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Franz König

Pro Oriente

Serbien: Erzbischof sieht mehr Konflikte als Dialog der Kirchen

Hocevar bei Symposion über Religionsfreiheit: Serbien muss zum Dialogort zwischen West und Ost werden.

Salzburg, 09.06.2011 (KAP) Im allseitigen Bemühen um den ökumenischen Dialog hat nun der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar, der serbisch-orthodoxen Kirche die Rute ins Fenster gestellt: Ost- und Westkirche verfügten weder über eine vergleichbar ausgeprägte Soziallehre, noch über ein ähnliches Kirchenverständnis, auch würde gerade am Beispiel der serbischen Orthodoxie deutlich werden, dass es kein nüchternes Staat-Kirche-Verhältnis in Serbien gebe und damit letztlich keinen ökumenischen Dialog auf Augenhöhe. Dies unterstrich Hocevar bei einem gemeinsam von PRO ORIENTE und der Universität Salzburg veranstalteten Symposion zu Ehren des 80. Geburtstags des Kirchenhistorikers Prof. Gerhard Winkler am Mittwoch. Die Tagung in Salzburg trug den Titel "Religionsfreiheit nach der konstantinischen Wende?"

Zweifellos komme der serbischen Orthodoxie und damit dem Christentum heute eine große Bedeutung für den gesamten Balkan zu. Dies werde nicht zuletzt in der überragenden großen Sava-Kathedrale in Belgrad sichtbar. Dennoch sei Serbien heute ein moderner Staat mit einer ebenso modernen Gesetzgebung, die auch den religiösen Minderheiten Rechte einräumen müsse. Serbien sei zu einem Staat der vielen Nationalitäten und damit auch der konfessionellen Buntheit geworden. "Diese neue Wirklichkeit der vielen Minderheiten wurde bisher nicht zur Gänze und organisch durchdacht" - um so wichtiger wäre es laut Hocevar, die Feierlichkeiten rund um das 1.700-Jahr-Jubiläum des Edikts von Mailand im Jahr 2013 zum Anlass einer "neuen Begegnung zwischen Ost und West" zu nehmen.

Doch auch in der serbischen Öffentlichkeit gebe es einen Mangel an Dialogbereitschaft. Die Intellektuellen würden weitgehend schweigen, "authentische Tischrunden" im Sinne eines runden Tisches mit Vertretern aller gesellschaftlichen Gruppen "gibt es praktisch nicht". Dieses Gesamtszenario bringe letztlich "auch den Prozess der 'Europäisation' Serbiens in Gefahr", warnte Hocevar. Lernbereit müsse jedoch auch der Westen sein, insofern er sich von Vorurteilen im Blick auf Serbien frei machen und in die "kulturell verflochtenen Fragen" der serbischen Identität hineindenken müsse.

Grüße vom Papst für P. Gerhard Winkler

Die Laudatio für den emeritierten Kirchenhistoriker P. Gerhard Winkler, der von 1983 bis 1999 an der Universität Salzburg lehrte, hielt der "Namensvetter" und jetzige Salzburger Kirchenhistoriker, Prof. Dietmar Winkler. Darin übermittelte er dem Jubilar vor allem die Grüße von Papst Benedikt XVI. die dieser bei einer Audienz im Jänner dieses Jahres Prof. Dietmar Winkler mit den Worten "Ah, Sie sind Kirchenhistoriker in Salzburg, gibt's da nicht auch noch den anderen Winkler, P. Gerhard?" mit auf den Weg gegeben hatte.

Ausführlich würdigte Winkler schließlich das wissenschaftliche Lebenswerk P. Winklers, der u. a. als Herausgeber die zehnbändige lateinisch-deutsche Gesamtausgabe der Werke Bernhards von Clairveaux verantwortete.

Geboren wurde P. Winkler am 24. April 1931 in Wilhering. 1951 trat er in das Stift Wilhering ein, studierte in Folge Theologie, Anglistik und Germanistik. 1955 wurde er zum Priester geweiht, 1956 promovierte er im Fach Theologie. Es folgte ein Forschungsaufenthalt an der Notre Dame University Indiana/USA, 1960 promovierte er im Fach Philosophie. Bis 1969 trat er dann in den Schuldienst und in die Pfarrseelsorge in Wilhering.

1972 habilitierte sich Winkler an der Ruhr-Universität Bochum, 1974 wird er Ordinarius für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Regensburg, wo er über einen Zeitraum von drei Jahren parallel mit Joseph Ratzinger lehrte. 1983 holte ihn die Paris-Lodron-Universität nach Salzburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1999 lehrte.

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