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Franz König

Pro Oriente

Orth. Bischofskonferenz:

Offiziell anerkannt, neue orthodoxe Diözesen möglich

offiziell anerkannt, neue orthodoxe Diözesen möglich

Novellierung des Orthodoxengesetzes von 1967 – Gleichstellung der orthodoxen Kirche mit katholischer und evangelischer Kirche – Ministerin Schmied würdigte in der Nationalratsdebatte Einsatz von Metropolit Staikos

Wien, 12.08.11 (poi) Die orthodoxe Bischofskonferenz für Österreich ist jetzt offiziell anerkannt, neue orthodoxe Diözesen können in Österreich errichtet werden. Möglich wurde das durch eine Änderung des „Bundesgesetzes über äußere Rechtsverhältnisse der griechisch-orientalischen Kirche in Österreich“ von 1967. Ein diesbezüglicher gemeinsamer Antrag von SPÖ und ÖVP wurde am 7. Juli vom Nationalrat angenommen, am 21. Juli vom Bundesrat; die Veröffentlichung der Novelle erfolgte im Bundesgesetzblatt vom 29. Juli. Hintergrund des Antrags von SPÖ und ÖVP war die 2009 innerhalb der Orthodoxie erzielte Einigung über die Organisation der orthodoxen Kirchen in der weltweiten Diaspora und die 2010 erfolgte Konstituierung einer orthodoxen Bischofskonferenz für Österreich.

In der Nationalratsdebatte hatte die zuständige Ministerin Claudia Schmied in besonderer Weise Metropolit Michael Staikos gedankt; die Errichtung einer orthodoxen Bischofskonferenz im Vorjahr habe dazu beigetragen, dass die Novelle des Orthodoxengesetzes möglich geworden sei. Abg z NR Elmar Mayer (SPÖ) erinnerte daran, dass die orthodoxen Kirchen in Österreich seit mehr als 250 Jahren präsent sind. Die Änderungen des Gesetzes von 1967 ermöglichten ihnen die Errichtung neuer Diözesen und Gemeinden. Damit reagiere man auf einen berechtigten Wunsch der Orthodoxie. Abg z NR Hermann Gahr (ÖVP) schloss sich den Ausführungen seines Vorredners an und hielt darüber hinaus fest, dass die Novelle eine Gleichstellung der Orthodoxie mit anderen christlichen Kirchen bedeute. Auch Abg z NR Harald Walser (Grüne) zeigte sich über die Einigung der orthodoxen Kirchen über die Diaspora erfreut. Das ermögliche die rechtliche Gleichstellung der großen christlichen Kirchen in Österreich.

In der Novelle wird festgehalten, was zu den staatlich relevanten Aufgaben der orthodoxen Bischofskonferenz gehört: Koordination des Religionsunterrichts im Sinne des Religionsunterrichtsgesetzes, Teilnahme am Begutachtungsverfahren neuer Gesetze, Abgabe von „Stellungnahmen gegenüber dem Bundesminister für Unterricht, Kunst und Kultur“ vor der Anerkennung von orthodoxen Einrichtungen.

Im Hinblick auf die Errichtung neuer Diözesen heißt es, der Bundesminister für Unterricht, Kunst und Kultur habe auf Antrag des jeweiligen Patriarchats die Errichtung einer Diözese im Bundesgesetzblatt kundzumachen, wenn in Österreich zumindest zwei Gemeinden des betreffenden Patriarchats bestehen, der Bischofssitz dieser Diözese (oder der Sitz des entsprechenden Bischofsvikars) in Österreich ist und von der jeweiligen kirchlichen Oberbehörde genehmigte Satzungen der Diözese vorliegen. Mit der Kundmachung erlangt die Diözese die Stellung einer Körperschaft öffentlichen Rechts.

Durch das Orthodoxengesetz von 1967 war nur die Metropolie des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel anerkannt worden. Jetzt können auch die russische und die serbische Diözese die öffentlich-rechtliche Anerkennung erlangen. Derzeit ist noch nicht abzusehen, ob auch die rumänische und die bulgarische orthodoxe Kirche eigene Diözesen für Österreich errichten werden. Darüberhinaus bestehen in Österreich auch Gemeinden der georgischen Kirche und der Kirche von Antiochien.

Die Novelle ermöglicht den Ausbau des orthodoxen Seelsorgenetzes: „Innerhalb einer Kirchengemeinde können Pfarren ohne Rechtspersönlichkeit eingerichtet werden, wobei diesen mit Zustimmung der jeweiligen Diözese die eigene Vermögensverwaltung übertragen werden kann“.

Durch die Migrationsbewegung der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der orthodoxen Christen in Österreich stark zugenommen. Insgesamt wird die Zahl der Orthodoxen auf weit mehr als 400.000 geschätzt.

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