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Franz König

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US-Imam Arafat: In den USA "boomt" Islamdialog

Syro-amerikanischer Imam bei Pro Oriente-Gespräch in Wien - Immer breiter werdende Bewegung der Verständigung von dialogbereiten Muslimen und Christ

Wenig beachtet von der Medienöffentlichkeit, gibt es in den USA eine immer breiter werdende Bewegung der Verständigung von dialogbereiten Muslimen, Christen und Juden. Das betonte der US-amerikanische Imam und Leiter der "Civilizations Exchange and Cooperation Foundation" (CECF), Mohamad Bashar Arafat, ein gebürtiger Syrer, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der US-Botschaft und der ökumenischen Stiftung Pro Oriente am Dienstag in Wien. Arafat spricht außerdem am Donnerstag abend um 18.30 Uhr an der Universität Wien (Campus Hof 10, Hörsaal D) zum Thema "Islam und der Westen";Pro Oriente, seit kurzem auch intensiv im Islam-Dialog involviert, ist Mitveranstalter.

Arafat, der an einer katholischen Universität in Malaga promoviert hat, betonte, sein Anliegen
sei dieFortführung der moderaten, die Gemeinsamkeit der "abrahamitischen Religionen" (Judentum, Christentum und Islam) unterstreichenden Richtung des 2004 verstorbenen syrischen Großmuftis Scheich Ahmad Kaftaro. Er selbst - so Arafat - habe vor der Übersiedlung in die USA 1989 noch bei Kaftaro studiert.

Auf Einladung des dialogoffenen syrischen Großmuftis hatte Papst Johannes Paul II. im Mai 2001 die Omayyaden-Moschee in Damaskus besucht. Kaftaro war schon zuvor auf Einladung von Kardinal Franz König in Wien zu Gast gewesen; seinerseits hatte dieser den Kardinal bei dessen Damaskus-Besuch eingeladen, am Freitag das Wort an die muslimischen Gläubigen zu richten. Laut Arafat sei der Dialog zwischen der muslimischen Gemeinschaft in den USA und der
amerikanischen Gesellschaft nach den Terroranschlägen von 11. September 2001 intensiver geworden. " Jetzt, nach 9/11, versuchen Schulen, Universitäten, verschiedene Institutionen aufeinander zuzugehen und mehr und mehr zu lernen", so der US-Imam und Instituts-Leiter.
Es gebe heute mehr Austauschprogramme als in früheren Jahren. Auch er selbst - so Arafat -
werde immer öfter gefragt, sich an entsprechenden Programmen zu beteiligen oder Vorträge zu halten. Der US-Imam plädierte in Wien für mehr Dialog und Begegnung zwischen den Kulturen
und den Religionen. Die Rede vom "Clash of civilizations" sei ein Unsinn, weil Kulturen "einander nicht bekriegen, sondern einander bereichern". Das Problem seien immer Pauschalurteile und Unwissen.

Arafat ist Mitbegründer und Präsident der "Civilizations Exchange and Cooperation Foundation" (CECF), die sich für interreligiösen Dialog einsetzt. Seit Jänner dieses Jahres hat er im Rahmen eines internationalen Vortragsprogramms des amerikanischen Außenministeriums bereits unterschiedliche, hauptsächlich afrikanische und asiatische Staaten besucht.

Die vor allem in der Ostkirchen-Ökumene aktive Stiftung Pro Oriente machte nach eigenen Angaben den Schritt zum interreligiösen Dialog mit dem Islam deshalb, weil die Partnerkirchen in mehrheitlich muslimischen Ländern davon betroffen sind - wie z.B. die Christen in Syrien, im Libanon, Irak oder Jordanien. Das entspreche auch dem Wunsch Kardinal Königs, "dem dieser Dialog ein lebenslanges Anliegen war", so die Stiftung in ihrem Grundsatzprogramm.

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