RUSSISCHER PATRIARCH GESTORBEN
Die Stiftung PRO ORIENTE trauert um den am 5. Dez. 08 verstorbenen Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus, Seine Heiligkeit Aleksij II.
Die folgende Kondolenz von Präsident Dr. Johann Marte vermittelt einen Eindruck von den vielfältigen und tiefgehenden Beziehungen, die PRO ORIENTE zu Seiner Heiligkeit pflegte.
Seiner Eminenz Kyrill
Metropolit von Smolensk und Kaliningrad
Leiter des Kirchlichen Außenamts des Moskauer Patriarchats
Moskau
RUSSLAND
Wien, am 5. Dezember 2008
Eminenz,
mit großer Trauer hat die Stiftung PRO ORIENTE heute die dramatische Nachricht vom Heimgang Seiner Heiligkeit Aleksij II. entgegen genommen. Diese bestürzende Mitteilung hat uns umso tiefer getroffen, als wir - gemeinsam mit der russisch-orthodoxen Gemeinde und ihrem Bischof Hilarion - bereits voller Vorfreude den Besuch Seiner Heiligkeit in unserer österreichischen Bundeshauptstadt in 14 Tagen erwarteten.
Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an die großherzigen und ehrenvollen Worte, die Seine Heiligkeit Patriarch Aleksij II. über unseren Gründer Kardinal König und unsere Tätigkeit bei vielen Gelegenheiten gefunden hat und die seine enge Verbundenheit mit PRO ORIENTE ausdrückten.
Gewürdigt hat Seine Heiligkeit Patriarch Aleksij II., dass unser verehrter Gründer Kardinal Franz König seine Anteilnahme an zwei bedeutenden Ereignissen der russischen Geschichte bekundete, indem er bei der 600-Jahr-Feier der Schlacht von Kulikowo 1980 und dem 1000-Jahr-Jubiläum der Taufe Russlands 1988 zugegen war. Kardinal König selbst bezeugte seine Zuneigung zur Russischen Orthodoxen Kirche mit den Worten: „Ich verehre das einfache russische Volk, schätze die russische Sprache und ich bin begeistert von den großen Werken der russischen Literatur, die ja ihre tiefen Wurzeln in der Orthodoxie haben“ (Referat in Stuttgart 1985).
Es war der aufrichtige Wunsch Seiner Heiligkeit, den er bei der 30-Jahr-Feier von PRO ORIENTE 1995 äußerte, dass sich die Kontakte der Stiftung PRO ORIENTE zum Moskauer Patriarchat sich „auch für die Zukunft fruchtbar entwickeln werden, […] und den Geist des uneigennützigen ökumenischen Dienstes und der brüderlichen Liebe tragen“.
Seine Heiligkeit Patriarch Aleksij II. war es, der uns aufforderte, bei der Heilung der Wunden der zwischenkonfessionellen Auseinandersetzung in der Westukraine mitzuwirken. So fanden 1993, 1994 und 1998 irenische Gespräche und Initiativen mit orthodoxen und griechisch-katholischen Bischöfen aus der Ukraine in Wien unter der Ägide von PRO ORIENTE statt. Seit dem Jahr 2001 untersucht PRO ORIENTE im Rahmen eines Großprojektes historisch und quellenkritisch die Entstehungsgeschichte und die Folgen der Union von Brest. Dieses Projekt soll demnächst in ein gemeinsam durch alle betroffenen Konfessionen der Ukraine, Polens und Russlands verfasstes Lehrbuch münden.
1991 besuchte eine Vorstandsdelegation von PRO ORIENTE unter der Leitung von Kardinal König die Sowjetunion und wurde bei dieser Gelegenheit auch in Audienz von Seiner Heiligkeit Patriarch Aleksij II. empfangen. Diese Begegnung war für alle Teilnehmer der Reise ein memorables Ereignis.
Unvergessen bleibt auch der Besuch Seiner Heiligkeit im Juli 1997 in Wien, den PRO ORIENTE gemeinsam mit der hiesigen russisch-orthodoxen Gemeinde vorbereitete. Einer der Höhepunkt dieser Reise war sicher der wunderschöne Empfang im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek mit der Festrede von Kardinal König. Schon wenige Monate später erwiderte Kardinal Schönborn diesen Besuch. In Begleitung einer PRO ORIENTE-Delegation reiste er nach Moskau und St. Petersburg.
Unsere PRO ORIENTE Sektion Salzburg hatte unter der Leitung von Erzbischof Alois Kothgasser und Bischof Manfred Scheuer im April dieses Jahre die Ehre und das Glück an der patriarchalen Osterliturgie in Moskau teilzunehmen und anschließend mit ihm zusammenzutreffen.
Mit der Erhebung der vier Apostolischen Administraturen auf dem Territorium Russlands zu ordentlichen Diözesen im Februar 2002 trat in den Beziehungen zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan eine Eiszeit ein. Diese hat unsere Stiftung nicht gehindert, ihre guten Beziehungen zum Moskauer Patriarchat weiter zu pflegen und zu fördern. Ja, im Gegenteil, PRO ORIENTE intensivierte in dieser schwierigen Zeit ihre Beziehungen zur Russischen Orthodoxen Kirche noch stärker: wir initiierten eine wissenschaftliche Gesprächsreihe zu Fragen der christlichen Anthropologie mit der orthodoxen Universität zum hl. Johannes dem Theologen in Moskau und führten 2003 eine Enquête unter Mitwirkung von Ihnen, Eminenz, und Kardinal Schönborn, zur 2000 herausgebrachten russisch-orthodoxen Sozialkonzeption in Wien durch. Einer der Höhepunkte unserer Beziehungen war sicherlich, dass wir 2006 den ehrenvollen Auftrag erhielten, eine gemeinsame Tagung „Europa eine Seele geben“ über die Mission und Verantwortung der Kirchen für das Moskauer Patriarchat und den Päpstlichen Kulturrat in Wien auszurichten.
Die Stiftung PRO ORIENTE wird Seine Heiligkeit Patriarch Aleksij II. im ehrenvollen Gedenken in ihr Gebet einschließen.
Für den Vorstand
(Dr. Johann Marte)
Präsident |
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| Patriarch Aleksij II. und Erzbischof Kothgasser in Moskau, April 2008 |
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| Konferenzteilnehmer (aus dem Päpstlichen Kulturrat und dem kirchl. Außenamt des Moskauer Patriarchats) |
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| Kardinal König und der russisch-orthodoxe Patriarch Aleksij II. in Wien 1997 |
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