bevor) gewählt; die Religionsfreiheit gilt als ein grundlegendes Menschenrecht, ja als „Mutter der Menschenrechte“. Im Folder zum „Aktionstag für verfolgte Christen“ wird zum Mitgehen eingeladen, weil seit vielen Jahren im Nahen Osten, in verschiedenen afrikanischen Staaten, in Afghanistan und Pakistan „radikaler Terror gegen Christen ausgeübt wird, die IS-Terroristen nach wie vor schuldlose Frauen, Kinder und Männer brutal ermorden, tausende Menschen weltweit „gefangengenommen, vertrieben oder getötet werden, nur weil sie Christen sind“ und das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in mehr als 50 Ländern mit Füßen getreten wird. Es gehe darum, jetzt mitzumachen, damit Entführungen und Vergewaltigungen christlicher Mädchen in bestimmten Staaten ein Ende finden, das Niederbrennen von Kirchen beendet wird, christliche Flüchtlinge und Konvertiten in Europa ausreichend geschützt werden, die vertriebenen Christen eine Chance auf Rückkehr in ihre Heimat haben und Europa „ein freies Europa bleibt, in dem alle Religionen in Frieden leben können“.

Der Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“ gehören mehr als 20 christliche Organisationen an; die Plattform ruft heuer bereits zum zehnten Mal zur Solidarität mit den verfolgten Christen in aller Welt auf: „Wir möchten die Öffentlichkeit über das Unrecht informieren und uns mit den weltweit verfolgten und diskriminierten Christen solidarisch zeigen“. In einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung der Plattform heißt es unter dem Titel „Wachsende Verfolgung von Christen betrifft weltweit mehr als 200 Millionen Menschen“ wörtlich: „Nach neuesten Studien hat die Verfolgung von Christen aus Glaubensgründen weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Christen werden weltweit stärker diskriminiert, bedroht und verfolgt als jede andere Glaubensgruppe. ‚Open Doors‘ erhebt jährlich die Zahl der verfolgten Christen in einem ‚Weltverfolgungsindex‘, der 50 Staaten umfasst, in denen rund 650 Millionen Christen leben (https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex). Dazu Kurt Igler, ‚Open Doors‘ Österreich: ‚Die Verfolgung von Christen hat in den letzten zehn Jahren weltweit signifikant zugenommen. Hauptur¬sachen sind die Radikalisierung der muslimischen Bevölkerung in zahlreichen Ländern, aber auch der zunehmende religiöse Nationalismus in Staaten wie Indien. Auf Basis von exakterem Datenmaterial können wir die Zahl der Christen, die starke religiöse Verfolgung erleiden, in den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex recht genau auf etwa 215 Millionen beziffern‘.

Besorgniserregend ist der Exodus der christlichen Minderheiten aus den Ländern der Bibel. Bei dem durch den IS, aber auch andere militante islamistische Gruppen im Nahen Osten betriebenen Völkermord waren und sind Christen überproportional stark betroffen. Im Irak sind mehr als die Hälfte der christlichen Bevölkerung Binnenflüchtlinge, und in Aleppo (Syrien), bis 2011 die Heimat der größten christlichen Gemeinschaft des Landes, sank ihre Zahl bis zum Frühling 2017 von rund 150.000 auf nur mehr knapp 35.000. ‚Obwohl Regierungen und internationale Organisationen erklärten, dass ein Genozid stattgefunden hat, fühlen sich führende Vertreter der Ortskirchen im Nahen Osten von der internationalen Gemeinschaft vergessen. Die Bedürfnisse der vertriebenen Christen werden nicht ausreichend gesehen‘, berichtet Herbert Rechberger von ‚Kirche in Not‘(http://www.christenverfolgung.org).

Aber auch in Afrika ist Extremismus ein zunehmendes Problem – vor allem in Nigeria, wo die IS-nahe ‚Boko Haram‘ 1,8 Millionen Menschen vertrieben hat. Allein in der Diözese Kafanchan wurden in fünf Jahren 988 Menschen getötet, 71 Dörfer und 20 Kirchen der christlichen Mehrheit zerstört.

Die Plattform möchte aber auch ihre Besorgnis über Entwicklungen in Europa zum Ausdruck bringen. Der Begriff ‚Christenverfolgung‘ trifft hier zwar nicht zu. Aber auch in europäischen Ländern gibt es, in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, viele Fälle von Diskriminierung und zunehmend auch rechtlichen Einschränkungen für praktizierende Christen. Zu diesen Formen der Intoleranz gegen Christen zählt besonders die Einschränkung ihrer Meinungs- und Gewissensfreiheit durch Entlassungen, Klagen und sogar Inhaftierungen, zB. nach Patientengesprächen oder angeblichen ‚Hass-Predigten‘. Mehrere Märsche für den umfassenden Schutz des menschlichen Lebens wurden untersagt oder gestört und christliche Studentengruppen vom Universitätscampus verbannt.

Relativ neu ist das Phänomen der Diskriminierung von christlichen Flüchtlingen. 2016 hat ‚Open Doors‘ eine Umfrage unter christlichen Flüchtlingen in Deutschland durchgeführt. 83 Prozent von ihnen berichteten von mehrfachen Übergriffen, 42 Prozent sogar von Todesdrohungen und 56 Prozent von gewalttätigen Angriffen. Tragischerweise wurden 91 Prozent dieser Angriffe von muslimischen Mit-Flüchtlingen begangen. Ellen Fantini vom Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen: „Es ist inakzeptabel, dass die meisten der Christen in Flüchtlingsunterkünften vor einem Genozid geflohen sind, dass ihnen aber Diskriminierung, Missbrauch und Gewalt nach Europa gefolgt sind‘.“ (http://www.intoleranceagainstchristians.eu).

(Kontakte: „OpenDoors“, Kurt Igler, Tel.: 0699/174 756 66, E-Mail: kurti@opendoors.at; „Kirche in Not“, Herbert Rechberger, Tel.: 01/405 25 53, E-Mail: kin@kircheinnot.at; Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen, Martin Kugler, Tel.: 0699/101 02 208, E-Mail: observatory@intoleranceagainstchristians.eu) (ende)