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Franz König

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Iran:

Armenier pilgern zum ältesten christlichen Kloster der Welt

Armenier pilgern zum ältesten christlichen Kloster der Welt

Teheran, 19.07.12 (poi) Tausende Armenier aus dem Iran, aber auch aus Armenien und anderen Nachbarstaaten pilgern am Freitag/Samstag aus Anlass des Thaddäus-Festes zum St. Thaddäus-Kloster im iranischen Azerbaidschan. Das St. Thaddäus-Kloster (armenisch: Surp Tadeos Vank) ist der bedeutendste christliche Sakralbau im Iran; nach Ansicht von Wissenschaftlern handelt es sich um das älteste christliche Kloster überhaupt. Nach der Legende erlitt der Heilige Judas Thaddäus – einer der zwölf Apostel – im ersten Jahrhundert an jener Stelle, wo sich heute das imposante Kloster erhebt, den Märtyrertod. Bereits im Jahr 68 nach Christus soll an dieser Stelle eine kleine Kirche errichtet worden sein. Später wurde das St. Thaddäus-Kloster zu einem der bedeutendsten spirituellen Zentren des damaligen armenischen Teilstaates Vaspurakan. Weil die ursprüngliche Klosterkirche aus schwarzem Basalt erbaut ist, erhielt der gesamte Klosterkomplex von der Azeri sprechenden Bevölkerung der Umgebung den Namen „Kara Kilise“ (Schwarze Kirche). Neben der „schwarzen Kirche“ erhebt sich eine weitaus größere Kirche aus hellem Sandstein, deren Erbauung zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Großzügigkeit des Kadscharen-Prinzen Abbas Mirza ermöglicht wurde. Beide Gotteshäuser zeichnen sich durch ihre polygonalen Kuppeltamboure und die konischen Kuppeln sowie den von der berühmten Kathedrale von Achtamar am Van-See inspirierten plastischen Schmuck aus.

Im Verlauf der Geschichte wurde das St. Thaddäus-Kloster immer wieder durch kriegerische Ereignisse und Naturkatastrophen heimgesucht (insbesondere durch das große Erdbeben von 1319), aber jeweils wieder aufgebaut. Die letzte große Restaurierung begann in den siebziger Jahren. Die iranischen Denkmalschutzbehörden haben viel in die Erhaltung des Klosters investiert, seit dem Juli 2008 gehört das St. Thaddäus-Kloster zum UNESCO-Welterbe. Die armenisch-apostolische Kirche möchte das Kloster auch als spirituelles Zentrum revitalisieren.

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