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Franz König

Pro Oriente

Wien: Gedenken an Metropolit Chrysostomos Tsiter

Nichte des Metropoliten übergab dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien großzügige Schenkung – „Tsiter-Kontopolou-Preis“ für Nachwuchskräfte der Wissenschaft – Bei der Festveranstaltung wurden geläufige Vorurteile gegen die orthodoxe Kirche zurückgewiesen

Wien, 09.06.17 (poi) Im Zeichen des Gedenkens an den ersten orthodoxen Metropoliten von Austria, Chrysostomos Tsiter (1903-1995, Metropolit 1963-1991), stand am Donnerstagabend eine Festveranstaltung im Wiener Universitätsarchiv in der Postgasse: Erifylis Kontopoulou hat der Universität Wien zu Gunsten des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik eine großzügige Schenkung dezidiert, mit deren Hilfe das Andenken an ihren Onkel Chrysostomos Tsiter gepflegt werden soll. Besonderes Interesse gilt dabei der Unterstützung der Erforschung der byzantinischen und frühmodernen hellenischen Kultur.

Bei der Festveranstaltung unterstrich Prof. Lioba Theis, Vorstand des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik, dass es durch die Tsiter-Kontopoulou-Schenkung möglich geworden sei, den bisher nicht dotierten Wissenschaftspreis des Instituts in den „nächsten 25 bis 30 Jahren“ als „Tsiter-Kontopoulou-Preis“ auch zu dotieren. Darüberhinaus sei es jetzt auch möglich, im Bereich von Byzantinistik und Neogräzistik Nachwuchsförderung (u.a. auch durch Reisestipendien), Projektforschung (auch zum ökumenischen Dialog) usw. zu betreiben. Für das Institut sei es eine selbstverständliche Verpflichtung, ohne zeitliche Begrenzung die Pflege des Grabes von Metropolit Tsiter zu übernehmen. Prof. Theis erinnerte – ebenso wie die Dekanin der Historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Claudia Theune-Vogt - daran, wie sehr Metropolit Tsiter mit der Universität Wien verbunden war, wie sehr es ihm aber auch um den Aufbau und die Pflege der ökumenischen Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen ging.

Im Rahmen der Festveranstaltung – an der u.a. auch die Vizerektorin der Uni Wien, Prof. Christa Schnabl, und „Pro Oriente“-Präsident Johann Marte teilnahmen – wurden auch zwei Forschungsberichte vorgestellt. Maria Goiana (Wien) berichtete über „Die Hymnen des Theodoros Studites und die Erforschung der entsprechenden Handschriften“. Theodoros Studites (759-826) ist wegen seiner monastischen Reformen, seinem Kampf gegen die Ikonoklasten (Feinde der Bilderverehrung) und seines umfassenden literarischen Oeuvres eine wichtige Gestalt der byzantinischen Geistesgeschichte. Weniger beachtet wurden bisher seine Hymnendichtungen, die auf einer starken Tradition des Stoudion-Klosters beruhten (das Kloster wurde 454 begründet, war eines der bedeutendsten Konstantinopels, 1555 wurde es von den osmanischen Behörden geschlossen und die Klosterkirche in eine Moschee umgewandelt). Den eigentlichen Festvortrag hielt Prof. Paschalis Kitromilides (Athen) über „Die orthodoxe Kirche und die säkularen Ideologien der Moderne“. Prof. Kitromilides arbeitete vor allem die Auseinandersetzung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel mit den Systemen der Moderne, der Aufklärung und des Nationalismus heraus. Der Athener Wissenschaftler wies insbesondere zwei verbreitete Vorurteile zurück: Dass die orthodoxe Kirche von bedingungsloser Feindschaft gegen die Aufklärung erfüllt war und dass sie mit dem Nationalismus zu identifizieren sei.

Chrysostomos Tsiter stammte aus der – damals noch ganz griechischen und christlichen – Stadt Triglia am Marmara-Meer. Er war der Neffe des (heilig gesprochenen) Märtyrer-Metropoliten Chrysostomos (Kalafatis) von Smyrna (Izmir), der im September 1922 bei der Eroberung der Industrie- und Handelsstadt durch die kemalistischen Truppen von einem Mob bestialisch ermordet wurde. Seine theologischen Studien absolvierte Tsiter an der berühmten Theologischen Hochschule auf der Insel Halki im Marmara-Meer. Im November 1963 wurde er vom Heiligen Synod des Patriarchats von Konstantinopel zum ersten Metropoliten von Austria (und damals auch Exarchen von Italien, der Schweiz und Ungarn) ernannt. In seiner Amtszeit erfolgte die Verabschiedung des Orthodoxen-Gesetzes, das die offizielle Anerkennung der orthodoxen Kirche in Österreich bewirkte. Sein Sekretär war viele Jahre Michael Staikos, der auch sein Nachfolger als Metropolit werden sollte. Tsiter führte einen ständigen Dialog mit Kardinal Franz König, aber etwa auch mit dem evangelisch-lutherischen Bischof Gerhard May und mit Unterrichtsminister Theodor Piffl-Percevic, dem späteren „Pro Oriente“-Präsidenten.

Tsiter hielt auch das Andenken an seinen ermordeten Märtyrer-Onkel wach, u.a. widmete er ihm ein dreibändiges Werk. Tsiter war es auch, der – damals noch ein Diakon – in den 1920er Jahren die Familienangehörigen des Märtyrers, vor allem dessen Schwager Nikolaos Sophocleos, veranlasste, Mitra, Enkolpion und Brustkreuz des Heiligen Chrysostomos dem Griechischen Historischen Museum in Athen zu übergeben. Die kostbaren Hinterlassenschaften waren im Chaos der Katastrophe von Smyrna auf das griechische Kriegsschiff „Lemnos“ gebracht worden. Der Kommandant des Schiffes übergab sie in Griechenland an Nikolaos Sophocleos. (ende)