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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Kirche von Zypern

  • Gläubigeca. 600.000
  • SitzNikosia (Zypern)
  • Diözesen10, ausschließlich auf Zypern
  • Statusautokephal
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheGriechisch
  • Kalendermeletianisch
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Neo Justiniana und ganz Zypern
  • e-mailoffice@churchofcyprus.org.cy

Zypern - Panhagia-Angeloktistos-KircheDie Kirche von Zypern ist stolz darauf, dass ihre Gründung bereits in der Bibel Erwähnung findet, nämlich in Apg 13,4–13; in dieser Perikope wird geschildert, wie Paulus und Barnabas nach Zypern kommen und das Evangelium verkündigen. Barnabas, ein gebürtiger Zypriot, wird der Tradition nach im Jahr 45 erster Bischof der Insel; dieses Amt bekleidet er bis zu seinem Tod durch Steinigung im Jahr 61 unter Kaiser Nero in Salamis.

Weitere Informationen über Kirche von Zypern

Bis zum dritten Ökumenischen Konzil in Ephesus (431) war Zypern Teil des Gebiets des Patriarchats von Antiochien, doch das genannte Konzil gewährte der Zypriotischen Kirche die Autokephalie, was bedeutet, dass die Synode der Bischöfe der Insel ihren Erzbischof bereits seit dem 5. Jahrhundert selbständig, ohne Einflussnahme der anderen Kirchen, wählt. Wenn die Zypriotische Orthodoxe Kirche auch immer eine zahlenmäßig kleine Kirche war und ist, so kommt ihr aufgrund ihres hohen Alters doch eine besondere Ehrenstellung zu: So erklärt sich, dass sie in der Rangfolge der Orthodoxen Kirchen gleich an erster Stelle nach den Kirchen mit Patriarchatsstatus geführt wird.

Ab der Mitte des 7. Jahrhunderts wurde die Mittelmeerinsel immer wieder von arabischen Truppen okkupiert, so dass sich Kaiser Justinian II. genötigt sah, der christlichen Bevölkerung Zyperns einen Zufluchtsort auf den Dardanellen zu schaffen: Es wurde dort eine neue Stadt mit dem Namen Nea Justiniana gegründet, in der auch der Erzbischof von Zypern eine Zeit lang seine Residenz bezog. Seit dieser Zeit bis heute trägt das Oberhaupt der Zypriotischen Orthodoxen Kirche den Titel „Erzbischof von Nea Justiniana und ganz Zypern“, auch wenn er heute in Nikosia, der Hauptstadt des Inselstaates, residiert.

Im 10. Jahrhundert eroberte der Oströmische Kaiser Nikephoros I. Phokas die Insel wieder zurück, worauf eine Blüte des kirchlichen Lebens einsetzte: Zahlreiche Kirchen und Klöster wurden wiedererrichtet und neu gegründet. 1191 annektierte Richard Löwenherz die Insel, die danach für mehrere Jahrhunderte unter lateinischer Herrschaft stand, zuletzt als venezianische Kolonie (1489–1571). In dieser Zeit wurde die Insel stark latinisiert: Die Bischöfe wurden dem lateinischen Erzbischof von Zypern unterstellt und viele Bischofsstühle wurden mit lateinischen Bischöfen besetzt. Auch nicht wenige Klöster und sonstiger Kirchenbesitz kamen unter lateinische Verwaltung.

Eine Wende für die orthodoxen Christen des Landes bedeutete die über 300-jährige osmanische Herrschaft (1571–1878) auf der Insel: Die lateinische Hierarchie wurde des Landes verwiesen und die orthodoxen Bischöfe wieder als geistliche – und auch zivile – Repräsentanten des zyprischen Volkes eingesetzt und anerkannt. Die orthodoxen Christen wurden von der osmanischen Regierung im Allgemeinen sehr tolerant behandelt.

Nach dem russisch-türkischen Krieg und dem daraus resultierenden Berliner Kongress wurde die Insel 1878 den Briten gegen einen jährlichen Tribut überlassen, 1914 von ihnen einseitig annektiert bis sie schließlich 1925 britische Kronkolonie wurde. Die britische Vorherrschaft endete schließlich 1959 mit der Unabgängigkeit Zyperns. 1974 wurde der Nordteil Zyperns von türkischen Truppen besetzt. Zahlreiche Kirchen und Klöster im Norden des Landes wurden im Zuge dieser Invasion zerstört, und das kirchliche Leben gestaltet sich bis heute nicht einfach in diesem Landesteil. Immer wieder kommt es zu massiven Behinderungen bei Instandsetzungsmaßnahmen von Kirchengebäuden im Nordteil der Insel und zu Einreiseverweigerungen für Bischöfe und andere offizielle Vertreter der Zypriotischen Orthodoxen Kirche aus dem Südteil des Inselstaats.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Zypriotische Orthodoxe Kirche eine zentrale Rolle bei den politischen Entwicklungen des Landes im 20. Jahrhundert spielte: Das Oberhaupt der Zypriotischen Kirche, Erzbischof Makarios III. (1950–77) setzte nicht nur im sorgfältig ausgehandelten Dreimächtevertrag zwischen Griechenland, Großbritannien und der Türkei (1959) die entscheidenden Schritte in die Unabhängigkeit durch, sondern wurde auch im selben Jahr zum ersten Präsidenten der neu gegründeten „Republik Zypern“ gewählt. Er übte dieses Amt unter Beibehaltung seiner geistlichen Ämter bis zum seinem Tod 1977 aus. Auf seine Initiative hin kam es 1973 zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Zypern und dem Heiligen Stuhl. Auch sonst zeichnete sich Makarios III. durch sein starkes ökumenisches Bemühen aus: Er nahm an den Begegnungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras und Papst Paul VI. teil und erkannte zusammen mit dem Ökumenischen Patriarchen die Aufhebung des Bannes von 1054 offiziell an. Schon seit 1948 ist die Kirche Zyperns Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Die Zypriotische Orthodoxe Kirche ist bis heute die Mehrheitskirche des Inselstaates. Sie ist stark von der griechischen Sprache und Kultur geprägt und unterhält traditionell enge Beziehungen zu der Orthodoxen Kirche von Griechenland. In jüngster Zeit ist sie nicht nur in der innerchristlichen Ökumene engagiert, sondern ihr kommt auch zunehmend eine Vorreiterrolle innerhalb der Orthodoxen Kirche im interreligiösen Gespräch zu, hier vor allem im Dialog mit dem Judentum.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB