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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Nichols aus London besuchte die Katholiken von Gaza

„Die Zahl der Christen ist klein, aber ihr Glaube ist stark“

Gaza, 09.11.16 (poi) Der Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, hat als Vorsitzender der englischen katholischen Bischofskonferenz der katholischen Gemeinde in Gaza einen Solidaritätsbesuch abgestattet. „Es hat hier immer Christen gegeben; ihre Zahl ist klein, aber ihr Glaube ist stark“, stellte der Kardinal fest. Seit der Machtergreifung der „Hamas“ im Gaza-Streifen hat sich die Zahl der Christen dramatisch reduziert. Im Jahr 2007 lebten noch zirka 5.000 Christen in Gaza. Aktuell sollen es nur mehr 2.000 sein, die trotz häufiger Übergriffe auf körperliche Unversehrtheit und Eigentum in der Stadt ausharren, die von frühchristlicher Zeit bis ins 13. Jahrhundert eine große christliche Geschichte hatte.

Kardinal Nichols zelebrierte am 6. November in der Pfarrkirche zur Heiligen Familie (die im 19. Jahrhundert von einem aus Österreich stammenden Priester begründet wurde) die Sonntagsmesse. Er zeigte sich beeindruckt vom Bild der Flucht der Heiligen Familie durch Gaza, das hinter dem Hauptaltar der Kirche zu sehen ist. Nach der Messfeier traf der Kardinal mit Pfarrangehörigen zusammen und setzte sich mit den Sorgen der jungen Leute auseinander, die von der britischen katholischen Stiftung „Friends of the Holy Land“ unterstützt werden. Die Stiftung vermittelt den jungen Katholiken Stipendien zum Besuch von Universitäten und Arbeitsplätze.

In seiner Predigt hatte Kardinal Nichols betonte, er sei aus London gekommen, um den Katholiken von Gaza die Zuneigung ihrer britischen Glaubensgeschwister zu überbringen und sie zum Ausharren zu ermutigen. Er erinnerte an die erste Lesung vom Sonntag, in der das Schicksal der sieben jungen Makkabäer-Brüder geschildert wird, die wegen ihrer Treue zum Gebot Gottes unter den Seleukiden den Märtyrer-Tod erlitten. Sie hätten den Glauben dem Leben vorgezogen, so der Kardinal. Das geschehe heute auch an vielen Orten im Nahen Osten, wo Menschen ihren Glauben als das Wichtigste bezeichnen und dafür Verfolgung auf sich nehmen. Das Zeugnis und die Standfestigkeit der Christen von Gaza habe auch für ihn eine große Stärkung bedeutet, so der Kardinal.

Er berichtete in seiner Predigt auch, was der letzte Anstoss zu seiner Reise nach Gaza war: Vor drei Monaten sei sein jüngerer Bruder John gestorben. Dessen Freunde hätten gesammelt und gebeten, dass der Kardinal diese kleine Gabe der Pfarre in Gaza übergeben möge. Das tue er jetzt und bitte die Katholiken von Gaza um ihr Gebet für seinen Bruder.

Die katholische Kirche führt in Gaza außer der Pfarre auch zwei Schulen – deren Schülerinnen und Schüler zu 90 Prozent Muslime sind – sowie ein Heim für behinderte Kinder und andere Sozialwerke.

Protest orthodoxer Christen

Im Oktober kam es in Gaza erstmals zu einem Protest orthodoxer Christen gegen die ständige Bedrängnis durch radikale Islamisten, ohne dass die von „Hamas“ kontrollierten Behörden eingreifen. Dabei ging es einerseits um tätliche Angriffe auf christliche Institutionen, andererseits um offensichtlich unter Druck erfolgte Konversionen von jungen Christen zum Islam. Der orthodoxe Bischof Alexios – der die aus dem Jahr 407 stammende orthodoxe Porphyrios-Kirche in Gaza betreut – sagte im Gespräch mit arabischen Journalisten, dass nach seinen Informationen die Konversionen tatsächlich durch „Drohungen, Zwang und Gewalt“ erfolgt seien. Die orthodoxe Kirche habe sich in einer Petition an den von „Hamas“ gestellten Ministerpräsidenten von Gaza, Ismail Haniyeh, mit der Bitte um Untersuchung der Vorgänge gewandt, aber keine Antwort erhalten. Die Kirche werde sich jetzt an den Heiligen Stuhl, den Weltkirchenrat und an die Vereinten Nationen wenden.

Muslimische Geistliche in Gaza erklärten, die Konvertiten hätten aus freier Entscheidung zum Islam gefunden. Zugleich weigerten sie sich aber, den christlichen Familien Treffen mit ihren zum Islam konvertierten Familienmitgliedern zu gestatten. (ende)