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Franz König

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Mazedonischer „Namensstreit“: Kirche von Griechenland greift ein

Erzbischof von Athen betont in Brief an Ministerpräsident Tsipras, dass in einem Abkommen über die Benennung des Staates von Skopje auch festgelegt werden muss, dass im Namen der schismatischen Kirche der Region weder der Begriff Mazedonien noch abgeleitete Formulierungen vorkommen dürfen

Athen, 15.01.18 (poi) Seine tiefe Sorge über allgemeinpolitische Auswirkungen der kirchenpolitischen Manöver im Zusammenhang mit der von der Weltorthodoxie nicht anerkannten orthodoxen Kirche von Skopje auf den mazedonischen „Namensstreit“ hat das Oberhaupt der Kirche von Griechenland, Erzbischof Hieronymos (Liapis), in seinem Neujahrsbrief an den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zum Ausdruck gebracht. Wörtlich stellte Erzbischof Hieronymos fest: „Die intensive diplomatische Aktivität der letzten Tage um die Frage der Benennung des Staates von Skopje ist uns nicht entgangen. Diese Aktivität ist parallel zu den jüngsten kirchenpolitischen Vorgängen um die Frage der selbstproklamierten und schismatischen ‚Kirche von Mazedonien‘ zu sehen“. Die orthodoxe Kirche von Griechenland müsse darauf aufmerksam machen, dass es auf der Balkanhalbinsel immer schon die Taktik gegeben habe, einen (kanonischen oder schismatischen) kirchlichen Organismus für allgemeinpolitische Zwecke zu gebrauchen. So habe der einstige jugoslawische Präsident, „der Kroate Josip Broz Tito“, in den Jahren 1958 bis 1967 parallel zur Schaffung der Republik von Skopje die kirchliche Abspaltung der Region vom serbisch-orthodoxen Patriarchat „provoziert und ermutigt“. Die schismatische Kirche habe dann den selben Namen erhalten wie die „Sozialistische Republik Mazedonien“.

Die Kirche von Griechenland wolle sich nicht in die Außenpolitik der Athener Regierung einmischen, betonte Erzbischof Hieronymos in seinem Brief. Aber sie könne das „jahrhundertealte Zeugnis des Wortes und des Blutes des Klerus und des Volkes für den hellenischen Charakter Mazedoniens“ nicht beiseiteschieben. Dieses Zeugnis erlaube es nicht, den Gebrauch des Namens „Mazedonien“ durch nichtgriechische Gruppierungen zu akzeptieren. Daher habe der Heilige Synod der Kirche von Griechenland am 9. Jänner beschlossen, auf die Gefahr aufmerksam zu machen, dass der Namensstreit um die Benennung des Staates von Skopje auf die kirchliche Ebene verlagert und mit Hilfe der Bezeichnung der schismatischen Kirche der Region ein „besonderer Irredentismus“ genährt wird. Wenn es zu einem Abkommen über die Benennung des Staates von Skopje kommen sollte, müsse auch festgelegt werden, dass im Namen der schismatischen Kirche weder der Begriff Mazedonien noch abgeleitete Formulierungen vorkommen dürfen. (ende)

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