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Die Einheit der
Christen ist zugleich Zeichen
und Werkzeug für die
Einheit der ...

Dekret "Unitatis Redintegratio"

Pro Oriente

Auftrag und Perspektiven

Auftrag

Gemäß §3 der Stiftungssatzung hat PRO ORIENTE die Aufgabe, "die ökumenischen Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, sowie den orientalisch-orthodoxen Kirchen zu pflegen und zu fördern, die ökumenische Gesinnung unter den Christen zu vertiefen und ökumenische Initiativen zu unterstützen" (aus dem Stiftungsbrief)

Die Stiftung arbeitet auf wissenschaftlicher und kirchlich-inoffizieller Ebene. Dennoch fließen die Ergebnisse ihrer Tätigkeit in die offiziellen Dialoge der katholischen Kirche mit den Kirchen der Orthodoxie und den orientalisch-orthodoxen Kirchen ein oder dienen der Vorbereitungen von Entscheidungen der Kirchen.

Maßnahmen zur Erreichung des Stiftungszweckes sind insbesondere Forschungsprojekte und wissenschaftliche Veranstaltungen im In- und Ausland, wechselseitige Besuche von hohen kirchlichen Würdenträgern und Wissenschaftlern, die Herausgabe von Publikationen, die Vergabe und Vermittlung von Stipendien.

Eine von PRO ORIENTE bevorzugte Methode ihrer Arbeit ist die Errichtung von Plattformen, auf denen sich Vertreter und Fachleute der verschiedenen Kirchen begegnen können.

PRO ORIENTE hegt hohe Wertschätzung gegenüber den reichen geistlichen und liturgischen Erbe der Kirchen des Ostens und bemüht sich daher, dieses hierzulande besser bekannt zu machen und dies geschieht durch öffentliche Vorträge, Symposien und kulturelle Veranstaltungen wie z.B. Ausstellungen.

Kooperationen
Die Stiftung kooperiert in den letzten Jahren zunehmend mit Universitäten und ökumenischen Forschungseinrichtungen des In- und Auslandes, mit Bundesministerien, wie z.B. dem Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, und anderen Institutionen. Die Stiftung genießt Beobachterstatus im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich.

"Als Christen…können wir nicht nur mit einer Lunge atmen; wir brauchen zwei Lungen, die westliche und die östliche" (Papst Johannes Paul II.)

Perspektiven

PRO ORIENTE ist ein Kind des Zweiten Vatikanischen Konzils und bleibt dessen richtungsweisenden Aussagen zur Ökumene auch in Zukunft verpflichtet. Obwohl die ökumenische Euphorie der 70er Jahre nun der Vergangenheit angehört, besteht kein Anlass zur Resignation. Johannes Paul II. sprach von einer Übergangsphase, in der wir „einer neuen ökumenischen Zeit gewahr werden“.

Vor allem im Dialog mit der Orthodoxie geht es heute, mit Ausnahme der Primatsfrage, kaum mehr um konvers-theologische Fragen, sondern um außertheologische Faktoren: die Verschiedenheit der politischen, historischen oder gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungen, Missverständnisse oder ganz einfach menschliche Schwächen sind heute vorrangig Hindernisse, die der angestrebten Einheit im Wege stehen.

Ökumene als Auftrag für alle Gläubigen
Das Ziel aller ökumenischen Bemühungen ist eine „vollkommenere Gemeinschaft“ gemäß dem Gebet Jesu: „Vater gib, dass alle eins seien, wie Du und ich eins sind, damit die Welt glaubt, dass Du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Die Ökumene ist Kernthema des Christentums und „eine Frage auf Leben und Tod der Christenheit“ (Karl Rahner). Damit ist sie Auftrag für alle Gläubigen.

In Übereinstimmung mit dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen geht es PRO ORIENTE um eine Einheit in versöhnter Vielfalt. PRO ORIENTE lehnt jede Art von „Rückkehrökumene“ ab. „Nicht gegenseitige Absorbierung, noch Verschmelzung ist das Ziel, sondern Begegnung in Wahrheit und Liebe“, wie Johannes Paul II. immer wieder betonte. Jeder behält seine eigene Identität, die christlichen Konfessionen sollten ihre Identität aber nicht in der Abgrenzung voneinander sehen, sondern in Relation zu ihnen, d.h. im geschwisterlichen Umgang miteinander.

Ökumene als christliche Antwort auf die Zeichen der Zeit
Alle Kirchen haben ihre eigenen Geistesgaben. Da aber in keiner Kirche alle konkret verwirklicht sind, besteht laut Kardinal Kasper die ökumenische Perspektive darin, „aus bislang kontradiktorischen, einander ausschließenden Gegensätzen komplementäre, einander fruchtbar ergänzende und bereichernde Gegensätze“ werden zu lassen.

In einer Zeit, in der die Menschheit immer mehr zu einer großen Schicksalsgemeinschaft zusammenrückt, ist Ökumene die christliche Antwort auf die Zeichen der Zeit.

Zum Unterschied zur Zeit vor dem 2. Vatikanischen Konzil, als sich die Kirchen noch als Feinde und Häretiker betrachteten, ist ein Vorgehen „par cum pari“ (Gleichberechtigung) inzwischen ein zwischen christlichen Kirchen – zumindest in Österreich - geltender Grundsatz geworden, sagt die langjährige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Oberin Prof. Christine Gleixner.

Eine zukunftsweisende Perspektive für die Ökumene in Europa ist die Charta Oecumenica, die 2001 in Straßburg vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK, 127 Kirchen) abgeschlossen wurde. Es handelt sich um Leitlinien für die Zusammenarbeit unter den Kirchen Europas.

Ökumene und die Welt
Konfessionsgespräche seien keine bloße „innere“ Angelegenheit des Christentums, sondern sie spielten eine „wesentliche Rolle für das Überwinden von Trennungslinien zwischen Gemeinschaften und Nationen“ (Benedikt XVI.). Zu dem selben Ergebnis kommt eine noch von Romano Prodi eingesetzte EU-Reflection Group, sie stellte fest, dass Materielles und schon gar nicht der Markt jenes Bewusstsein und jene Identität und Solidarität erzeugen können, die für das europäische Einigungsprojekt notwendig seien. Es brauche, trotz aller historischen Spaltungen, die den Religionen innewohnende gemeinschaftsstiftende Kraft.

Dazu Kardinal Lustiger über „Ökumene und Europa“: „Der christliche Glaube ist das genetische Prinzip der Einheit Europas“. Die Ökumene berühre das, was das Politische nicht in Bewegung bringen könne, daher ist im Zuge der europäischen Osterweiterung auch eine Osterweiterung der Ökumene dringend erforderlich. Die Integration der osteuropäischen Staaten in die Europäische Gemeinschaft kann daher nur gelingen, wenn die orthodoxen Kirchen mit ins Boot kommen. Die Ökumene mit Osteuropa ist für Europas Zukunft lebenswichtig. Die Stiftung PRO ORIENTE hat Südosteuropa bereits seit mehreren Jahren zum Schwerpunktgebiet erklärt. PRO ORIENTE versteht ihre Arbeit als Friedensprojekt.

Ökumene und die Religionen
Das Gespräch mit den nicht-christlichen Religionen, insbesondere mit Juden und Muslimen, war ebenfalls ein lebenslanges Anliegen Kardinal Königs. Die Radikalisierung von Teilen der islamischen Welt, unter der die meist kleinen christlichen Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens immer mehr leiden, bildet für PRO ORIENTE eine zusätzliche Herausforderung, sich auch mehr mit diesem Thema auseinander zu setzen. Sie tut dies aber nur, insofern ihre Partner, das sind orthodoxe oder orientalisch-orthodoxe Kirchen, betroffen sind. Die Stiftung veranstaltet zu dieser Thematik Vorträge, Podiumsdiskussionen und bemüht sich um den Kontakt mit MuslimInnen und deren Einrichtungen in Österreich.

Sektion: Wien

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