Pro Oriente Logo

Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

20 Jahre PRO ORIENTE in Salzburg

Interview mit Erzbischof Dr. Alois Kothgasser

Die Idee der späteren Stiftung PRO ORIENTE lässt sich in Salzburg sogar ziemlich genau ein halbes Jahrhundert zurückverfolgen. Schon Ende 1955 entwickelte der damalige Salzburger Erzbischof, DDr. Andreas Rohracher den Plan, an der Salzburger Universität ein „Orientalisches Institut“ zu gründen.

Das ist richtig. Dieses Institut sollte sich, so hieß es, in wissenschaftlicher Weise der Wiedervereinigung der Kirchen widmen. Im Rahmen des „Internationale Forschungszentrums“ (IFZ) auf dem Mönchsberg entstand dann 1960, also noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, tatsächlich ein entsprechendes „Ostinstitut“. Als Vorstand konnte Prof. DDr. Ernst Florian Winter gewonnen werden. Sein Nachfolger Pater DDr. Ludger Bernhard aus Maria Laach wurde dann 1971 als erster Professor für Ökumenische Theologie an die Universität Salzburg berufen. Seit 2000 steht das „Institut für den Christlichen Osten“ am IFZ unter der Leitung von Prof. DDr. Peter Hofrichter und Pater Prof. Dr. Gottfried Glassner. Hier ist jetzt auch die Sektion Salzburg der Stiftung PRO ORIENTE beheimatet.

Die Stiftung PRO ORIENTE ist 1964, während des Zweiten Vatikanischen Konzils, von Kardinal König gegründet worden, um in der Hauptstadt des neutralen Österreich eine Begegnungsplattform mit Theologen aus den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang zu schaffen. Seit wann gibt es eine Außenstelle in Salzburg?

Die Stiftung PRO ORIENTE ist ja eine Einrichtung der Erzdiözese Wien. Mitte der achtziger Jahre wollte man auch in anderen österreichischen Diözesen aktiv werden, dort durch regelmäßige Veranstaltungen über die ökumenischen Ziele von PRO ORIENTE informieren und in den Bundesländern Sponsoren für die internationalen Dialogprojekte in Wien gewinnen. Die offizielle Gründung der neuen Sektion erfolgte durch den Salzburger Erzbischof DDr. Karl Berg am 7. Oktober 1985.

Der erste Vorsitzende der „Sektion Salzburg des Stiftungsfonds PRO ORIENTE“ – wie es damals offiziell hieß – war der Altlandeshauptmann und damals schon legendäre Landesvater Dipl.Ing. DDr. Hans Lechner, der sich mit dieser Aufgabe völlig identifizierte. Ihm folgten Bundesrat Dkfm. Dr. Helmut Frauscher und Baronin Maria Anna Mayr-Melnhof. Zur Zeit steht die Salzburger Sektion unter der Leitung von Altlandeshauptmann Dr. Hans Katschthaler. Als erster Vorsitzender des Finanzausschusses konnte der Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Dr. Hans Leobacher gewonnen werden, 1988 übernahm das Amt sein Nachfolger DDr. Manfred Holztrattner, der dem Finanzausschuss von Anfang an angehörte. Generaldirektor Holztrattner erfüllt diese Aufgabe mit großer Gewissenhaftigkeit bis heute. Der Raiffeisenverband verwaltet das Budget der Sektion. Leiter des Arbeitsausschusses war bis 1993 der Spiritual des Priesterseminars und Pfarrer von Anif, Mag. Rupert Reindl, seither Prof. DDr. Peter Hofrichter. Von Anfang an immer dabei war der Rektor des Bildungshauses St. Virgil, Prälat Dr. Hans Walter Vavrovsky. In Zukunft wird der neue, eben aus Amerika an die Universität Salzburg berufene Kirchenhistoriker, Prof. Dr. Dietmar Winkler, der mit PRO ORIENTE seit langem verbunden ist und beim Einheitsrat im Vatikan mitarbeitet, sicherlich auch neue Akzente setzen.

Die Aktivitäten der Sektion waren ja von einer großen Dichte und hohen Qualität gekennzeichnet. Wie ging es weiter?

Bis heute fanden 73 Vortragsabende oder „Akademien“ von PRO ORIENTE statt – die meisten im Bildungshaus St. Virgil. Drei große Kongresse über die Slawenapostel Cyrill und Method, über die religiöse Vielfalt in der Habsburger-Monarchie und zur 1000-Jahr-Feier der Christianisierung Russlands wurden in Zusammenarbeit mit der Universität und der Landesregierung durchgeführt. Schon 1986 ging die junge Sektion auf eine große „Ökumenische Pilgerfahrt nach Rom und Konstantinopel“. Die bisherigen Höhepunkte in der Pflege der Beziehungen zu den europäischen Kirchen waren die ökumenischen Begegnungsreisen mit Erzbischof Dr. Georg Eder: 1995 nach Bulgarien, 1997 nach Moskau und 2003 nach Rumänien. Anfang 2005 nahm ich an der Weihnachtsliturgie des russisch-orthodoxen Erzbischofs in Wien teil. Eine Reise nach Moskau ist wieder für nächstes Jahr geplant. Auch die Kontakte zu den Altorientalischen Kirchen – das sind die orthodoxen Kopten, Syrer, Armenier, Äthiopier und Inder – haben sich gut entwickelt. 2002 reiste Erzbischof Eder mit einer Gruppe nach Ägypten. Von Salzburg aus wurde auch viel getan, um die gesetzliche Anerkennung der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Österreich zu erreichen. Als Stipendiaten der Erzdiözese oder des Stiftes St. Peter haben orthodoxe Studenten aus Griechenland, Indien, Armenien, Syrien und Russland bei uns Theologie studiert, ein Bulgare und ein Ägypter kommen eben jetzt. Diese jungen Leute gehen als Freunde Österreichs und der österreichischen Kirche in ihre Heimatländer zurück und werden dort oft Professoren und Bischöfe.

Zu den Aufgaben von PRO ORIENTE gehört auch – im Zusammenwirken mit dem Sekretariat des Salzburger Erzbischofs – die Vorbereitung und Betreuung hochrangiger Besuche aus dem christlichen Osten. Können Sie uns Beispiele nennen?

Ganz große Höhepunkte waren zuletzt im Jahr 2001 der Besuch des Katholikos-Patriarchen aller Armenier Karekin II. von Etschmiadzin und im Jahr 2004 der Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel. Die in Wien residierenden orthodoxen Bischöfe Metropolit Michael Staikos, Erzbischof Hilarion Alfeyev, Erzbischof Mesrob Krikorian und Bischof Anba Gabriel sind immer wieder bei uns zu Gast. Viele andere orthodoxe Würdenträger kamen und kommen auf Einladung der Sektion im Rahmen der regelmäßigen Bildungsveranstaltungen von PRO ORIENTE nach Salzburg, zuletzt wieder der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Mar Gregorios Yohanna Ibrahim.

Wo sehen Sie, Herr Erzbischof, die besondere Aufgabe von PRO ORIENTE in Salzburg?

Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hat gesagt, Europa muss lernen, mit beiden Lungenflügeln zu atmen, dem westlichen und dem östlichen. Bis 2008 werden der Europäischen Union vier mehrheitlich orthodoxe Staaten angehören, Griechenland, Zypern, Bulgarien und Rumänien, andere wie Serbien und Makedonien werden folgen. Orthodoxe Christen leben auch längst mitten unter uns. In Wien sind die Orthodoxen nach den Katholiken – aber bereits vor unseren evangelischen Mitchristen und vor den Muslimen – die zweitstärkste Bekenntnisgruppe. In Salzburg gibt es zwei serbisch-orthodoxe Pfarren, eine rumänisch-orthodoxe und eine russisch-orthodoxe Pfarre, außerdem viele armenische, griechische, indische und koptische Christen aus der Orthodoxie. Wir müssen diese uns noch weitgehend unbekannten Mitchristen besser kennenlernen, unsere Gemeinsamkeiten entdecken – im Glauben gibt es ja zwischen Katholiken und Orthodoxen kaum Unterschiede – und mit ihnen im vereinten Europa zusammen mit den evangelischen Brüdern und Schwestern unseren gemeinsamen christlichen Glauben bekennen und leben. Europa wird das gemeinsame Zeugnis von West und Ost brauchen, um seine christlichen Wurzeln wieder zu finden, um sein geistiges Erbe zu bewahren und die Liebesbotschaft Jesu gegen alle Widrigkeit des Zeitgeistes für eine lebenswerte Zukunft neu zum Strahlen zu bringen.

Druckversion